Die Stärkung des Arbeitsengagements – eine Herausforderung für das 21. Jh.

Der Vater der Forschung über Workengagement aus den Niederlanden, Professor Wilmar Schaufeli, hat Modelle und Interventionsstrategien entwickelt, um Wohlbefinden von Menschen im Arbeitsprozess zu verbessern und auf dieser Basis eine höhere Produktivität von Unternehmen zu erreichen.

 

Am Anfang seines Vortrags in Budapest macht er deutlich, dass man auf Arbeit aus verschiedenen Perspektiven schauen kann. Die eine ist negativ. Sie betont die damit verbundene Anstrengung, körperliche und geistige Belastung und andere nicht so angenehme Aspekte. Die positive Perspektive hebt den Elan hervor, mit dem viele Menschen an die Arbeit gehen. Sie zeigt, in welchem Maße menschliche Arbeit zur Erfüllung des menschlichen Lebens beiträgt.

 

Hier hat die Erforschung des Arbeitsengagements ihre Schnittmengen zur Positiven Psychologie, bei der es u.a. darum geht, die Faktoren zu ermitteln, die Menschen und Organisationen in die Lage versetzen zu wachsen. 

 

Professor Schaufeli zeigt, dass es immer noch so ist, dass der große Teil der psychologischen Publikationen über die mentale Situation der Menschen im Prozess der Arbeit sich mit den negativen Folgen wie Burn-Out befaßt und nur ein sehr kleiner Teil die positiven Aspekte des Engagements im Arbeitsprozess in den Mittelpunkt der Forschung stellt.

 

Das ist aber nach seiner Ansicht um so wichtiger, da diese Frage auch unsere gesellschaftliche Struktur berührt. Die Gesellschaft ist zunehmend durch ständige Veränderung, Diversifizierung, wachsende geistige Anforderungen und Entstehung neuer Berufsbilder gekennzeichnet. Auf alle diese neuen Anforderungen muss die Forschung zur Arbeitswelt nach Meinung von Dr. Schaufeli eine Antwort finden.

 

Um heute ein guter Arbeiter oder Angestellter zu sein, braucht man nach seiner Ansicht mehr mentale Fähigkeiten als in der Vergangenheit, um den neuen komplexen Aufgaben im Beruf gewachsen zu sein.

Es ist daher für Arbeitseinheiten nicht genug, gesunde Mitarbeiter zu haben, sondern benötigt werden tatsächlich engagierte Mitarbeiter*innen.

 

Professor Schaufeli verweist in seinem Vortrag darauf, dass die Fragestellung nach der Bedeutung des Engagements im Arbeitsprozess zuerst in den 1990er Jahren im Geschäftsleben und nicht in der Psychologie thematisiert wurde. Das passierte dann nach 2000, als u.a. die Positive Psychologie sich dieses Themas annahm. Mittlerweile gibt es ein ganzes internationales Forschungsnetzwerk, das sich mit der Fragestellung des Engagements am Arbeitsplatz befasst.

 

Was ist nun Arbeitsengagement?  Es handelt sich nach Professor Schaufeli um einen positiven und affektiv-emotionalen Zustand der Erfüllung, der durch Elan, Hingabe und Vertieftsein (Absorption) charakterisiert ist.

Engagierte Menschen verfügen über viel Energie. Sie gehen mit Hingabe an die Lösung ihrer Aufgaben und werden durch sie "aufgesaugt". Sie erreichen einen Zustand des Flow, einen Tätigkeitsrausch.

 

Arbeitsengagement unterscheidet sich deutlich von Arbeitssucht. Bei letzterer handelt es sich nach Professor Schaufeli um eine Vermeidungsstrategie. Ein Süchtiger nach Arbeit will vermeiden nicht zu arbeiten, ob ihm die Arbeit nun gefällt oder nicht. Im Falle von Engagement in der Arbeit ist die entscheidende Motivation Freude an der Arbeit.

 

Ein Vergleich zwischen Menschen, die engagiert in der Arbeit sind (Typ 1), die in erster Linie Befriedigung in der Arbeit finden (Typ 2), Arbeitssüchtigen (Typ 3) und solchen mit Burn-Out-Symptomen (Typ 4) zeigt, dass mit Ausnahme von Typ 4 alle mit Energie an die Arbeit gehen. Freude an der Arbeit haben nur die Typen 1 und 2. Die Identifikation mit der Arbeit ist beim Typ 1 am höchsten. Dann folgen der Arbeitssüchtige und der Typ 2. Am Ende der Skala finden sich die Menschen, die ausgebrannt sind.

 

Das Team von Professor Schaufeli hat auch untersucht, in welchen Ländern in Europa das Arbeitsengagement besonders hoch ist. An der Spitze stehen dabei die Niederlande, Irland und Belgien. Deutschland liegt dabei unter dem europäischen Durchschnitt.

 

Einmal mehr zeigt sich auch,  dass Arbeitsengagement positiv damit korreliert, ob der Grad der Korruption in den Ländern niedrig ist, die demokratischen Institutionen als gut empfunden werden, die Geschlechterungleichheit gering ist und die Differenzen im Einkommen sich in Grenzen halten.

 

Hier wird eine weitgehende Übereinstimmung zwischen dem Grad von Glücksempfinden und Arbeitsengagement sichtbar.

 

Wie die Untersuchungen von Professor Schaufeli zeigen, schlägt sich ein hohes Arbeitsengagement auch in den wirtschaftlichen Bilanzen der Unternehmen nieder. Es trägt wesentlich dazu bei, die Abwesenheit vom Arbeitsplatz durch Krankheit zu verringern, die Zahl der  Arbeitsunfälle zu senken und Qualitätseinbußen zu vermeiden. Gleichzeitig hat es einen spürbaren Anteil daran, die Produktivität von Unternehmen und damit ihre Profitabilität zu erhöhen.

 

Auf der Webseite von Dr. Schaufeli kann nachgelesen werden, was getan werden muss, um das Engagement in der Arbeit zu steigern. Dazu hier.

 

An das Ende seines Vortrags stellte er eine Reihe von „goldenen Regeln“ für ein hohes Arbeitsengagement:

 

  1. Nutze die eigenen Stärken, Talente und Leidenschaften
  2. Führe ein gesundes Leben
  3. Sei optimistisch; konzentriere dich auf Gelegenheiten und nicht auf Probleme
  4. Helfe und unterstütze andere; sei freundlich und kooperativ
  5. Ergreife die Initiative und nutze Gelegenheiten
  6. Bemühe dich um Feedback, um dich zu verbessern
  7. Suche nach dem Sinn in deiner Arbeit
  8. Setze dir hohe, aber realistische Ziele
  9. Halte die Herausforderungen im Beruf aufrecht
  10. Läßt dein Arbeitsengagement nach, suche Rat

 

G.M.

 

 

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