Die dritte Säule der Positiven Psychologie aufrichten

Prof. Csikszentmihalyi betrachtet in seinem Vortrag in diesem Sommer während der Europäischen Konferenz für Positive Psychologie in Budapest und in zahlreichen Veröffentlichungen, wie das momentane Empfinden des Menschen und seine Persönlichkeitsentwicklung von den gesellschaftlichen Bedingungen beeinfusst werden. Er stützt sich in seinem Vortrag auf Erkenntnisse des European Social Survey aus den vergangenen Jahren. (Angaben hier)

 

Untersucht wird die Korrelation zwischen Zufriedenheit im Leben einerseits und Vertrauen in staatliche Institutionen, Einkommen sowie dem Unterschied zwischen Arm und Reich andererseits.

 

Aus den Befragungen von tausenden Teilnehmern an dieser Erhebung in zahlreichen Ländern der Erde werden klare Korrelationen sichtbar. So tragen Vertrauen in die staatlichen Institutionen und ein gutes Einkommen nachhaltig zu einem positiven Lebensgefühl bei. Dagegen korreliert eine wachsende Differenz zwischen Arm und Reich in den entsprechenden Ländern sowohl negativ mit Vertrauen in die staatlichen Institutionen als auch mit der Lebenszufiedenheit der Menschen.

 

In Veröffentlichungen der vergangenen Jahre geht Prof. Csikszentmihalyi noch einen Schritt weiter.  Er bezeichnet es als nächste große Herausforderung der Positiven Psychologie, einen Beitrag zu leisten, um die sozialen und kulturellen Verhältnisse, in denen die Menschen leben, zu verbessern. (Siehe eine Ausarbeitung zum Thema hier.)

 

Für ihn stellt sich die Frage, ob die Positive Psychologie in erster Linie dafür wirken soll, dass sich die Menschen in ihrem täglichen Leben besser fühlen oder ob sie sich gleichzeitig dafür engagieren sollen, dass alle Menschen ein besseres Leben führen können. Ersteres bezeichnet er als direktes oder therapeutisches Herangehen.

 

Die Herausforderung, das Leben der Menschen besser zu machen, bezeichnet er als indirekten Zugang oder Herangehen zur Befähigung. Es besteht nach Ansicht von Prof. Csikszentmihalyi darin, die Bedingungen zu ermitteln, in denen die Menschen optimistischer, glücklicher und zufriedener sind, und dann einen Beitrag dafür zu leisten, diese mit den Mitteln der Positiven Psychologie zu schaffen.

 

Wenn es beispielsweise durch die schlechte Führung eines Unternehmen dazu kommt, dass die Arbeiter frustriert sind, wäre die direkte Methode des Herangehens, das Personal zu trainieren, sich in seiner Situation besser zu fühlen und mit seiner misslichen Lage zurecht zu kommen. Das indirekte Herangehen würde darauf abzielen, die strukturellen Ursachen aufzudecken, die zu der genannten Frustration geführt haben, und zu ihrer Beseitigung beizutragen. Im Kern geht es dabei darum, dass die Positive Psychologie nicht nur im Blick hat zu verändern, wie wir uns im Leben fühlen, sondern auch dafür zu wirken, die Art und Weise zu verändern, wie wir leben.

 

Ein angenehmes oder sogar sinnerfülltes Leben zu führen, ist nach Auffassung von Prof. Csikszentmihalyi nicht das alleinige Ziel, das die Positive Psychologie haben kann. Er und die kongenialen Vertreter dieser Denkrichtung sind davon überzeugt, dass die Positive Psychologie die Verantwortung für ein größeres Projekt hat.

 

Dieses größere Projekt besteht nach Auffassung von Prof. Csikszentmihalyi darin, zu einem Wohlbefinden und Glücksgefühl der Menschen beizutragen, die das Überleben der Menschheit als Spezie mit in den Blick nehmen.

 

G.M.

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