Flourishing in der Natur - neue Erkenntnisse

In einer Studie, die vor kurzem im "Journal of Wellbeing" veröffentlicht wurde, untersuchen die Forscher die Frage, wie Kontakt mit der Natur und eine echte, tiefgehende Naturverbundenheit in Beziehung zum Flourishing stehen und wie beides dieses fördern. Sie beziehen sich dazu auf drei Theorien, die begründen, warum die Verbindung mit der Natur unserem Wohlbefinden nutzt und es befördert.

 

Dabei handelt es sich einmal um das Feld der Biophilie. Diese Hypothese stellt in den Mittelpunkt, dass für das Wohlbefinden und das Überleben unserer Vorfahren ihre Einbindung in die Natur von entscheidender Bedeutung war. Da die Menschen mit Blick auf ihre schon mehrere Millionen Jahre andauernde Geschichte erst einen sehr kurzen Abschnitt in Städten wohnen, trägt die Bewahrung unserer Verbindung mit der Natur einem angeborenen Teil des menschlichen Wesens Rechnung. Eine Vielzahl von Studien, auf die in dieser Analyse Bezug genommen wird, unterstreicht daher folgerichtig, dass die Befriedigung unseres Bedürfnisses, in Beziehung zur Natur zu treten, unser Wohlbefinden steigert.

 

Die Theorie der Wiederherstellung der Aufmerksamkeit liefert eine weitere Erklärung dafür, dass die Verbindung zur Natur für den Menschen nützlich und wertvoll ist. Die Theorie unterscheidet gerichtete Aufmerksamkeit, die für ausübende Fuktionen benutzt wird, und ungewollte Aufmerksamkeit, die völlig anstrengungslos erfolgt. Gerichtete Aufmerksamkeit ist eine begrenzte Ressource. Sie führt nach einer gewissen Zeit zur Ermüdung. Wenn sie aufgebraucht ist, kann sie zu einer negativen emotionalen Verfassung, wie Reizbarkeit und einem Abnehmen der kognitiven Leistungsfähigkeit, beitragen. Eine natürliche Umgebung ist dazu im Gegensatz ausgesprochen restorativ. Sie verschaft uns die Gelegenheit, uns gehen zu lassen und reiche Stimuli aus der Umgebung zu erhalten. Diese Anregungen, die ohne Kraftsanstrengung unsere Aufmerksamkeit fesseln, erlauben uns zu handeln, ohne ständig unser Verhalten kontrollieren zu müssen.

 

Einen dritten Ansatz liefert die sogenannte Stress-Reduktions-Theorie. Sie geht davon aus, dass unser Kontakt mit der natürlichen Umgebung, die evolutionär unser Wohlbefinden und Überleben gesichert hat, automatisch eine Reihe von Stress reduzierenden psycho-physiologischen Reaktionen  auslöst.

 

Unabhängig von ihrem Ausgangspunkt gelangen alle diese Theorien zu dem Schluss, dass die Verbindung mit der Natur menschliches Wohlbefinden fördert.

 

Eine ganze Reihe von empirischen Erhebungen, die weltweit in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Schon ein kurzer Aufenthalt in der Natur kann die Gemütslage nachhaltig verbessern. Metaanalysen aus Großbritannien zeigen, dass die Menschen sich glücklicher fühlen, wenn sie sich in einer natürlichen anstatt in einer urbanen Umgebung befinden. Bei diesen Analysen wurde deutlich, dass oftmals schon ein verhältnismäßig kurzer Aufenthalt in der Natur ausreicht, die Stimmung  zu verbessern. Dieser Effekt wird oftmals unterschätzt.

 

Empirische Untersuchungen haben auch gezeigt, dass schon das Betrachten von Fotos mit Objekten aus der Natur bzw. das Anschauen eines Naturfilms das Wohlbefinden der Testpersonen steigern.

 

Untersucht wurden auch die positiven Effekte, die entstehen, wenn jemand Blumen schenkt bzw. erhält. Das Überreichen von Blumen hat tatsächlich die suggestive Wirkung der Natur, positive Beziehungen zu verstärken. Empirische Studien haben darüber hinaus den Nachweis erbracht, dass Versuchspersonen, die mit Blumen ausgezeichnet wurden, stärker als andere geneigt waren, Fremden zu helfen.

 

Die Verbindung mit der Natur bringt damit nicht nur positive Resultate für das individuelle Flourishing. Sie hat auch einen nachhaltigen sozialen Aspekt. Man mag es kaum glauben, aber empirische Erhebungen haben zum Beispiel gezeigt, dass die Menge des Grün in der Umgebung von Wohngegenden mit der Intensität der Beziehungen zur Nachbarschaft positiv korreliert.

 

Angesichts der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse und der empirischen Erhebungen, die einen klaren Zusammenhang zwischen Flourishing und Einbettung des Menschen in die Natur aufzeigen,  stellt sich natürlich die Frage, welche Interventionen sich daraus für die Stärkung des Wohlbefindens beispielsweise für die Positive Psychologie ableiten lassen.

 

Einerseits existieren bereits internationale Programme, die die Menschen beispielsweise auffordern, täglich eine halbe Stunde in der Natur zu verbringen oder an Wanderungen zur Aufhellung der Gefühlslage teilzunehmen. Andererseits gibt es im Vergleich zu anderen Lebensbereichen wie Wirtschaft oder Beratung verhältnismäßig wenige ausgearbeitete Interventionen, die aufzeigen, wie die Natur genutzt werden kann, um unser aller Wohlbefinden zu steigern und glücklicher zu sein. Das ist eigentlich schade, da uns Natur fast überall kostenlos zur Verfügung steht.

 

Zur Studie geht es hier entlang.

 

 

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