Warum Freundschaften fast genauso glücklich machen wie Partnerschaften

Verschiedene Untersuchungen in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass Freundschaften die Menschen ähnlich glücklich machen wie langjährige feste Partnerschaften.

 

Es stellt sich die Frage, welches die Faktoren sind, die dazu beitragen, dass Freundschaftsqualität und Glücklichsein auf einem vergleichsweise so hohem Niveau interagieren?

 

Um diesen Zusammenhang untersuchen zu können, braucht es eine Definition dafür, was Glücklichsein bedeutet. Die Theorie darüber ist dabei in das breitere Feld der Forschung über psychologisches Wohlbefinden eingebettet. Hier existieren bekanntlich zwei Forschungstraditionen.

 

Eine Richtung ist das hedonistische Wohlbefinden, das das individuelle Vergnügen und individuelle Glück in den Mittelpunkt stellt. Die zweite ist als eudämonisches Wohlbefinden bekannt. Dieses zielt eher auf persönliches Wachstum, Selbstverwirklichung und Meisterung der Umwelt.

 

In den beiden Studien, über die hier informiert werden soll, wird das hedonistische Wohlbefinden in das Zentrum der Betrachtung gestellt, da es gerade die Erfahrung von Freundschaft als eine Quelle von Glück betrachtet und die gefühlsbedingte Komponente eine zentrale Rolle spielt.

 

Die Forscher konzentrieren sich dabei auf zwei Variablen, die beständig mit Glücklichsein in Verbindung gebracht werden. Dabei handelt es sich zum einen um die Freundschaft und zum anderen um die grundlegende psychologische Bedürfnisbefriedigung.

 

Freundschaft wird als eine freiwillige Wechselbeziehung zwischen zwei Personen über einen längeren Zeitraum gefasst, die darauf zielt, gemeinsame Ziele zu erreichen. Sie ist dabei durch einen unterschiedlichen Grad der Kameradschaft, der Intimität, der Zuneigung, der Hilfe, der Zuverlässigkeit, des Selbstwertgefühls und der emotionalen Sicherheit gekennzeichnet.

 

Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass Qualität der Freundschaft und die Befriedigung der psychologischen Grundbedürfnisse (Autonomie, Kompetenz und Beziehungsgeflecht) sowie das Glücklichsein in einer engen Wechselwirkung stehen.

 

Zur Untersuchung dieser Interdependenz sind zwei Grundannahmen möglich.

 

Ein Modell geht davon aus, dass die Befriedigung von Grundbedürfnissen in der Freundschaft die Verbindung zwischen der Qualität der Freundschaft und Glücklichsein vermittelt. Das zweite Modell basiert auf der Möglichkeit, dass die Qualität der Freundschaft als Vermittler wirksam wird.

 

Letztlich kann die Entscheidung über die Gültigkeit des einen oder anderen Modells nur in entsprechenden empirischen Studien erbracht werden. Dazu werden hier zwei diesbezügliche Studien betrachtet.

 

Aus beiden Studien kann gefolgert werden, dass die Befriedigung von grundlegenden psychologischen Bedürfnissen die Beziehung vermittelt, die zwischen der Qualität einer Freundschaft und Glücklichsein besteht. Anders gesagt bedeutet das, dass ein großer Anteil der Kovarianz zwischen Freundschaft und Glücklichsein der Bedürfnisbefriedigung zugerechnet werden kann.

 

Diese Studien haben sich mit der gefühlsbedingten Dimension des Glücklichseins befasst. Sie haben ihren Blick nicht auf den kognitiven Aspekt dieses Zustands, nicht zuletzt der Lebenszufriedenheit, gerichtet.

 

Hier hat die bisherige Forschung gezeigt, dass Erfahrung von Freundschaft positiv mit Lebenszufriedenheit verbunden ist. Das legt nahe, dass Freundschaft – obwohl eine gefühlsbetonte Bindung – auch noch mit der kognitiven Dimension von Glücklichsein korreliert. Darüber hinaus haben empirische Untersuchungen gezeigt, dass Lebenszufriedenheit in positiver Beziehung zur Befriedigung grundlegender psychologischer Bedürfnisse steht.

 

Es kann also angenommen werden, dass Befriedigung grundlegender psychologischer Bedürfnisse die Verbindung zwischen Qualität einer Freundschaft und Lebenszufriedenheit vermittelt. Zukünftige Forschungen werden hier eine Antwort geben. Mehr zu den genannten Studien finden Sie hier.

 

G. M.

 

Quelle: Demir, M., & Özdemir, M. (2010). Friendship, need satisfaction and happiness. Journal of Happiness Studies11(2), 243-259.

Bleiben Sie immer informiert! Das neuste aus der Welt der Positiven Psychologie: