Die 4. Summit der DGPP fand am 15. Juni in Berlin statt und war ein großer Erfolg

Höhepunkt waren wieder die Beiträge aus dem Kreis unserer Teilnehmer. Sie zeigten, wie sie die Erkenntnisse der Positiven Psychologie auf ihrem Fachgebiet schöpferisch anwenden. Ihre informativen und spannenden Themen stellen wir hier vor. Einige Fotoimpressionen vorab.

Beiträge zur Summit 2019

Achtsamkeit

Isabella Denz

Einführung:

 

In der Positiven Psychologie nimmt das Thema Achtsamkeit einen besonderen Platz ein. Die PP hat deshalb Methoden entwickelt bzw. weiterentwickelt, Achtsamkeit zu erlernen. Einige dieser Methoden sind 2500 Jahr alt und ein zentraler Teil des Buddhismus.

 

Um etwas über die Hintergründe dieser Methode zu wissen, müssen wir keine Buddhisten sein. Nötig ist nur, dass wir Grundlegendes verstehen. Dabei geht es nicht darum, auf den zum Teil unmöglichen «Hype» aufzuspringen, der in unseren Breitengraden zu diesem Thema herrscht.

 

Das können wir vermeiden, wenn unser Interesse über den Tellerrand aktueller Moden hinausgeht und wir uns mit dem tieferen Sinn und Zweck der Achtsamkeit auseiandersetzen.

Achtsamkeit_ Summit 2019.pdf
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CIT - Compassionate Integrity Training

Anja Pelzer-Brennholdt

Auszüge aus dem Beitrag:

 

Compassionate Integrity Training (CIT), ist ein ganz neues Stärken orientiertes und Resilienz basiertes, mehrteiliges Trainingsprogramm, das persönliches und soziales Wachsen und ein verbessertes Miteinander fördert und das Potenzial hat, auch zur Verbesserung unserer Gesellschaft beizutragen.

 

Entwickelt wurde es in den letzten Jahren von zwei US-Professoren, Dr. Brendan Ozawa-de Silva und Dr. Michael Karlin, Center for Compassion, Integrity and Secular Ethics, Life University, USA. Ich hatte das Glück, mit in der unterstützenden Arbeitsgruppe von Praktikern und Wissenschaftlern zu sein und freue mich enorm, CIT nun hier in Deutschland zu teilen.

 

Inhalt und Art und Weise der Vermittlung basieren auf den neusten Erkenntnissen insbesondere aus den Neurowissenschaften, der Psychologie, der Forschung zu Traumata, der Friedens- und Konfliktforschung, der Meditationsforschung, sowie des Sozialen und Emotionalen Lernens (SEL) und auf den Erfahrungen anderer Programme. Mittlerweile ist erwiesen, dass unser Gehirn bis zu unserem Tod lern- und anpassungsfähig ist und derart formbar, dass sich sogar übergeordnete anatomische Strukturen verändern können. Diese Anpassungsfähigkeit bezeichnet man als Neuroplastizität. Die Neubildung von Nervenzellen aus Vorläuferzellen wird als Neurogenese bezeichnet.

 

Bis in die 1990er nahm man an, dass es sich irgendwann ausgelernt hat und die graue Masse im Gehirn nur abstirbt. Dass wir unsere Gehirnstrukturen durch Übung ändern können (Neuroplastizität), war entscheidend für die Entwicklung dieses Trainingsprogramms. Zudem geht die Wissenschaft mittlerweile davon aus, dass der Mensch im Kern von Natur aus grundsätzlich ein fürsorgliches, warmherziges Wesen mit Mitgefühl ist. Und: dieses Mitgefühl kann man ausbauen zu unserem Vorteil, zur Verbesserung unserer zwischenmenschlichen Beziehungen und zugunsten der Gesellschaft, in der wir leben. Bei CIT geht es also um das Anzapfen unseres Potentials und das Ausweiten auf Menschen, die wir so nicht direkt im Blickfeld haben.

 

Was macht Mitgefühl so wichtig? Forschungsstudien legen nahe, dass die Kultivierung von Mitgefühl und den positiven Verbindungen zu anderen das Immunsystem stärkt und psychosozialen Stress reduziert. Die meisten Konflikte, ob individuell oder kollektiv kann man auf mangelndes Verständnis für einander und ein mangelhaftes Miteinander herunterbrechen. Ein Schulen unseres Mitgefühls scheint auch hier nur folgerichtig.

 

Und warum Mitgefühl mit Integrität? Integrität, das Handeln im Einklang mit den eigenen Werten, ist essentiell für persönliches und soziales Wachstum. Wenn diese Werte jedoch nicht von Mitgefühl für alle anderen Menschen geleitet sind, ist Integrität eben nicht ausreichend.  Es gibt viele Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart, dass es möglich ist, seinen Werten entsprechend zu handeln und damit integer, aber nicht im Sinne anderer Menschen. Deswegen setzt das Training den Schwerpunkt auf mitfühlsame Integrität. Diese ist das Ergebnis von Wissen, Verstand und konkreten Kompetenzen.

 

CIT basiert zwar auf Werten wie Mitgefühl und Integrität, wählt dabei aber einen säkularen Ansatz: Universelle Werte, die auf gesundem Menschenverstand, Erfahrungen und Wissenschaft basieren. CIT ist daher geeignet für alle, unabhängig von der Religions- und Glaubensrichtung bzw. des Nicht-Glaubens. Andererseits impliziert dies auch in keiner Weise eine Ablehnung von Religionen, sondern Inklusion und Respekt für alle. Damit eignet sich CIT hervorragend auch als Training in interkulturellen und interreligiösen Kontexten. Neben dieser besonderen Flexibilität hat CIT weitere Elemente, die es so in den anderen Programmen noch nicht gibt, wie insbesondere der systemische sowie der Trauma informierte Ansatz, das Stärken unserer Resilienz, unserer psychischen Widerstandskraft also, um mit Rückschlägen besser umgehen zu können und Schicksalsschläge ohne nachhaltige Störung zu überwinden.

 

Ab Herbst wird CIT von Anja Pelzer-Brennholt in Berlin über die DGPP angeboten.

(anja.pelzerbrennholt@gmail.com)

PsyCap im Jobcenter

Kirsten Liebchen

Auszüge aus dem Beitrag:

 

Die Strukturen innerhalb der Arbeitsagentur  im Jobcenter – und damit auch bei uns in Osnabrück - bestehen schon lange. Diese Strukturen mit etwas Neuem zu verbinden, das mehr Zufriedenheit für die Mitarbeitenden bereithält, liegt mir am Herzen.

 

Eine Möglichkeit bieten mir da die Themen der Positiven Psychologie, die ich mich bemühe in meine tägliche Arbeit einzubringen. Als mich Corinna Gerleve von der TU Dortmund befragte, wie ich die PP im Jobcenter einsetze, um ein Thema für Ihre Promotion zu bestimmen, entstand eine intensive Zusammenarbeit. Wir vereinbarten einen gemeinsamen Termin mit der Geschäftsführung, um zu überlegen, ob es möglich ist, Daten für die Promotion in unserem Jobcenter zu erheben. Daraus entstand das Projekt, das PsyCap (psychologische Kapital) im Jobcenter zu messen.

 

Im Jobcenter Osnabrück arbeiten über 200 Mitarbeiter*innen. Diese wurden gebeten, die Fragen eines von Corinna Gerleve entwickelten Fragebogens zu beantworten, um den Grad der Zufriedenheit am Arbeitsplatz zu erfassen. Mit Unterstützung der Geschäftsführung wurde eine Rückmeldequote von 63% erreicht.

 

Die MitarbeiterInnen teilen sich in die Bereiche Zentraler Dienst, Leistung und Markt & Integration.

 

Der Zentrale Dienst erreichte die besten Werte für Zufriedenheit, was sicherlich damit zu tun hat, dass es hier die wenigsten Berührungspunkte mit Kunden gibt.

 

Den MitarbeiterInnen im Bereich Leistung stehen dagegen Kunden häufig in sehr belastenden Situationen gegenüber. Hier geht es nicht selten um Forderungen nach mehr Geld. Dort wurden die geringsten Werte an Zufriedenheit gemessen.

 

Im Anschluss an die Umfrage fand ein Workshop statt. Dieser Workshop wurde von Corinna Gerleve und mir gemeinsam geplant und durchgeführt. An dem Workshop nahm je ein Team von insgesamt 8 Teams aus dem Bereich von Markt & Integration (M&I) und Leistung teil.

Die Wahl fiel auf die Spiegelteams des Bereiches „Nord“. Sie konnten sich aus zwei Terminen, einen Termin für einen dreistündigen Workshop aussuchen. So sollten sich die Teams von M&I und Leistung mischen. Im Focus standen in diesem Workshop die einzelnen Mitarbeiter. Der Titel der Arbeitsberatung lautete: „Positive Spirale für mehr Zufriedenheit im Job“.

 

An Hand des PERMA-Modells erläuterten wir Themen der Positiven Emotionen und des Engagements. Dazu führten wir ausgesuchte Interventionen durch. Zum Thema positiven Emotionen stellten wir die „broaden and build“ Theorie von Babara Fredrickson vor. Die Übungen „Positives Portfolio“ und „Micromoments of Love“ wurden von uns gemeinsam realisiert. Zum Thema Engagement führten wir das „WOOP“-Modell von Gabriele Oettingen ein und boten eine Übung dazu an.

 

Nach diesem Workshop fand eine zweite Umfrage statt, an der die MitarbeiterInnen aus den jeweiligen Teams „Nord“ und „Süd“ als Referenzteams ohne Workshop teilnahmen.

Die Ergebnisse waren für uns erfreulich. Der Workshop hatte eine signifikante Erhöhung des gemessenen psychologischen Kapitals bei den MitarbeiterInnen erbracht. Die drei gemessenen Bereiche Zufriedenheit, Handlungsfähigkeit und Kundenorientierung wiesen einen höheren Wert in der Skala im Vergleich zu den Kontrollteams auf.

 

Der zweite Workshop fand zum Thema „Team“ statt. Die Überschrift lautete „Positive Spirale im Team für Mehr Zufriedenheit im Job“. Dazu führten wir zum Schwerpunkt Beziehung/Kommunikation die Übung „Interviews im doppelten Kreis“ (ACR) durch. Ein weiterer Schwerpunkt befasste sich mit der Themenstellung Sinn und dem Bezug auf die Arbeit in den eigenen Teams. Dieser Workshop wurde aufgrund der hohen Belastung der MitarbeiterInnen nicht mehr mit einer anschließenden Umfrage ausgewertet.

 

Im Rahmen des Projekts erhielten auch die Kunden des Jobcenters Fragebögen, die den jeweiligen MitarbeiterInnen über eine anonyme Nummer zugeordnet waren. Bei der Auswertung zeigte sich u.a., dass die Kunden des Jobcenters die Kundenorientierung der MitarbeiterInnen höher einschätzten als diese sich selbst.

 

Das Projekt „Promotion“ ist von der Geschäftsführung des Jobcenters sehr positiv aufgenommen worden. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen schon mit einem Workshop von drei Stunden, der auf den Erkenntnissen der Positiven Psychologie basiert, gesteigert werden kann. So ist es nur folgerichtig, dass es Überlegungen gibt, solche Workshops regelmäßig durchzuführen.

PsyCap_Vortrag.pdf
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"Mindset" im Business: Wie Sie im Unternehmen "Mindset-Change" ermöglichen

Marc Heiderich

Auszüge aus dem Beitrag:

Marc_Heiderich_Summit_2019.pdf
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"Jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken" - Mit Optimismus und Hoffnung Krisen bewältigen

Michaela Wegener

Auszüge aus dem Beitrag:

 

Es muss ein Moment der Verzweiflung gewesen sein, in der Lothar Matthäus der epische Versprecher vom „Sand in den Kopf stecken“ herausrutschte. Aber nicht nur im Fußball gibt es diese Situationen, in denen alles verloren scheint. Jeder Mensch erlebt Krisensituationen. In solchen Zeiten stehen weniger das hedonistische Glück (das süße Leben) oder das eudaemonische Glück (das sinnvolle Leben) im Fokus, sondern mehr das noetische oder reife Glück, wie Wong (2018) es beschreibt: Leben mit existenziellem Mut und praktischer Weisheit unter allen Umständen.

 

Die Level-1-Ausbildung  an der Hephata Akademie richtet sich an psychosoziale und pädagogische Fachkräfte. Hier bedeutet der Einsatz von Positiver Psychologie regelmäßig den Einsatz im professionellen Management von psychischen Krisen. Deshalb haben wir uns in der Entwicklung des neuen Ausbildungsformats in 2019 intensiv mit dem Thema beschäftigt und einige wichtige Erkenntnisse dazu gewonnen, wie psychische Krisen so bewältigt werden können, dass sie langfristig zu mehr Wachstum, Wohlbefinden und Weisheit führen können.

 

Von psychischen Krisen spricht man in zeitlich begrenzten, als bedrohlich erlebten Situationen, in denen wichtige Lebensziele nicht erreichbar scheinen und Werte infrage gestellt werden.  Weil die bewährten Methoden zur Problemlösung nicht mehr funktionieren, ist zur Bewältigung der Situation Wachstum erforderlich.

 

Optimismus und Hoffnung können in diesen Situationen weiterhelfen. Nicht in allen Modellen und Paradigmen der Forschung werden die Begriffe Hoffnung und Optimismus klar voneinander abgegrenzt. So wird die VIA-Skala „Hope“ zum Beispiel bei Ebner (2019) synonym mit Hoffnung, Optimismus und Zuversicht übersetzt. Doch wie können wir den Unterschied zwischen Optimismus und Hoffnung verstehen und wie können wir beides als Ressource kultivieren? 

 

Was ist Optimismus? In klassischen Modellen zum Optimismus wird unterschieden zwischen dispositionalem Optimismus als stabilem Persönlichkeitsmerkmal („ich erwarte stets das Beste, ich kann es schaffen“) und erlernbarem Optimismus, der vor allem durch einen positiven Attributionsstil gesteigert werden kann. Hier werden Erfolgserlebnisse auf globale, internale und stabile Faktoren zurückgeführt, während Misserfolg spezifisch, external und variabel begründet wird.

 

Die Forschung belegt, dass Optimismus viele positive Effekte hat, z.B. auf die Leistungs-bereitschaft und das Wohlbefinden. Allerdings gibt es auch ein Risiko, begründet im sogenannten „Optimismus-Bias“. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie persönlich weniger negative Ereignisse und mehr positive Ereignisse betreffen werden als andere. Es entsteht ein positiv verzerrtes Bild der Wirklichkeit und damit ein erhöhtes Risiko, den eigenen Einfluss auf eine Situation zu überschätzen, den Beitrag anderer Menschen zu wenig zu würdigen und Risiken zu negieren.

 

Was ist Hoffnung?

Aktuelle Definitionsversuche beschreiben Hoffnung als einen positiv besetzten Begriff, auf eine bessere Zukunft ausgerichtet. Ihre Erfüllung ist in der Vorstellung des Hoffenden realistisch,  auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, sehr große Anstrengungen oder Hilfe von außen erfordert. Unterschiede bestehen bezüglich der Frage, welche Kräfte für die Erfüllung der Hoffnungen zuständig sind Die zentralen Aspekte im Leben sind sowohl die wichtigsten Objekte als auch die bedeutendsten Quellen von Hoffnung. (Krafft & Walker, 2018).

 

Kurz zusammengefasst ist Optimismus also mehr kognitiv, basiert auf persönlichen Kompetenzen und rationalen Gründen, bezieht sich auf jede Art von Dingen, ist verbunden mit einer Haltung der Überlegenheit und Beherrschbarkeit und muss sich nicht auf Gegenstände von moralischem Wert beziehen.

 

Eine optimistische Haltung ist verbunden mit einer Einstellung von „Ich kann es schaffen, Ich vertraue mir selbst und ich kenne und nutze meine Stärken und Ressourcen“. Dadurch können Kompetenzen und Selbstwirksamkeit wachsen und zur Bewältigung der Krise beitragen.

 

Hoffnung hingegen ist kognitiv und emotional, basiert auf Vertrauen, positiven Beziehungen zu anderen Menschen oder einer höheren Macht, sie wird vor allem in den Tragödien des Lebens relevant, ist verbunden mit Demut, Bescheidenheit und Altruismus und ist eine Tugend.

 

Eine hoffnungsvolle Haltung beinhaltet die Einstellung „Am Ende wird alles gut. Ich vertraue auf einen tieferen Sinn. Ich fühle mich getragen und verbunden“. So wachsen Vertrauen, Dankbarkeit, Weisheit und Sinn.

 

Beide Haltungen haben also ihren Nutzen und ihre Berechtigung und tragen ihren Teil zur Bewältigung von Krisensituationen bei.

 

Sylvia Schramm arbeitet als psychologische Psychotherapeutin in der Kinder- und Jugendpsychosomatik. Sie berichtet von der Einbindung der Positiven Psychologie in ihr Arbeitsfeld.

 

Auf unserer Station in der Kinderklinik des Klinikum Kassel werden zur Zeit 16 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren mit unterschiedlichen, teils chronischen Erkrankungen wie Anorexie, Bulimie, Diabetes I, Depressionen und Angststörungen, Somatisierungs- oder Traumafolgestörungen zwischen zwei und acht Monaten mit einem multimodalen Konzept stationär behandelt.

 

Alle nehmen 90 Minuten jede Woche gemeinsam an der Gruppenpsychotherapie teil. Seit Sommer 2018 arbeiten wir über den VIA-Fragebogen mit dem Ansatz der persönlichen Stärken. Wir vermitteln die Grundlagen der PP und zeigen unseren PatientInnen zu Behandlungsbeginn ihre „TOP 5 Stärken“ über laminierte Bodenanker vor der Gruppe, so dass alle die Stärken voneinander wissen. Für einige aus der Gruppe ist es fremd und zuerst verunsichernd sich selbst positiv zu betrachten.

 

Dann erarbeiten wir prozessorientiert miteinander Themen wie den „Hoffnungsspeicher für Krisenzeiten“, die Stärkennutzung bei eigener Selbstunsicherheit in kleinen Rollenspielen oder den Abgleich von Selbst- und Fremdbild, einem zentralen Baustein der Identitäts-findung im Jugendalter, über die VIA Stärken: Wie sehe ich mich? Und wie die anderen?  

 

Vor der Entlassung beschreiten alle als Abschlussritual den „Weg in die Zukunft“ mit den eigenen Stärken als Bodenanker vor sich auf dem Boden, nachdem die Gruppe ihn ergänzt hat mit Stärken, die sie über die Behandlungszeit hinweg wahrgenommen hat. Das Ritual ist allen heilig und wird nie vergessen. 

 

Mittlerweile wissen die meisten MitarbeiterInnen der Station ihre VIA-Stärken und eine Teamsitzung zum Stärkenorchester ist schon in Planung.

 

Michaela Wegener, Hephata Akademie Schwalmstadt, Sylvia Schramm, Klinikum Kassel

Inspiration by Anime-tion - Was würde ihre Lieblingsfigur jetzt wohl machen?

Martyna Lochstet

Auszüge aus dem Beitrag:

 

Auf der Suche nach edlen Charaktereigenschaften schauen die meisten Menschen vielleicht auf große Vorbilder, die Bewegendes geleistet haben. Wie oft begegnen wir diesen jedoch in unserem Alltag? Wäre es nicht wunderbar, Vorbilder für Charakterstärken zu haben, welche man in seiner Freizeit trifft oder sogar immer dabei hat, beispielsweise eine Comicfigur?

 

Dabei ist es ein erster wichtiger Schritt, die eigenen Charakterstärken zu kennen. Schon hier kann eine solche Lieblingsfigur ins Spiel kommen. Sie kann dabei helfen, die grundlegenden Charakterstärken zu bestimmen, die wichtig für die Gestaltung des eigenen Lebens sind. Mit ihr kann man auf Stärkenjagd gehen.

 

Von der Stärkenjagd mit der Lieblingsfigur ist es nur ein kleiner Schritt zu einer Stärkenjagd in einem selber und den dazu sich stellenden Fragen. Was machst Du gerne und hast Spaß dabei? Wobei musst du dich gar nicht anstrengen? Was sagen andere (Freunde, Familie..), sei für dich typisch?

 

Dein Lieblingscharakter kann helfen, diese Fragen mit Nachdruck zu stellen und eine befriedigende Antwort zu finden. Sie wird so zur Inspiration und Vorbild bei Herausforderungen im Leben.

BODYlicious - Der Beitrag der Positiven Psychologie zur Body Positivity Bewegung

Xenia Below

Einführung:

 

Bei der Frage Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die/ der Schönste im ganzen Land?‘ würden wohl die wenigsten inbrünstig den eigenen Namen rufen. Nur für das imaginäre Protokoll: Der Grund hierfür ist selten eine starke Ausprägung der Stärke Bescheidenheit, sondern liegt oft viel tiefer. Der gesellschaftliche und mediale Druck einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen nährt dabei oft destruktive Selbstzweifel und trägt zu einem negativen Körperbild bei. Doch es gibt keinen richtigen oder falschen Weg einen Körper zu haben. Es gibt nur Ihren Weg, Sie selbst zu sein. Lassen Sie uns gemeinsam entdecken, wie die Positive Psychologie neue Blickwinkel auf das Thema Körperbild bieten kann und das Spiegelbild in ein akzeptiertes, respektiertes, gefeiertes, geehrtes und vielleicht sogar geliebtes Gegenüber verwandeln können.

Vertrauen - eine wichtige Ressource bei der Bewältigung von Transitionsprozessen

Herta Winkelmeyer

Auszüge aus dem Beitrag:

 

Der Vortrag geht der Frage nach, wie sich Selbstvertrauen und Vertrauen in andere Personen und andere Lebenskontexte aufbauen lässt. Wie kann Vertrauen in andere und Selbstvertrauen als soziale Ressource die Bewältigung der Transition positiv unterstützen, sodass aus Risiken Entwicklungschanen werden können?

 

Transitionen sind Lebensereignisse in denen Diskontinuitäten in unserer Biografie und Identität auftreten. Dadurch geben wir hoffnungsvoll, optimistisch oder auch ängstlich, zögernd Gewohntes und Vertrautes auf. Wir verändern unser Ich und unsere Umwelt. Die Bewältigung der Diskontinuitäten sind Impulse für Entwicklungen und Veränderungen. Es entstehen Veränderungen auf der Ebene des Einzelnen, auf der Ebene der Beziehungen und der Lebensumwelten. Die erfolgreiche Bewältigung einer Transition beruht auf den Erfahrungen, Ressourcen und Kompetenzen aller Akteure im System des Transitionsprozesses.

 

Die beteiligten Akteure und Elemente eines Transitionsprozesses stehen miteinander in sich verändernden Beziehungen und haben eine Vielzahl oft nicht voraussehbarer Wirkungen. Transitionen sind dynamische, komplexe Prozesse.

 

In der heutigen Zeit müssen die meisten Menschen durch rasch abwechselnde Transitionsprozesse, Sisyphus ähnlich, immer wieder neue, vertrauensvolle Arbeits- und Lebensstrukturen mit neuen Ressourcen und Kooperationen aufbauen. In Folge werden Transitionsprozesse oft als existenzielles Risiko empfunden mit starken Verlusten an sozialen Ressourcen, Wohlergehen, Erfolgen, Sinn und gemeinsamen Werten. Damit die Übergänge als chancenreiche Herausforderung gestaltet werden können, ist eine resiliente Haltung im Prozess des Übergangs notwendig.

 

In der Bewältigung der Transition müssen die Fragen nach der Zugehörigkeit, Wertschätzung und Sicherheit der einzelnen Akteure im System neu geklärt werden. Vertrauen und Verbundenheit bilden eine Grundvoraussetzung für gelungene Kommunikation und kooperatives, erfolgreiches Handeln in einer Gemeinschaft, so dass neue Zuordnungen und Zugehörigkeiten im System erfolgen. Des Weiteren sind sie bedeutsame Voraussetzungen für wertschätzende Kommunikation und bilden eine „sichere Basis“ für die Akteure, um Orientierung und Sicherheit in Umbruchzeiten zu erlangen. Das Herstellen von Vertrauen und Verbundenheit sowie die Entwicklung einer resilienten Lebenshaltung sind bedeutsame Ressourcen in der Bewältigung der Transitionsproze

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Positive Psychologie in der Familie - kreative und praktische Übungen zur Entfaltung des Familienpotentials 

Dr. Christin Celebi

Auszüge aus dem Beitrag:

 

Die Familie, in die wir geboren werden, beeinflusst viele Aspekte unseres Lebens - wer wir sind und wer wir werden, welche Sprache wir nutzen, unsere Gewohnheiten, Rituale und wie wir die Welt um uns herum betrachten, wie wir lieben und mit anderen Menschen umgehen. Obwohl Konflikte oft als herausfordernd erlebt werden, können sie entscheidende Gelegenheiten für Wachstum für die Familie bieten. Aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Anwendung der Positiven Psychologie (u.a. Waters, 2017; Conoley & Conoley, 2009) befassen sich mit den Fragen: Wie kann sich eine Familie gesund entfalten und stärkenbasiert das Potential jedes Familienmitglieds fördern? Wie entwickeln sich Stärken in Kindern und Jugendlichen und wie können diese entdeckt und gefördert werden? Was kann eine Familie auch in herausfordernden Phasen unterstützen, daran zu wachsen?

Wenn wir in die Zukunft schauen dann sind die Kinder heute, diejenigen, die die Entscheidungen von morgen treffen, die unsere Unternehmen führen, Leistungsträger sind, Menschen heilen, pflegen, unterrichten oder Entscheidungen in der Politik treffen. Darum sind Kinder sind der kostbarste Schatz, den eine Gesellschaft haben kann, denn sie tragen die Samen unserer zukünftigen Gesellschaft in sich. „Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert.

Nur die Erziehung kann bewirken, dass es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.“ (Baha'u'llah). Die Anforderung bei der Erziehung sind demnach junge Menschen zu befähigen, die Herausforderungen des Erwachsenenlebens zu bestehen und ihren Beitrag dazu zu leisten, die Erfordernisse einer fortschrittlichen Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Die Positive Psychologie in der Erziehung befasst sich praktisch und wissenschaftlich mit (Charakter)Stärken, Strategien zu ihrer Kultivierung und ihrem Ausbau zu vollem Potenzial. Was macht „das gute“ Leben aus und was kann jeder dazu beitragen? (Tomoff, 2017)

Kinder werden vor allem dadurch geprägt, wie wir für sie sorgen und sie fördern. Daher ist es wichtig, dass Kinder von Beginn an ihre innewohnenden Charakterstärken entdecken, wie Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit, Großzügigkeit oder Vertrauen. Mit der Hilfe der Familie und dem Umfeld in die sie aufwachsen lernen sie, diese Stärken in ihrem Alltag anzuwenden und in ihrem Umfeld weiterzuentwickeln.

Lea Waters (2017) gibt viele fundierte Hinweise, wie man im Alltag mit Kindern eine Stärkenfokussierung etablieren kann, beispielsweise achten Sie täglich auf Fähigkeiten, Talente und Charakterstärken. Ermöglichen Sie Umgebungen, Lernmöglichkeiten und Beziehungen, die Stärken des Kindes optimieren und verstehen Sie die Schwächen und Möglichkeiten Ihres Kindes, um aus Fehlern zu lernen.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine Förderung von Altruismus und Dankbarkeit positive Veränderungen in den gesundheitlichen und sozialen Beziehungen bei 6- bis 9-jährigen Kindern bewirken können. Die Ergebnisse zeigen, dass die Erfahrung der Zusammenarbeit mit anderen, um gemeinsame Ziele zu erreichen und sich auf Dankbarkeit zu konzentrieren, den Altruismus und die sozialen Interaktionen unter Gleichaltrigen positiv beeinflusst. Darüber hinaus haben Interventionen mit kooperativem Spiel nicht nur die positiven Beziehungen gestärkt, sondern auch zu einem Rückgang des chronischen Stressniveaus beigetragen (Lozada, 2017).

Bei der Förderung von Charakterstärken als auch in herausfordernden Zeiten können Familienrituale eine besondere Rolle einnehmen (Conoley & Conoley, 2009). Sie sind vorhersehbare Handlungen, die die Identität und die Werte der Familie kommunizieren. Rituale sind mehr als Routinen und können darauf basieren (z.B. Abendessen, Schlafenszeiten, Feste). Sie fördern Stabilität, Zusammengehörigkeit, Belastbarkeit und Stärken in Familien.

Bei dieser scheinbar schönsten und zugleich herausforderndsten Aufgabe der Kindererziehung im Familienalltag bleibt nicht zuletzt, „dass Kinder für Eltern wieder (oder noch stärker) das werden, was sie sind: eine geballte Ladung Lernpotenzial für jedes Elternteil, ein wohlwollender Spiegel Ihrer Selbst, Quell des Staunens und Bewunderns, neugieriges Welterkundungsprojekt (das auch Ihnen die Welt wieder mit neuen Augen präsentiert) und eine Sie immer wieder von neuem zum Nachdenken anstiftende Ideenmaschine.“ (Tomoff, 2017)


Conoley, C. W., & Conoley, J. C. (2009). Positive psychology and family therapy: Creative techniques and practical tools for guiding change and enhancing growth. John Wiley & Sons.

Lozada, M., Carro, N., Kapelmayer, M., Kelmanowicz, V., Czar, A., & D’Adamo, P. (2017). Fostering Positive Changes in Health and Social Relationships in Children. In Positive Psychology Interventions in Practice (pp. 143-161). Springer, Cham.

Tomoff, M. (2017). Positive Psychologie in der Erziehung: Für Eltern und andere Erziehende. Springer-Verlag.

Waters, L. (2017). The strength switch: How the new science of strength-based parenting can help your child and your teen to flourish. Penguin.

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Big Potential - Wie wir gemeinsam die Welt bewegen und mehr Neues aus der Positiven Psychologie

Dr. Judith Mangelsdorf

Auszüge aus dem Beitrag:

 

Höher, schneller, weiter. Besser sein als andere. Hervorstechen. Uns allen ist dieses Denken nur zu bekannt, zu dem wir von Kindesbeinen an angehalten werden. Wozu sonst gibt es Wettbewerbe, NCs und Bewerberrankings? Es zählt, über welche Hürden man bereits gesprungen ist und wer den besten Lebenslauf hat. Diesen Ansatz nennt der amerikanische Forscher Shawn Achor Small Potential. Tatsächlich hat die Forschung aber gezeigt, dass wirklich erfolgreich und glücklich im Leben ist, wer es schafft, dieses Denken hinter sich zu lassen.

 

Shawn Achor führt auf, dass vieles von dem, was heute wirklich erfolgreich macht, einer ganz anderen Wahrheit folgt. Denn das große Potential, wirklich etwas zu bewegen, entsteht, wenn wir nicht mehr versuchen uns von anderen abzuheben, sondern gemeinsam zu etwas Größerem aufbrechen.

 

Eine der großen Ideen unserer westlichen Gesellschaft ist: Survival of the fittest. Wer der Beste ist, bekommt den Traumjob, das größte Gehalt und den Partner der Wahl. Aber ist dieses ungeschriebene Gesetz psychologisch tatsächlich stimmig? Schon Charles Darwin meinte mit dem Prinzip „Survival of the fittest“ nicht, dass der Stärkste gewinnt. Im Original sagt er: „It is not the strongest of the species that survive, not the most intelligent, but the one most responsive to change.”

Wer sich also am besten anpassen kann, ist der, der gewinnt.

 

Neue Forschung zeigt, dass diese An-(Passung) in der modernen, vernetzten und komplexen Welt nicht mehr auf den isolierten Stärken, Eigenschaften oder Fähigkeiten von Einzelnen beruht. Stattdessen geht es um die Passung persönlicher Charakteristika zu den Faktoren der Umwelt und zu den Menschen, mit denen wir uns umgeben.

 

So zeigte die Framing Heart Study, dass auch Glück ein interaktionales Phänomen ist. In dieser Studie, die einer großen Gruppe von befreundeten Menschen über Jahre gefolgt ist, zeigte sich, dass wenn eine einzelne Person glücklicher im Leben wurde, mit einer Wahrscheinlichkeit von 63% im Nachhinein auch dessen Freunde glücklicher wurden. (Fowler & Christakis, 2008).

 

Und  nicht nur Glück, sondern auch Erfolg steht in einem engen Zusammenhang zu der Wechselbeziehung zwischen persönlichen Stärken, den Menschen, mit denen ich mich umgebe und der Situation, in der beides zusammenkommt.

 

Entscheidende Fragen sind also:

  1. Welche Stärken und Fähigkeiten habe ich?
  2. Wie ergänzen meine Stärken und Fähigkeiten die meiner Mitmenschen?
  3. Welche Umgebung und situativen Faktoren geben uns die beste Basis, um diese zu realisieren?

Zusammengefasst: Nicht ich, sondern wir sind entscheidend, wenn es darum geht echtes Glück und nachhaltigen Erfolg zu realisieren.

Summit-Agenda

Summit 2019 Agenda.pdf
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