Prof. Dr. Barbara L. Fredrickson

Fredrickson, Barbara L. (geb. 1964)

 

Professorin für Psychologie an der University of North Carolina in Chapel Hill,  U.S. Präsidentin der Internationa-

len Assoziation für Positive Psychologie (IPPA)

 

 

Forschungsschwerpunkte:

 

- positive Emotionen

- Wohlbefinden

- Broaden-and-build-Theorie positiver  Emotionen               

Forschungsarbeit

 

Die Broaden-and-build-Theorie positiver Emotionen ist eine der wichtigsten Theorien der Positiven Psycholo-gie. Sie geht davon aus, dass positive Emotionen wie beispielsweise Vergnügen/Freude oder Liebe das Denken, Erleben und Handeln eines Menschen verändern und dadurch zu neuen Ideen und Beziehungen beitragen. Über die Zeit schafft dieses erweiterte Verhaltensreservoir neue Fähigkeiten und Ressourcen. So kann beispielsweise das Interesse an einer Landschaft zu wertvollem navigatorischen Wissen führen. Die Theorie liefert darüber hinaus eine Blaupause für die Erklärung, wie Momente angenehmer Emotionen - wie flüchtig sie auch immer sein mögen - zu Resilienz, Wohlbefinden und Gesundheit eines Menschen beitragen. Prof. Fredrickson hat maßgeblich zur Weiterentwicklung der Positiven Psychologie beigetragen. Mehr dazu finden Sie hier.

 

Deutschsprachige Bücher

  • Die Macht der guten Gefühle: Wie eine positive Haltung ihr Leben dauerhaft verändert, Campus Verlag, 2011, ISBN-10: 3593390817, ISBN-13: 978-3593390819

     

  • Die Macht der Liebe: Ein Blick auf das größte Gefühl, Campus Verlag, 2014, ISBN-10: 3593500027, ISBN-13: 978-3593500027

     

Englischsprachige Bücher

  • Positivity: Groundbreaking Research To Release Your Inner Optimist And Thrive, Oneworld Publications, 2011, ISBN-10: 1851687909, ISBN-13: 978-1851687909

     

     

  • Love 2.0: Finding Happiness and Health in Moments of Connection; Plume, 2013, ISBN-10: 0142180475, ISBN-13: 978-0142180471

     

Englischsprachiger Vortrag: Positive emotions

Interview mit Barbara Fredrickson zum Thema Positive Psychologie

Frage: Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Positive Psychologie eine Wissenschaft ist. Was ist Positive Psychologie nun tatsächlich?

Fredrickson: Positive Psychologie ist sowohl eine Bewegung als auch eine Wissenschaft. Die Bewegung bezieht jeden mit ein, der daran interessiert ist, ein mit Fakten belegten Weg aufgezeigt zu bekommen, um sein Wohlbefinden zu verbessern. Dabei ist es unwichtig, ob er das für sich selbst oder für einen größeren Kreis erfahren möchte. Jeder ist eingeladen, sich dieser Bewegung anzuschließen. Dabei ist der Kern der Bewegung der Positiven Psychologie die Wissenschaft. Wie man überall sehen kann, gibt es heute Unmengen von Ratschlägen zum Glücklichsein. Wenn sich Positive Psychologie auf die Wissenschaft stützt, geht es darum, jemanden in die Lage zu versetzen zu erkennen, welcher Rat sich auf harte Tatsachen gründet und welcher irreführend oder sogar verhängnisvoll ist.

 

FrageWarum ist es wichtig Positive Psychologie zu studieren? Welchen Nutzen bringt das?

Fredrickson: Die meisten Menschen kennen den Ausspruch, dass ein bisschen Wissen eine gefährliche Sache ist. Das trifft besonders auch auf die Positive Psychologie zu. Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass das Streben nach Glücklichsein eine delikate Sache ist. Einige Herangehensweisen beim Streben nach Glück funktionieren einfach nicht und andere sind dagegen wirksam und effektiv. Ein wissenschaftlicher Kurs über Positive Psychologie setzt die  Teilnehmer in die Lage zu unterscheiden was funktioniert. Gleichzeitig hilft er ihnen zu erkennen, was ein Irrweg ist. Studien zeigen, dass diejenigen, die im eigenen Leben praktisch umgesetzt haben, was sie über Positive Psychologie erfahren hatten, anschließend psychisch belastbarer und zufriedener mit ihrem Leben waren.

 

Frage: Ein allgemeines Missverständnis besteht darin, dass Positive Psychologie mit positivem Denken gleichgesetzt wird. Worin bestehen die Unterschiede und was kann getan werden um diese irreführende Wahrnehmung zu verhindern?

Fredrickson: Positives Denken ist ein ganz schmaler Bereich der Positiven Psychologie. Darüber hinaus muss man erkennen, dass positives Denken auf dem Weg zum Wohlfühlen nur eine oder mehrere positive Emotionen auslöst.  Das Problem mit dem positiven Denken besteht darin, dass es manchmal allein im Kopf stattfindet und es dabei versagt, eine durch den gesamten Körper aufgenommene und wahrgenommene Erfahrung zu werden.

 

Frage: Wie sind Sie in Kontakt mit der Positiven Psychologie gekommen?

Antwort: Ich habe mehr als 20 Jahre über menschliche Gefühle geforscht. Zu dieser Zeit hat sich fast jeder Wissenschaftler auf diesem Gebiet mit den sogenannten negativen Emotionen wie Angst, Ärger, innere Unruhe oder Depression beschäftigt. Ich habe mich gewundert, warum sich niemand dafür interessiert hat zu erklären, warum sich die Menschen manchmal fröhlich und wohl fühlen. Mir hat die Idee gefallen, ein neues Feld abzustecken. Es stellte sich als ein Spaß machendes intellektuelles Puzzle heraus. Hier war und ist nach meiner Ansicht ungemein viel zu entdecken.

 

Frage: Was ist der Hauptschwerpunkt Ihrer Forschung auf dem Gebiet der Positiven Psychologie und warum?

Antwort: Der Hauptschwerpunkt meiner Forschung ist das Studium der positiven Emotionen. Ich bin fasziniert, wie angenehme Erfahrungen, auch wenn sie noch so hintergründig  und flüchtig sind, sich über die Zeit kumulieren und beeinflussen können, wer wir im Leben werden. Dieser Tage bin ich besonders über meine Forschungsergebnisse begeistert, die zeigen, wie positive Emotionen die Wege verändern, die unsere Zellen formen und funktionieren lassen und uns gesund erhalten.

 

Frage: Positive Psychologie wird oftmals als ein Feld betrachtet, das von der traditionellen Psychologie separiert und losgelöst ist. Wie denken Sie darüber?

Antwort: Positive Psychologie ist Teil und ein Stück der Psychologie. Mensch zu sein schließt Höhen und Tiefen ein, Gelegenheiten und Infragestellungen. Positive Psychologie widmet einfach mehr Aufmerksamkeit den Höhen und Gelegenheiten, wobei die traditionelle Psychologie schon aus historischen  Gründen den negativen Seiten menschlichen Seins mehr Aufmerksamkeit entgegenbringt. Letztlich macht es keinen Sinn eine Trennlinie zwischen den beiden Seiten der Psychologie zu ziehen. Ein vollständiges Verständnis der menschlichen Natur erfordert eine integrative Sicht.

 

Frage: Was löst in Ihnen positive Gefühle aus?

Antwort: Ich erfreue mich besonders an meiner Famile, Zeit in der Natur und daran eine Arbeit zu haben, die ich als absolut faszinierend und bereichernd erlebe.