Das Treffen der Giganten

Martin Seligman und Aaron Beck über die größten Fehler in der Krise

"Dies ist ein historisches Treffen, von dem ihr noch Euren Enkelkindern erzählen werdet." Mit diesen Worten leitete Martin Seligman am vergangenen Samstag das Meeting zwischen ihm und seinem wissenschaftlichen Ziehvater Aaron Beck ein, zu dem auch ich, als Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie, eingeladen war. Aaron Beck gilt nicht nur als der Begründer der kongtivien Verhaltenstherapie, sondern ist einer der wichtigsten Psychologen dieser Welt. 

Prof. Dr. Aaron Beck

Es sollte um die Frage gehen, was die größten psychologischen Fehler innerhalb der Coronakrise sind und wie wir diesen entgegenwirken können. 

Fehler #1: Den Menschen nur von der Krise aus verstehen

 

"Der größte Fehler ist, dass wir versuchen, Personen nur von einer Seite zu sehen, nämlich der, worum sie sich sorgen, statt als ganzheitlichen Menschen. Beck betonte, dass grade die Einbeziehung von Themen wie Lebenssinn und dem positiven ressourcenreichen Selbstkonzept der Schlüssel hinaus aus dem Krisenerleben sind. 

Prof. Dr. Martin Seligman

Fast ungewohnt liebevoll hörte Seligman den Ausführungen seines bald Hundertjährigen Vorbildes zu. Große Einigkeit zwischen beiden herrschte über die folgende Einsicht:

 

Fehler #2: Die Chance der Krise ungenutzt lassen

 

"Jede Form von Leid ist eine Möglichkeit für Veränderung. Wir haben hier die seltene Chance unser Leben neu zu priorisieren. Es wäre ein großer Fehler, diese Chance jetzt ungenutzt verstreichen zu lassen." , so Beck. Grade, dass die Krise uns zwingt, aus den gewohnten Strukturen auszubrechen, ermöglicht uns die Frage zu stellen, was ist mir wirklich wichtig und welche Art von Leben möchte ich eigentlich führen?

Fehler #3: Das Positive vernachlässigen

Vor fast 10 Jahren sagte Martin Seligman zu mir: "Eines der größten Verbrechen, was jemals ein Verlag an mir begangen hat, war auf das deutsche Cover meines Buches einen Smiley zu kleben." Dies ist Ausdruck dessen, dass er positiven Emotionen, auch innerhalb der Positiven Psychologie nie eine große Bedeutung beigemessen hat. Nun, während der Coronakrise, steht Seligman anders dazu: "Ich muss heute meine Haltung zum Smiley revidieren. Positive Emotionen, verbessern nicht nur unser Wohlbefinden, sondern auch unsere Gesundheit und unser Immunsystem. Sie wirken nachgewiesen gegen Virusinfektionen und sie helfen uns die Energie und den Enthusiasmus aufzubringen, den wir jetzt alle so sehr benötigen." Wir dürfen uns also nicht dazu verleiten zu lassen, die Krise als eine Zeit zu sehen, in denen es Menschen nun einmal emotional schlecht geht. Wir brauchen mehr des guten um stark durch diese Zeit zu kommen.

 

Auch wir wollen einen Beitrag dazu leisten, Menschen stark durch die Krise zu bringen. Wir bilden psychologisch Helfende und die, die es werden wollen, kostenfrei in den kommenden Wochen und Monaten in den wichtigsten Erkenntnissen und Methoden der Positiven Psychologie in Krisenzeiten weiter. Mehr dazu erfahren Sie hier.

 

Bleiben Sie gesund! 

 

Ihre Judith Mangelsdorf

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