Die positive Bilanz der PP 2017

Die positive Psychologie hat auch 2017 weitere Fortschritte gemacht, neue Fragen gestellt und weitere wissenschaftlich begründete Antworten gefunden. Das wurde nicht zuletzt auf dem Kongress der Internationalen Gesellschaft für Positive Psychologie in diesem Sommer in Montreal, Kanada, sichtbar.

 

Wie nicht anders zu erwarten, nahmen auf dem Kongress und in wissenschaftlichen Beiträgen im Verlauf des Jahres Fragen der Glücksforschung einen wichtigen Platz ein. Nunmehr wird aber nicht nur die Frage gestellt, was man tun muss, um glücklich zu sein bzw. sein persönliches Wohlbefinden zu stärken. Es geht auch um die richtige Dosierung von positiven Aktivitäten. Eine „Überdosis“ positiver Aktivitäten kann genau den gegenteiligen Effekt von dem erzielen, was man eigentlich angestrebt hat, nicht Glücksempfinden sondern Katzenjammer können das Resultat sein. Auf der gleichen Ebene liegt das Bestreben von Individuen, immer und in jeder Situation glücklich sein zu wollen. Die Empfindung, was Glück wirklich ist, kann dabei leicht verloren gehen. Weitere Situationen, die bewirken, dass positive Aktivitäten nicht das gewünschte Resultat erbringen können, hat Professorin Sonja Lyubomirsky und ihr Team von der Riverside University in Kalifornien in den vergangenen Jahren untersucht. Mehr dazu hier

 

Besondere Aufmerksamkeit fand in der Positiven Psychologie in den vergangenen Jahren auch die Fragestellung nach Sinn und Zweck des eigenen Lebens. Einigkeit herrscht darüber, dass ohne Sinn/meaning ein glückliches und sinnvolles Leben schwer vorstellbar ist. Untersuchungsgegenstand ist aber die Frage, ob es sich bei diesem Lebenssinn in erster Linie um ein kompliziertes geistiges Konstrukt handelt, das sich das Individuum über Jahre erschafft und danach lebt, oder ob Sinn auch anders entsteht und wahrgenommen werden kann. Professorin Laura King, die mit ihrem Team von der Universtiy of Missouri, Columbia, diese Frage in den vergangenen Monaten und Jahren erforscht hat, kam hier zu neuen Erkenntnissen. Ihre Untersuchungen erbrachten das Ergebnis, dass Menschen schon mit der Erwartung geboren werden, dass das Leben Sinn macht und ihr eigenes Leben einen Sinn hat. Ob und wie die Sinnhaftigkeit menschlichen Lebens weiter gesteigert werden kann, wird durch die Positive Psychologie weiter zu untersuchen sein. Lesen Sie hier weiter.

 

Wie die klassische Medizin, die Bedeutung der gesundheitlichen Vorbeugung betont, fragt insbesondere die Schule der Positiven Psychologie danach, was muss und kann ich tun, um meine geistige Gesundheit zu erhalten und zu stärken. Das besondere Problem der Positiven Psychologie besteht nun darin, dass die Frage nach der psychischen Situation und dem menschlichen Wohlbefinden weit über den Rahmen der klassischen psychischen Gesundheit hinausgeht, da zwangsläufig soziale, kulturelle und letztlich politische Fragen in den Blick geraten. So konnten Zusammenhänge zwischen psychischen Wohlbefinden und direkter Demokratie nachgewiesen werden. Weitere Informationen hier.

 

In seinen aktuellen Forschungen geht Professor Mihaly Csikszentmihalyi von der University of Chicago mit seinem Forschungsansatz noch einen Schritt weiter und wirft die Frage auf, welchen Beitrag die Positive Psychologie für die Entwicklung einer Weltgesellschaft leisten kann und muss, damit sie erblüht und nicht erlöscht. Hier kann leicht der Eindruck entstehen, dass sich die Positive Psychologie vielleicht überhebt, da die Zukunft der Welt maßgeblich von politischen, ökonomischen u.a. Faktoren abhängig ist. Mihaly Csikszentmihalyi geht es aber darum, eben den spezifischen Beitrag der PP bei dieser Zukunftsaufgabe zu bestimmen. Sie soll all denjenigen – ob Politiker, Künstler, Geschäftsleute oder andere – zur Seite stehen, die bessere Zukunft der Menschen im Blick zu haben und bei ihren Beschlüssen zu berücksichtigen. Ausführlicher hier.

 

Auch in diesem Newsletter berichten wir über den neuen aktuellen Glücksatlas. Dazu hier mehr. Die Presse ist in den vergangenen Wochen auf die Fakten des Berichts eingegangen und hat sachlich darüber berichtet. Das war nicht immer so. Es hat einige Jahre gedauert, bis Angaben zum Glücks- und Wohlbefinden im statistischen Vergleich nicht belächelt wurden. Lieber hat man Zahlen wie Bruttoinlandprodukt oder Kindersterblichkeit bemüht, um nationale und internationale Vergleiche anzustellen. Wer sich die Zahlen des nationalen Glücksatlas und Angaben zur internationalen Situation anschaut, wird überrascht sein, wie Angaben über das persönliche Wohlbefinden auch die politische und soziale Situation in Gebieten und Regionen der Welt ziemlich exakt abbilden. Immer mehr Staaten messen mit den Methoden der PP  das Wohlbefinden ihrer Bürger und machen es zum Teil bereits zu einem Kriterium erfolgreicher Regierungspolitik.

Heute befassen sich nicht nur Staaten mit dem subjektiven Wohlbefinden, dem Grad der Happiness ihrer Bürger, sondern die Fragestellung ist zunehmend in das Zentrum der Aufmerksamkeit internationaler Organisationen gerückt. Die UNO, die OECD u.a. messen in regelmäßigen Abständen den Grad des Wohlbefindens in den einzelnen Ländern und machen die dabei gewonnenen Erkenntnisse für ihr Handeln gegenüber diesen Staaten abhängig.

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