Coaching und Positive Psychologie

Die Psychologin Carol Kauffman lehrt an der Harvard Medical School in Belmont, Massachusetts, USA.

Sie ist die Gründerin und die Direktorin des Instituts für Coaching. Eine ihrer Forschungsfelder ist der Einsatz von Positiver Psychologie im Coaching von Personal. der Führungsebene.

 

Dr. Kauffman stellte in der Harvard Business Review einen Forschungsbericht vor, der regelmäßig zitiert wird. Im Mittelpunkt des Berichts steht die Frage, was Coaches für ihre Klienten leisten können. Dazu wurden 140 führende Coaches aus den USA und Großbritannien interviewt und anschließend Experten eingeladen, um die Ergebnisse der Befragung zu kommentieren.

 

Die Befragten kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Gründe gewandelt haben, warum Firmen heute Coaches engagieren. In der Vergangenheit haben Firmen Coaches geholt, um das  toxische Benehmen von Führungskräften abstellen zu helfen. Heute geht es eher darum, die Kapazitäten von hochqualifiziertem Führungspersonal zu erschließen und zu entwickeln.

 

Die Interviewten kommen zu der Feststellung, dass sich die Wirtschaft uneinig darüber ist, was zu den Aufgaben von Coaches gehört und was Spezialisten für psychische Gesundheit, besonders Psychotherapeuten, überlassen werden sollte.

 

Die Befragten sind sich einig,  dass Coaching als Business-Werkzeug weiter an Legitimität gewinnt, aber die Fundamente dieses Feldes noch im Fluss sind.

 

Es werden im Report drei Gründe genannt, warum Coaches engagiert werden. Erstens: Die Entwicklung von Potentialen der leitenden Mitarbeiter. Zweitens: Die Verfügbarkeit eines Sounding-Boards, eines Diskutanten zur Überprüfung von Überlegungen. Drittens: Toxisches Benehmen von Führungskräften unter Kontrolle bringen. Zumindest für die Erfüllung der ersten beiden Aufgaben kann die Positive Psychologie einen wirksamen Beitrag leisten.

 

Die Interviewten unterstreichen, dass in der Regel Coaches nicht in Unternehmen gerufen werden, um sich mit den persönlichen Problemen der betreffenden Führungskräfte zu befassen. Die Coaches heben aber einhellig hervor, dass diese Fragen dann im Laufe ihrer Tätigkeit einen wachsenden Stellenwert erhalten.

 

Fast alle Befragten bestätigen diesbezüglich, dass sich die Aufgabenstellung im Verlaufe der Erfüllung eines Vertrages verändert. Zu Beginn ihres Engagements geht es in erster Linie um geschäftliche Ausrichtungen. Nach und nach bewegt sich die Diskussion hin zu „größeren Problemen“ wie Lebenszweck, die Balance zwischen Arbeit und Privatleben und zu der Herausforderung, eine bessere Führungspersönlichkeit zu werden.

 

Ohne dass das in diesem Report explizit hervorgehoben wird, sind das zentrale Fragestellungen der Positiven Psychologie.

 

Auf die Frage an die Coaches, wonach Firmen schauen, wenn sie jemanden engagieren, steht an erster Stelle mit 65 % die Erfahrung in einer ähnlichen Aufgabenstellung. Nun kann man Erfahrung nicht erlernen. Dafür braucht es Zeit. An zweiter Stelle folgt aber mit 61 % schon ein Befähigungsnachweis für eine klare Methodologie. Eine solche Methodologie kann man in einer Ausbildung beispielsweise zum Systemischen Coach der Positiven Psychologie sehr wohl erwerben und gegebenenfalls auch vorweisen.

 

Interessant ist nicht zuletzt, dass die Interviews mit den 140 erfahrenen Coaches ergeben, dass ihr Coaching sowohl Fragestellungen aus dem Consulting als auch der psychologischen Therapie einbezieht. Unter dem Blickwinkel der Positiven Psychologie sind besonders die Probleme auf dem Feld der Therapie interessant. Gefordert ist hier die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen. Besondere Aufmerksamkeit verlangt von den Klienten das Problem, Arbeits- und Familienprobleme in die Balance zu bekommen. Im Fokus steht dabei auch, wie man das individuelle Verhalten langfristig ändern kann.

 

Die Experten gelangen zu der Einschätzung, dass es nicht die Aufgabe von Coaching ist, psychologische Probleme wie Depression oder innere Unruhe zu therapieren. Trotzdem werden Coaches so oder so damit konfrontiert sein. In einer Untersuchung der University of Sydney legten die Ergebnisse offen, dass zwischen 25 % und 50 % derjenigen, die Coaching vereinbarten, klinische Anzeichen von Angst, Stress oder Depression zeigten.

 

Coaching unterscheidet sich aber entscheidend von einer klassischen Therapie. Diese zielt auf die Vergangenheit. Coaching hat wie die Positive Psychologie die Zukunft im Blick. Mehr dazu lesen Sie hier. Wer sich selbst  mit Erkenntnissen der Coaching-Ausbildung beschäftigen will, findet hier wichtige Anregungen.

 

Weitere Quelle: Kauffman C, Joseph S and Scoular A, (2015) Leadership Coaching and Positive Psychology, Chapter in the Handbook of Positive Psychology in Practice, 2nd edition, Stephen Joseph (Ed.) Wiley Pr., Hoboken, NJ, USA

 

 

 

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