Die Geschichte der Genetik vom Wohlbefinden

Oftmals wird Frau Dr. Bartels nach ihrer Darstellung die Frage gestellt, ob 40 % meines Wohlbefindens in den Genen liegen und ob man etwas dagegen machen kann, wenn die Voraussetzungen nicht besonders günstig scheinen.

 

Nimmt man die Bevölkerung eines Landes oder der ganzen Welt, so zeigt sich, dass 20 - 25 % der Menschen psychologische Probleme haben. Sie sind in mehr oder weniger intensiver Behandlung. Der Mehrheit der Menschen der Erde scheint es danach ziemlich gut zu gehen.

 

In dieser Mehrheit ist aber ein nicht kleiner  Prozentsatz, der gleichfalls psychische Probleme hat, die aber noch nicht erkannt wurden. Wenn wir hier nicht aktiv werden, können auch Personen aus dieser Gruppe psychisch erkranken.

 

Um positiv wirksam werden zu können, müssen wir aber besser begreifen, wie wir diese Menschen dahin führen können, sich besser zu fühlen. Nur so können wir eine negative Entwicklung aufhalten und die große Gruppe der Bevölkerung, die sich wohl und glücklich fühlt, weiter anwachsen zu lassen. Das ist gut für jeden Einzelnen, für die Wirtschaft, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes.

 

Frau Professorin Bartels fragt, was wir nun heute über die Genetik des Wohlbefindens wissen? Offensichtlich hat die genetische Veranlagung einen Anteil daran, dass manche Menschen sich wohler als andere fühlen. Es gibt einige zwingende Hinweise darauf, dass Vererbung hier eine Rolle spielt.

 

Am Anfang der Erforschung dieses Zusammenhangs standen empirische Untersuchungen mit eineiigen Zwillingen. Solche Zwillinge sehen sich nicht nur ziemlich ähnlich, sondern sie gleichen sich in ihrer Persönlichkeit und ihren kognitiven Fähigkeiten.

 

Eine dieser ersten Zwillingsstudien hat sich auch mit der Frage des Wohlbefindens beschäftigt. Hier sind die Wechselwirkungen bei eineiigen Zwillingen deutlich im positiven Bereich. Auch wenn die Zwillinge nach der Geburt getrennt wurden, gibt es zwischen ihnen hinsichtlich des Wohlbefindens im späteren Leben deutliche Übereinstimmungen. Das spricht dafür, dass die Gene einen klar erkennbaren Einfluss haben.

 

Im Verlauf der zurückliegenden Jahre gab es dann eine ganze Reihe von Zwillingsstudien. Die Studie von Ragnhild Bang Nes von 2010 zu „Glück in der Verhaltensgenetik: Erkenntnisse und Konsequenzen“, war nach Meinung von Frau Dr. Bartels ein wichtiger Meilenstein. Die Studie kommt zu folgenden Erkenntnissen:

  • Vererbung begrenzt nicht die Chance für Glück
  • Gene erzeugen Stabilität
  • Die Umwelt stößt Veränderung an
  • Umwelteinflüsse wirken individuell spezifisch
  • Will man die Wirkung der Umwelteinflüsse verstehen, muss man die genetischen Unterschiede in Rechnung stellen

Die Zwillingsuntersuchungen wurden nach dieser Studie fortgesetzt und 2015 ein Projekt gestartet, das alle diese Ausarbeitungen in einer Metaanalyse zusammenfasst.

Diese Metaanalyse bestätigt noch einmal die Hypothese, dass die Vererbung zu ca. 40 % mit dem Wohlbefinden korreliert.

 

Das bedeutet aber nicht, dass das Wohlbefinden eines Individuums zu 40 % auf seine Gene und zu 60 % auf die Umwelt zurückgeführt werden kann. Die Aussage bedeutet nur, dass beim Blick auf die Unterschiede bei Menschen gesagt werden kann, dass 40 % der Differenzen auf das Konto der Gene und 60 % auf das Konto der Umwelt gutgeschrieben werden können.

 

In empirischen Untersuchungen im Jahr 2019 konnten über 300 Positionen im menschlichen Genom lokalisiert werden, die etwas mit Wohlbefinden zu tun haben. Letztlich entscheidend sind aber, wie die einzelnen Faktoren im Genom und die unterschiedlichsten Faktoren der Umwelt in einem Netzwerk zusammenwirken.

 

Was ergibt sich nun daraus?

 

Vererbung begrenzt nicht die Chance für Glück. Das Wissen über die genetischen Strukturen ist aber zentral, um den Einfluss der verschiedensten Umwelteinflüsse auf den einzelnen Menschen zu verstehen. Da wir genetisch unterschiedlich sind, wirken Umwelteinflüsse auf jeden von uns in unterschiedlicher Weise.

 

Es geht darum herauszufinden, welche Umwelteinflüsse mir, einem Patienten oder Partner helfen, zu wachsen und glücklich zu sein.

 

Quelle:

https://www.researchgate.net/publication/227591677_Happiness_in_Behaviour_Genetics_Findings_and_Implications

 

G.M.

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