Selbstlose Hilfe für andere stärkt die Gemeinschaft und die eigene physische und psychische Konstitution

Es ist beinahe eine Volksweisheit, dass es gut für einen selbst ist, wenn man anderen hilft. Auch die Forschung auf dem Feld der Psychologie setzt sich seit längerem mit dieser Behauptung von Philosophen, religiösen Führern und Dichtern auseinander.

 

Studien an verschiedenen amerikanischen Universitäten von Frank Riessman, Ming-Ching Luoh, Martin Hoffman u.a. in den vergangenen Jahrzehnte haben ermittelt, welche positiven Effekte die Hilfe für andere für die eigene physische und psychische Gesundheit hat. Hier sollen einige Ergebnisse aus diesen Studien vorgestellt werden.

 

Ein interessantes Resultat der genannten Studien besteht darin, dass die Helfenden oftmals einen größeren Nutzen aus der Unterstützung ziehen, als diejenigen, denen die Hilfe zu Teil wird. Die Helfenden setzen sich mit der Situation gedanklich und emotional auseinander. Sie erleben in der Reflektion über die Hilfsbedürftigen, welche Argumente und Emotionen richtig sind und nehmen diese für sich auf und verarbeiten sie. Sie erfahren eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls und der Sinnhaftigkeit ihres eigenen Lebens.

 

Eine weitere Erkenntnis besteht darin, dass Personen, die selbst das Problem hatten, für deren Linderung sie sich nunmehr engagieren, eine größere Wirkung als Fachleute erzielen können. So haben ehemalige Herzpatienten in einem Programm der Duke University in Durham, North Carolina, USA, regelmäßige Besuche bei Patienten mit Herzkrankheiten gemacht und bei denen spürbar das Niveau von Verzweiflung und Depression reduziert.

 

Die hier zusammen gefassten Studien befassen sich auch mit der Frage, ob Menschen, die sozial stark vernetzt sind, gesünder leben. Untersuchungen über annähernd ein Jahrzehnt kamen zu dem Ergebnis, dass soziales Engagement dazu beigetragen hat, dass altersbedingte körperliche Ausfälle bei diesen Personen drei bis fünf Jahre später auftraten als im Durchschnitt in dieser Altersgruppe.

 

Nicht zuletzt steht selbstlose Hilfe in Zusammenhang mit einer Reduktion der Sterberate. Bei einem kontrollierten Vergleich von Menschen, die durchschnittlich in der Woche 4 Stunden für andere aktiv waren und der Kontrollgruppe, die weniger Zeit für ehrenamtliche Tätigkeit aufwandte, wurde eine 44 prozentige Reduzierung der Sterberate im Vergleich der ersten zur zweiten Gruppe gemessen. In anderen Versuchsreihen wurde eine Reduzierung der Sterberate zwischen 22 und 33 % verzeichnet. Interessant war auch, dass eine Kombination aus ehrenamtlichen Engagement und religiöser Bindung die positiven Ergebnisse noch steigerten.

 

Auch Studien mit jungen Menschen, die ehrenamtlich aktiv sind, erbrachten deutlich positive Ergebnisse. Sie hatten im Vergleich zu Kontrollgruppen eine deutlich höhere soziale Kompetenz, ein stärkeres Selbstwertgefühl, geringere Anfälligkeit gegenüber Drogen und bessere schulische Ergebnisse.

 

Natürlich sind all diese Ergebnisse nicht nur einseitig zu interpretieren. Ein exzessiver Fokus auf Hilfe für andere kann genauso negative Folgen haben wie übersteigerter Individualismus. Beispiele für die erste Gruppe sind Personen wie Katastrophenhelfer, medizinisches Personal in bestimmten Bereichen oder religiöse Persönlichkeiten, die sich ohne sich zu schonen unablässig um das Wohl anderer kümmern. Hier kann es auch zu Überlastung und einer sogenannten „Mitleids-Müdigkeit“ kommen. Burnout und Depressionen sind dann unvermeidlich.

 

Sorge um das eigene Selbst schließt ein, dass das Engagement für den anderen in Wegen erfolgt, die dem Einzelnen erlauben, sich über die Dauer auch selbst zu entfalten. Balance, Rhythmus, Freizeit und spirituelle Aktivitäten sind wichtig, um die eigene Perspektive frisch zu erhalten.

 

Vergessen darf auch nicht werden, dass es keine lineare Beziehung zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit und Nutzen für die Gesundheit gibt. Hier existieren wie überall im Leben Schwellenwerte, die jeder für sich erkunden und finden muss.

 

Richtige Dosis, Methode und der Kontext unterscheiden sich von Person zu Person. Wissenschaftlich erwiesen ist aber, dass das eigene Wohlbefinden und das von anderen untrennbar miteinander verbunden sind. Sie sind sich wechselseitig bedingende Komponenten einer gesunden menschlichen Persönlichkeit in gesunder Umgebung.

 

Anders gesagt müssen wir auf etwas Höheres als Glück zielen, um es zu finden.

 

 

Quelle:

Stephen G. Post, It’s Good to Be Good: Science Says It’s So, CHA Publications, 2009, Washington DC, USA

 

https://www.chausa.org/publications/health-progress/archives/issues/july-august-2009/it's-good-to-be-good-science-says-it's-so

 

G.M.

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