Mehr Glück durch Mitfühlen und Geben!

Vor einigen Jahren lernte ich einen Mann aus Sachsen mit den berühmten "goldenen Händen" kennen, der in Berlin auf Montage arbeitete. Was er auch anfasste, ging ihm leicht von der Hand und man konnte sehen, dass ihm Arbeit Spaß machte.

 

Er konnte verkohlte Steckdosen wieder zum Leben erwecken, die unser Hauselektriker als unwiderbringlich verloren erklärt hatte, Rohre an Plätzen schweißen, die schon mehrmals von der versammelten Nachbarschaft für unzugänglich und irreparabel erklärt worden waren, und vieles mehr.

 

Unser Mann freute sich, wenn er jemanden einen Gefallen tun konnte. Es war ihm eine sichtliche Genugtuung, wenn alle Beteiligten ihm nach getanener Arbeit zufrieden auf die Schulter klopften und alle sich gegenseitig anlächelten. Geld wollte er für seine Arbeit, die sich manchmal über mehrere Stunden hinzog, nicht haben. Allein ihm ein solches Angebot zu machen, brachte dem unbedachten Fragesteller mindestens einen strafenden Blick, wenn nicht böse Worte ein.

 

Es konnte sogar passieren, dass er sein Werkzeug jeman-den zum Geschenk anbot, wenn der sich besonders dafür interessierte.

 

Natürlich machte ich mir Gedanken, was den Mann veranlasste, so bereitwillig zu helfen und Geschenke zu machen. Ich unterstellte ihm sogar in meinem Hinterkopf, dass die Dinge vielleicht gestohlen seien und nun einge-setzt wurden, um sich wichtig zu machen. Letztlich blieb nur die Erklärung, dass es unserem Mann einfach nur Freude machte, andere zu beschenken und glücklich zu machen, wenn sich dafür eine passende Gelegenheit ergab.

 

Jahre später las ich von Menschen, die glücklicher waren, wenn sie Dinge weggaben als Dinge zu erwerben oder zu erhalten. Ich selbst hatte offensichtlich einen solchen Menschen kennen gelernt.

 

Eine solche Einstellung passt nicht so richtig in unsere Konsumgesellschaft und ihre Versprechungen, die behaupten, dass man sich beispielsweise nach dem Erwerb eines neuen Geschirrspülers vor Glück nicht einkriegen kann.

 

Neueste Forschungen der Positiven Psychologie zeigen aber, dass man glücklicher ist, wenn man Dinge weggibt und sich um andere kümmert, sich mit ihnen einlässt, als selbst nur Sachen zu erwerben.

 

Eine Frontfrau dieser Forschung ist die Professorin Emma Seppälä von der Stanford University in Kalifornien, USA. Sie ist die Wissenschaftsdirektorin des dortigen Zentrums für Mitgefühl, Altruismus-Forschung und Erziehung.

 

Nach ihrer Auffassung gehört das Mitgefühl zur Grundstruktur des Menschen. Versuche zeigen, dass ein erster Impuls von Kindern und auch Erwachsenen darin besteht, anderen zu helfen, wenn es ihnen notwendig erscheint.

 

Gerade wenn man andere beschenkt und sich um sie sorgt, kümmert man sich auch am besten um sich selbst. Sich für andere einzusetzen, ist eine wahre Quelle für Glück, Wohlbefinden und Lebenssinn. Das schafft darüber hinaus Gemeinschaft, lässt Vertrauen wachsen und drängt mögliche Einsamkeit zurück.

 

"Der Grund, warum ein mitfühlender Lebensstil zu größe-rem psychologischen Wohlbefinden führt, kann durch den Fakt erklärt werden, dass der Akt des Gebens gleichviel Vergnügen - wenn nicht sogar mehr - als der des Neh-mens bereitet. Messungen von Gehirnströmungen haben gezeigt, dass die "Zentren für Freude" gleich stark angeregt werden, wenn wir beobachten, wie jemand Geld an Hilfsbedürftigte gibt, wie wenn wir selbst welches erhalten. Anderen Geld zu geben, bereitet mehr Wohlbefinden, als es selbst auszugeben. In einem aufschlussreichen Experiment von Elizabeth Dunn an der Universität von British Columbia haben die Teilnehmer eine bestimmte Summe Geld erhalten. Die eine Hälfte sollte das Geld selbst ausgeben und die andere Hälfte wurde aufgefordert, das Geld für andere einzusetzen. Am Ende der Studie, die in der Zeitschrift Science veröffentlicht wurde, fühlten sich die Teilnehmer der Gruppe, die das Geld für andere ausgegeben hatten, spürbar glücklicher als diejenigen, die das Geld für sich verbraucht hatten." Mehr dazu finden Sie hier.

 

Die Positive Psychologie schlägt mit diesen Erkenntnissen eine Brücke zwischen Individuum, Gemeinschaft und Gesellschaft. Durch umfangreiche Forschungsergebnisse auf diesem Feld entkräftet sie den Vorwurf, dass die Posi-tive Psychologie sich einzig um das Individuum kümmert, nur etwas für die Angehörigen der reichen Nationen ist.

 

G.M.

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