Mehr Potential durch andere Menschen

Zentraler Schwerpunkt der Psychologie im Allgemeinen und der Positiven Psychologie im Besonderen ist das Individuum. Dieses gilt es psychisch gesund zu erhalten und darüber hinaus seine Stärken zu erkennem, es in die Lage zu versetzen, zu wachsen und Flow zu erleben.

 

Insbesondere Forschungen auf dem Gebiet der Positiven Psychologie zeigen aber, dass die Beziehungen zu anderen Menschen eine große Bedeutung dafür haben, ob es jemand gut geht, Erfolg hat und glücklich ist. Glück allein ist schon schwierig genug zu erlangen und noch schwieriger zu bewahren. Der berühmte und leider zu früh verstorbene Mitbegründer der Positiven Psychologie Christopher Peterson prägte den Spruch: Other people matter – auf andere Menschen kommt es an.

 

Im Standardwerk "A Primer in Positive Psychology" setzt er sich mit den verschiedenen Formen der Zuneigung wie Liebe und Freundschaft auseinander und untersucht, in welchem Zusammenhang  interpersonelle Beziehungen zu dem Potential stehen, das jeder aufbaut, der glücklich und zufrieden ist (S. 249ff).

 

Über diese Erkenntnisse hinaus geht Shawn Achor mit seinen Forschungen zum sogenannten "Big Potential", vielleicht übersetzt mit "Gesteigertem Potential". Seine Grundthese besagt, dass jemand der am Arbeitsplatz oder in der Gemeinschaft anderen hilft, ihre Kreativität und ihre Fähigkeiten zu entwickeln, selber besser wird und sein eigenes Potential für Erfolg, Glück und Wohlbefinden steigert und vervielfacht (S.18).

 

Er widerspricht der nicht zuletzt in Amerika verbreiteten Ansicht, dass jemand nur deshalb Erfolg hat, weil er besser, kreativer und klüger als andere ist. Shawn Achor stellt fest, dass jedes Attribut des eigenen persönlichen Potentials – von Intelligenz über Kreativität bis hin zur Persönlichkeit – mit dem anderer Menschen vielfältig vernetzt ist und von ihnen profitiert (S. 23).

 

Schwierige Aufgaben zusammen mit anderen in Angriff zu nehmen, erscheint eher möglich und die Hindernisse kleiner, wenn man als Gruppe und nicht als Individuum davor steht (S. 31).

 

Wer ehrlich seine eigene Entwicklung betrachtet, wird feststellen, dass nicht wenige eigene Erfolge aus Gruppenprozessen resultierten, an denem man zwar Teil hatte, aber die nicht zwingend der eigenen Person hätten zugeschrieben werden müssen. Da die Gruppe oftmals sehr komplex und vielschichtig war, erhielt ein Erfolg dann den eigenen Namen.

 

Nicht der Stärkste hat Erfolg, sondern derjenige, der mit vielen – Starken und auch weniger starken – vielfältig verbunden ist und agiert. Es handelt sich dabei um einen dynamischen Zirkel mit positiver Rückkopplung. Je mehr Energie man für andere einsetzt, je mehr kann man zurück erhalten. Das gilt für berufliches Fortkommen, Glücklichsein und Wohlbefinden.

 

Quelle:

 

- Christopher Peterson, A Primer in Positive Psychology,  Oxford University Press, Oxford, 2006

 

- Shawn Achor, Big Potential – How Transforming the Pursuit of Success Raises Our Achievement, Happiness, and Well-Being, Currency, New York, 2018

 

G.M.

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