Mut zum Neustart

Wenn wir das Wort Mut hören, denken wir zuerst an Szenarien von körperlichen und verbalem Angriff und Verteidigung. Aber unser persönlicher Mut reicht tiefer als die Bereitschaft zum Kampf oder zur Flucht. Wenn er mobilisiert wird, kann er einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben. Er kann die Gelegenheit für unsere Fähigkeit schaffen, uns aus einer krisenhaften Situation zu befreien. Diese Art des Mutes brauchen die Menschen aktuell mehr denn je.

 

Das Konzept des Mutes war Gegenstand der Erörterung von Philosophen über die Jahrtausende. Während es unterschiedliche Auffassungen über die Mechanismen gibt, die Mut hervorbringen, herrscht Einmütigkeit darüber, dass Mut Tapferkeit und Beharrlichkeit angesichts einer Gefahr oder Beschwernis einbezieht. Gleichzeitig gehört Mut dazu, um Formen von Veränderungen zu meistern. Es herrscht auch Einigkeit, dass wir es in unterschiedlichen Situationen mit verschiedenen Typen von Mut zu tun haben. Dazu zählen u.a. physischer, moralischer und psychologischer Mut. In unserem Zusammenhang sind eher die beiden letztgenannten gefragt.

 

Moralischer Mut ist gefordert, wenn wir beispielsweise mit Formen der sozialen Heuchelei konfrontiert sind. Er gehört auch dazu, all denen entgegenzutreten, die Regierungen, wo auch immer in der Welt, unterstellen den Virus Covid-19 mit Absicht freigesetzt zu haben. Es liegt dann bei uns, solche Behauptungen in geeigneter Form zurückzuweisen. Eine solche aktive Position dient dann nicht nur der Sache, sondern hilft uns auch persönlich, unsere Kräfte und unseren Mut zu versammeln und zu stärken.

 

Bei unserer Betrachtung geht es hier besonders um den psychologischen Mut. Er bezieht sich auf die Stärke, die wir gegenüber unserer eigenen Vorbehalten aufwenden müssen, um entsprechend handeln und Veränderung auslösen zu können. Psychologischer Mut ist aktuell gefragt, um im Angesicht der Pandemie nicht an uns selbst zu zweifeln, sondern die Dinge konsequent weiter zu verfolgen, die man für sein eigenes Leben als wesentlich und bestimmend erkannt hat.

 

Diese Art von Mut schließt die Anerkennung und Akzeptanz unserer eigenen Fehler und unserer eigenen Verletzlichkeiten ein. Es geht um das Wissen, dass wir alle einmal schlechte Zeiten haben und uns in bestimmten Momenten nicht so verhalten, wie es unseren Idealen entspricht. Das berührt dann nicht nur unser physisches, sondern auch unser emotionales und psychologisches Wohlbefinden. Es gehört eine gewisse Art von Mut dazu, diese Dissonanzen oder Lücken, die zwischen unseren Idealen und unserer momentanen Verfassung existieren, zu akzeptieren und trotzdem aktiv zu werden.

 

Die Stärken des Muts

Den Erkenntnissen der  Positiven Psychologie zu Folge hilft uns psychologischer Mut, Einschränkungen zu überwinden, um in Krisen zu bestehen, sie zu überwinden und dabei daran zu wachsen. Um besser zu verstehen, wie das geschieht, untersucht die Positive Psychologie den Zusammenhang des psychologischen Muts mit vier besonderen Stärken: Integrität, Unerschrockenheit, Beharrlichkeit und Lebensfreude.

 

Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass Angst erforderlich ist, um Mut in Gang zu setzen. Andere vertreten die Auffassung, dass schon alltägliche Dinge wie Unbehagen oder Unruhe ausreichend sein können, um mutiges Verhalten auszulösen.

 

Hier geht es um den Konflikt zwischen dem, wie wir leben wollen und wie wir tatsächlich leben. Diese Theorie legt nahe, dass psychologischer Mut ein notwendiger Bestandteil eines laufenden Prozesses ist. Zuerst geht es darum anzuerkennen, dass Selbstreflektion unverzichtbar ist. In einem zweiten Schritt dreht es sich darum, über die eigene Situation nachzudenken. In einer dritten Stufe gilt es, den persönlichen Mut zusammen zu nehmen, um etwas zu bewegen. Hier kommen die vier genannten Stärken ins Spiel, um einen solchen Wechsel herbei zu führen, der unser Unbehagen reduziert und unser Wohlbefinden stärkt.

 

Da ist an erster Stelle die Integrität.

Sie hilft uns, authentisch in Übereinstimmung mit unseren Werten und unseren ethischen Grundüberzeugungen zu handeln. Es kommt darauf an, Verantwortung dafür zu übernehmen, wie man denkt und was man als richtig anerkennt. Es handelt sich darum, die Dinge zu finden, die uns daran hindern, unsere Ziele zu erreichen und sie dann aktiv zu verändern.

 

Hier kommt Unerschrockenheit ins Spiel.

Im Kontext von psychologischem Mut dreht es sich darum, moralischen Mut im Angesicht von Opposition zu zeigen. Dabei geht es sowohl um den Widerstand von anderen als auch den inneren Widerstand, der uns daran hindert, genau zu wissen, wer wir sind und uns so zu akzeptieren. Die Schwierigkeit, die mit psychologischem Mut verbunden ist, besteht darin, dass man darauf nur im Augenblick von Schwierigkeiten und Unwohlsein zurückgreifen kann. Wir sind damit konfrontiert, wenn wir an einer Art von Abgrund stehen, der uns zum Handeln zwingt. Es ist der Moment, wo wir einen anderen Weg einschlagen und eine bittere Wahrheit akzeptieren. Im Kern geht es darum, tapfer einen Wechsel einzuleiten.

 

Das geht nur mit Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit.

Beharrlichkeit ist eine wichtige Stärke aus dem Spektrum der psychologischen Stärke, weil sie sichtbar macht, dass es sich bei allem nicht um einen kurzen Moment handelt, sondern um viele Gelegenheiten, um äußere und innere Widerstände zu überwinden.

 

Zu allem gehört die Lebensfreude.

Vitalität ist unverzichtbar, um dem Leben aktiv zu begegnen. Es geht darum, sich jedem Tag von Neuen den Herausforderungen des Lebens mit den Erfolgen und Niederlagen zu stellen. Unsere psychologische Stärke bereitet uns darauf vor, auch die schwierigen Dinge im Leben anzunehmen, ohne dabei unseren Sinn für Hoffnung, Verwunderung und Entschlossenheit beim Vorwärtsgehen zu verlieren.

 

Es geht darum, die Kontrolle zurück zu erlangen.

Während uns all diese Stärken helfen, psychologischen Mut zu definieren, ihn besser zu verstehen und zu entwickeln, geht es im Kern darum, die Kontrolle über uns selbst auch in Krisenzeiten zu behaupten und wenn nötig zurück zu erlangen. Es ist müßig die Schuld in einer prekären Situation wie der Corona-Krise bei anderen zu suchen. Nutzen wir sie im Gegenteil, um herauszufinden, was wir bei uns verändern können, um auch in zukünftigen schwierigen Situationen innerlich gewappnet und mutig zu sein.

 

Quellen:

 

https://www.researchgate.net/publication/232442435_The_Construct_of_Courage_Categorization_and_Measurement

 

https://www.wellbeing.com.au/mind-spirit/mind/how-to-build-your-courage.html

 

G.M.

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