Nachdenken über die Zukunft

An den Anfang seines Vortrages rückte Professor Roy Baumeister die Feststellung, dass die Psychologie sich bisher hauptsächlich mit der Vergangenheit beschäftigt. Es ist nun mal einfacher, die Vergangenheit zu kennen, als Aussagen über die Zukunft zu treffen. Dazu im gewissen Widerspruch steht die Tatsache, dass die Menschen im täglichen Leben mehr über die Zukunft als über die Vergangenheit nachdenken. Gegenüber der Vergangenheit hat die Zukunft den Vorteil, dass man auf sie noch Einfluss nehmen, sich verändern und sich anpassen kann.

 

Empirische Untersuchungen des Teams von Dr. Baumeister bestätigten, dass die Menschen sich gedanklich hauptsächlich mit der Gegenwart befassen, aber an zweiter Stelle die Zukunft steht. Auch Gedanken an die Vergangenheit oder die Gegenwart haben oft einen Zukunftsbezug.

 

Untersucht wurden auch die subjektiven Erfahrungen in den verschiedenen Zeitabschnitten. Gegenwart wurde dabei als ein Zeitraum von 10 Minuten gefasst. Vergangenheit war davor verortet und Zukunft setzte danach ein. Die Konzentration auf die Gegenwart bedeutete bei den Versuchspersonen mehr positive Emotionen, weniger negative Gefühle und weniger Stress. Die Zukunft war eher mit dem Prädikat der Sinnhaftigkeit versehen. Sie ist aufregender als Gegenwart und Vergangenheit.

 

Bei den Überlegungen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollte man annehmen, dass der Tod, die Sterblichkeit, ein bedeutender Faktor gerade auch in der Zukunftsvorausschau (future prospection) der Versuchspersonen sein sollte. Die Untersuchungen zeigten aber, dass Gedanken an den Tod kleiner 1 auf einer Skala von 1-100 waren. Hinzu kam, dass dabei in der Mehrheit der Angaben nicht an den eigenen Tod, sondern den von dritten Personen gedacht wurde.

 

Wie sah es nun aber mit den Zukunftserwartungen des untersuchten Personenkreises aus? Die Vorhersagen schienen eindeutig in die Richtung zu weisen, dass besonders für Optimisten und Menschen mit einer Zukunftsgesinnung (future mindset) der Blick in die Zukunft glänzend und vielversprechend sein sollte. Die empirischen Untersuchungen erbrachten aber genau das gegenteilige Resultat.

 

Es zeigte sich, dass Nachdenken über die Zukunft, die Risikobereitschaft verringert. Schon 10 Sekunden Differenz der Zeit zum Nachdenken im Versuchsaufbau bestätigte diese Tendenz. Gedanken darüber, was alles eintreten kann, verstärkten das Streben nach Sicherheit und Risikovermeidung. Ist die Zukunft nun tatsächlich dunkel? Wie lässt sich der Widerspruch zwischen optimistischen Annahmen und den tatsächlichen empirischen Untersuchungsergebnissen nun auflösen? Wird sogar eine neue Theorie benötigt?

 

Nach Ansicht von Dr. Baumeister deuten die Tatsachen auf eine pragmatische Lösung. Nachdenken über die Zukunft erfordert nach diesen Erkenntnissen zwei Schritte, wenn die Zukunft nicht dunkel sein soll.

 

Der erste Schritt besteht darin, darüber nachzudenken, was man möchte. Träume sollten positiv und groß sein. Im zweiten Schritt geht es darum, einen realistischen Plan zu machen, um das gewünschte Ziele zu erreichen. Dazu gehört, mögliche Alternativen zu benennen, über Zufälle nachzudenken und sich über die eigenen Möglichkeiten im Klaren zu sein.

 

Im Gegensatz zu Vorhersagen über die Zukunft geht es bei Pragmatischer Vorausschau (pragmatic prospection) nicht darum vorab zu wissen, was genau passiert, sondern die Zukunft als Möglichkeit zu begreifen. Was könnte alles passieren? Welche verschiedenen Wege gibt es, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen?

 

Es geht nach Dr. Baumeister darum, die Zukunft als Matrix von Möglichkeiten zu begreifen. Zukunft ist offen und nicht vorbestimmt. Es gibt viele alternative Wege. Das Ergebnis hängt von unserem aktiven Handeln ab.

 

Dieses Herangehen kann auch Menschen weitab von Melbourne helfen, die einen Beitrag leisten wollen, um unsere Umwelt, unser Land, für uns, unsere Kinder und Enkelkinder lebenswert zu erhalten.

 

Das wäre das oben genannte große Ziel! Einen Beitrag im Sinne Pragmatischer Prospektion dafür zu leisten, ist dadurch möglich, den eigenen Verbrauch von Energie zu senken. Allein darüber nachzudenken, ist ein Beginn.

 

Die Europäer verbrauchen jährlich durchschnittlich eine Energiemenge, die pro Kopf einen CO2-Ausstoß von 11 Tonnen zur Folge hat. Um allein die sogenannte Klimaneutralität zu erreichen, die die Erderwärmung begrenzt, wäre ein CO2-Ausstoß von 2,7 Tonnen pro Kopf nötig.

 

Quellen:

Roy Baumeister, The Future and the Will: Planning requires self-control, and ego depletion leads to planning, Journal of Experimental Social Psychology, Amsterdam May 2018

 

Ehrhard Eppler und Niko Paech, Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution…, oekom Verlag, München 2016

 

G.M.

Bleiben Sie immer informiert! Das neuste aus der Welt der Positiven Psychologie: