Politisches Engagement und Glück

Die PP muss einen wachsenden  Beitrag leisten, um wichtige politische Fragen zu lösen. 

Dazu forderte Prof. Csikszentmihalyi in seinem Beitrag auf dem 5. Weltkongress der Internationalen Gesellschaft für Positive Psychologie auf. Als Beispiel nannte er u.a. die Unterstützung des Prozesses zur Versöhnung in Kolumbien, wo die Mitglieder der FARC-Guerilla in den kommenden Monaten und Jahren in die kolumbianische Gesellschaft integriert werden müssen. Der mehr als fünfzigjährige Bürgerkrieg zwischen Polizei, Armee und rechten Paramilitärs einerseits und der Guerilla auf der anderen hat mehr als 260.000 Tote gefordert, sieben Millionen Menschen zur Flucht gezwungen und ungezählte Existenzen zerstört. Auf die Gefühle von Hass, Mißtrauen, Hoffnungslosigkeit und Furcht bei den kolumbianischen Menschen beider Lager müssen Antworten gefunden werden, wenn der Bürgerkrieg nicht zurückkehren soll. Die Positive Psychologie verfügt über ein reiches Wissens- und Erfahrungsreservoir, um hier mehr als eine Antwort zu geben.

 

In zahlreichen Ländern mit einer parlamentarischen Demokratie wiederum wächst der Unmut einer steigenden Zahl der Bürger über ihre Regierungen bzw. die gewählten Vertreter auf den unterschiedlichen Ebenen. Viele Bürger fühlen sich durch die jeweiligen Abgeordneten nicht mehr vertreten. Sie wenden sich Parteien zu, die aus ihrer Ablehnung von demokratischen Verfahren jeder Art keinen Hehl machen, oder gehen überhaupt nicht mehr wählen.

 

Natürlich existieren genügend Fälle, wo die Politik aus nationalen wie internationen Gegebenheiten nicht alle Erwartungen der Wähler erfüllen kann. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche Situationen im demokratischen Prozess, wo die Bürger nicht ausreichend informiert und sie nicht genügend in die nötige Entscheidungsfindung einbezogen werden. Hier entstehen Vertrauensverluste und Glaubwürdigkeitsprobleme, die die demokratische Gesellschaft einerseits nachhaltig schwächen und die andererseits eigentlich vermeidbar sind.

 

Wie dieses Vertrauen wieder gestärkt werden kann und glaubwürdige Wege der Kommunikation zwischen Bürgern und staatlichen Stellen etabliert werden können, sollte beispielsweise in der Zukunft die Positive Psychologie stärker als bisher mit ihren Mitteln erforschen und die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis testen. Hier geht es um Fragestellungen wie Wissen, Emotionen, Engagement, Sinn und Umsetzung, zu denen gerade die PP über ein gutes Instrumentarium für Untersuchungen und Tests verfügt.

 

Wichtige Erkenntnisse auf dem Feld einer "Politik des Glücks" wurden u.a. von Professor Derek Bok von der Harvard University geleistet.1)  Er schlägt u.a. vor, dass die Positive Psychologie Licht auf mögliche institutionelle Veränderungen in der Regierungstätigkeit selbst werfen könnte. 2)

 

Prof. Bok nimmt dabei Bezug auf Arbeiten von Bruno Frey und Alois Stutzer, die in der Schweiz den unterschiedlichen Grad des Wohlbefindens in den verschiedenen Kantonen untersucht haben.3)  Überraschenderweise entdeckten sie signifikante Unterschiede im Grad des Glücksempfindens der Bürger in Abhängigkeit vom Grad der direkten Demokratie (Initiativen, Referenden, ürgerversammlungen) in jedem Kanton; je direkter die Demokratie, um so stärker war das Glücksempfinden. Andere Schweizer Forscher stellten die Ergebnisse dahin gehend in Frage, ob sie verallgemeinheitswürdig sind.

 

Derek Bok schlägt deshalb vor, die Frage eines solchen Zusammenhangs in den fünfzig Bundesstaaten der USA, in denen es unterschiedliche Regierungsprozesse und Verantwortlichkeiten gibt, durch die Wissenschaft untersuchen zu lassen, um zu belastbaren Erkenntnissen über den Zusammenhang von direkter Demokratie und Glücksempfinden für die Zukunft zu gelangen. Diese Anregung des ehemaligen Präsidenten der Harvard University sollte auch Forscher der PP  in Deutschland anregen und ermutigen, ausgehend von den Schweizer Erfahrungen ihren Blick auf die Zusammenhänge bestimmter politischer Prozesse und Erkenntnissen der Positiven Psychologie zu schärfen.

 

 

1.  Derek Bok, "The Politics of Happiness – What 

    Government can learn from the Research on Well-

    being",  2010 bei Princeton University Press, Princeton,

    New Jersey, USA

2. ebenda, S. 61

3. Bruno S. Frey und Alois Stutzer, "Political Participation

    and Procedural Utility", European Journal of Political

    Research, 2006, S. 391

 

G.M.

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