Positive Aging - Mit positiver Einstellung alt werden

Achtsamkeit (mindfulness)

 

Ellen Langer, Professorin für Psychologie an der Harvard Universität und Mitglied der Arbeitsgruppe Altersforschung an der Medizinischen Fakultät hat den Begriff "Achtsamkeit" (mindfulness) nach westlicher Vorstellung geprägt. Achtsamkeit ist für sie das Gegenteil von Gedankenlosig-keit. Es geht darum, sensibel dafür zu werden, ob das, was wir über uns und die Welt denken, auch tatsächlich so ist. Langer möchte das Bewusstsein der Menschen dafür schärfen, dass Handlungen und Annahmen oft aus der Vergangenheit stammen und darauf beruhen, was einem mit der Zeit eingeredet wurde. Sie plädiert dafür, Alter neu zu denken. Denn während in anderen Kulturen Ältere als Weise verehrt, um Rat gefragt werden und bis zu ihrem Tod einen großen moralischen Einfluss haben, wird das Altern in unseren Breitengraden oft mit physischem, psychischem und geistigem Verfall gleichgesetzt. Obwohl es gegenteilige Erkenntnisse über die Leistungsfähigkeit der Generation 55+ gibt, werden ältere Mitarbeiter in Unternehmen häufig immer noch auf das Abstellgleis gestellt, statt ihr Potenzial zu nutzen.

 

Beziehungen als Resilienzfaktor im Alter

 

Laura Fratiglioni, Professorin für Medizinische Epidemiolo-gie am Karolinska Institut in Stockholm, untersuchte in den 1990er Jahren in einer 3-Jahres-Studie die Risiko- und Schutzfaktoren von Alzheimer und Demenz. Sie fand her-aus, dass Frauen ab 80 Jahren häufiger an Demenz erkranken als Männer. Gleichzeitig sind Frauen ab 80/ 85 Jahren häufiger allein, da ihre oft älteren Männer schon verstorben sind. Die Studie zeigt, dass Isolation und Allein-sein mit höherem Demenzrisiko korreliert. Laura Fratiglioni geht davon aus, dass die kognitiv anspruchsvolle Tätigkeit des Socializing das Gehirn stärkt – so wie physisches Training Muskeln aufbaut.

 

Auch weitere Studien (u.a. an der Harvard School of Public Health in Boston) kamen zum Schluss, dass soziale Integration – z.B. Familienstand (verheiratet), ehrenamt-liche Tätigkeit und Kontaktfrequenz mit Familie, Freunden und Nachbarn – hilft, den altersbedingten Gedächtnisver-lust zu verlangsamen. Datenanalysen von Gedächtnistests mit 35-85 Jährigen in den USA deuten darauf hin, dass dies auch für jüngere Menschen gelten dürfte. Wissen-schaftler sind dabei herauszufinden, welche Aspekte unse-rer sozialen Netzwerke uns am meisten Gutes tun und welche Mechanismen unser soziales Leben mit unserer Biologie verbinden.

 

Teilhabe und Mitgestalten

 

2012 führten die Körber-Stiftung und das Beratungsunter-nehmen nextpractice eine Studie zum Thema Alter und Lebenszufriedenheit durch. Dabei wurden 205 qualitative Interviews mit Menschen aller Altersgruppen durchgeführt, die auch in anderen Merkmalen einem Querschnitt der deutschen Bevölkerung entsprachen. Die Studie bestätigte, dass Lebenszu-friedenheit stark gekoppelt ist mit Solidarität und Teilhabe. Dabei geht es einerseits um soziale Gerech-tigkeit und andererseits um Dazugehören und Mitgestalten. Nach Meinung der Befragten hat sich Deutschland seit den 1970er Jahren entsolidarisiert. Alt sein heißt für sie heute, keine gesellschaftliche Solidarität zu erleben, keine Zugehö-rigkeit mehr zu erfahren und nicht wirklich partizipieren zu können. Gewünscht wird aber das Gegenteil. Die Studie konnte simulieren: Wären Solidarität und Teilhabe in aus-reichendem Maße gewährleistet, würden die Befragten deutlich optimistischer auf das Alter blicken. Weitere Informationen zu "Leben. Neu. Denken." finden Sie unter www.lebenneudenken.de.

 

Mirjam Rolfe und Nora Augustin

(Beitrag auf der Summit 2016 der DGPP)

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