Positive Leadership

Prof. Dr. Kim Cameron im Interview mit Dr. Judith Mangelsdorf

Dr. Judith Mangelsdorf interviewte in Melbourne Prof. Kim Cameron, den Weltexperten für Positive Leadership.

In diesem Interview erinnert er daran, dass das Wort „positiv“ in Verbindung mit Führungstätigkeit in Kreisen der Wirtschaftsschulen nicht besonders akzeptiert war. Es ginge doch vornehmlich darum, mehr Geld zu machen, den Wert des Unternehmens zu steigern und Bedürfnisse der  Kunden zu befriedigen. Hier gebe es nicht den zu starken negativen Aspekt, den die Positive Psychologie in ihrem Forschungsbereich in anderen Bereichen hinterfragt und mit Erfolg neue Maßstäbe gesetzt hat.

 

Nichtsdestotrotz kam Professor Cameron mit der Frage eines positiveren Herangehens in Berührung, als er Firmen untersuchte, die in einer schwierigen ökonomischen Lage Personal abgebaut hatten. Hier war es oftmals so, dass die Leistungsfähigkeit dieser Firmen nach unten ging. Die Produktivität sank. Das Vertrauen unter den Mitarbeitern nahm ab. Leiter wurden zu Sündenböcken gemacht und gefeuert. Die Kommunikation zwischen dem Personal war unterbrochen und die Zusammenarbeit stoppte.

 

Seltsamerweise entdeckte Dr. Cameron, dass zwischen 10 und 15 % der betroffenen Firmen nach Umstrukturierungen aber im Gegensatz zu der oben genannten Entwicklung einen Aufstieg erlebten. Für ihn stellte sich die Frage, worin der Unterschied zwischen denen bestand, die auseinanderbrachen, und denen, die nicht in diesen Strudel gerieten.

 

Er hatte zwar anfangs keine Daten, aber es kam ihm der Gedanke, dass das etwas mit Tugendhaftigkeit, einem Begriff aus der Positiven Psychologie, zu tun haben könnte. Normalerweise sind die Menschen ja mitfühlend, integer und großzügig.

 

Nun konnte man bis dato nach Meinung von Dr. Cameron in Business-Kreisen schlecht die Begriffe Tugendhaftigkeit und positive Praxis gebrauchen. Das klang alles nicht nach harten Fakten. Aber er sah, dass gerade eine solche Praxis zu einer besseren Leistungsfähigkeit bei den untersuchten Firmen geführt hatte. Dabei wurde sofort deutlich, dass eine solche Praxis, die die Tugenden in einem Unternehmen stärkt, nur umgesetzt werden kann, wenn sie die Unterstützung von der Spitze, d.h. vom Führungspersonal hat.

 

Beides zusammengenommen ergibt eine positive Führungstätigkeit. Sie ist nach der Erfahrung von Dr. Cameron eine zentrale Variable, damit Firmen und beliebige Organisationen sich entfalten und entwickeln können.

 

Seine Forschung in den vergangenen 15 Jahren hat sich darauf konzentriert, harte Fakten zusammen zu tragen, die belegen, dass die Einführung solcher Praktiken die Entwicklung von Organisationen und Firmen nachhaltig positiv beeinflusst.

 

Diese Fakten zeigen: Die Leistungsfähigkeit von Firmen und Organisationen steigt. Betriebsergebnisse verbessern sich. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter wächst. Die Kundenzufriedenheit steigt. Innovationen nehmen zu.

 

Frau Dr. Mangelsdorf richtete an Dr. Cameron die Frage, wie alte Gewohnheiten überwunden werden können, die den Betriebsablauf lähmen und die Einführung neuer Praktiken behindern oder ganz ins Leere laufen lassen?

 

Professor Cameron ist der Überzeugung, dass es schon ausreicht, wenn bei den einzelnen Mitarbeitern einer Firma oder den Angestellten einer Verwaltung anfangs nur ein geringer Prozentsatz der Identifizierung mit der neuen Praxis vorhanden ist. Über die Zeit führt das Anwachsen der Identifikation mit der neuen Situation bei den Führungskräften und Mitarbeitern zu einem nachhaltigen Effekt.

 

Natürlich kann man nach Auffassung von Dr. Cameron die Produktion revolutionieren, Umstrukturierungen in die Wege leiten und Organisationen transformieren. Er plädiert aber eher dafür, Veränderungen Schritt für Schritt herbeizuführen.

 

Dr. Cameron hat erlebt, wie die Betroffenen über den Weg dieser schrittweisen Veränderungen Feuer gefangen haben und es so wirklich zu revolutionären Veränderungen gekommen ist.

 

Die Verantwortlichen großer Unternehmen verweisen oft darauf, dass sie für wachsenden Umsatz, steigende Aktienkurse, Kundenzufriedenheit und andere harte ökonomische Fakten verantwortlich sind und positive Führungstätigkeit letztlich eine schöne Nebensache sei.

 

Dr. Cameron antwortet darauf abschließend, dass er über zahlreiche empirische Fakten verfügt, die zweifelsfrei belegen, dass die Einführung von Praktiken der positiven Führungstätigkeit sich unter dem Strich für Firmen, Organisationen und Verwaltungen auszahlt. Immer mehr Strukturen begreifen das und bringen Veränderungen auf den Weg, die dieser Erkenntnis Rechnung tragen

 

G.M.

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