Positive Psychologie gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus

Die Positive Psychologie hat sich in den vergangenen Jahren wissenschaftlich auch mit dem Problem von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus beschäftigt. Führende Wissenschaftler haben sich mit der Frage befasst, ob es psychologische Grundmuster gibt, die ein Anteil daran haben könnten, dass manche Menschen fremdenfeindlichen und rassistischen Argumenten relativ ungeprüft zugänglich sind.

 

In einem Interview von Peter Jaret für Berkeley Wellness, hat der renommierte Professor Rodolfo Mendoza-Denton von der University of California vor zwei Jahren dazu seine neuesten Forschungsergbenisse in einem Interview erläutert, die heute aktueller denn je sind.

 

Seine Forschung hat gezeigt, dass "menschliche Wesen über eine natürliche Neigung verfügen, Unterschiede zwischen 'uns' und 'sie' zu machen. Diese natürliche Neigung ist überlebenswichtig. Man will wissen, wem man trauen und mit wem man die verfügbaren Ressourcen teilen kann und wer dein Feind ist." Nach Prof. Mendoza-Denton machen Voreingenommenheit und Vorurteile die Welt einfacher und überschaubarer. "Man muss nicht jedes Mal darüber nachdenken, wem man nun trauen kann und wem nicht".

 

Prof. Mendoza-Denton konnte aber auch nachweisen, dass diese Unterscheidung zwischen "Innengruppe" und "Außengruppe" sehr formbar ist. "Das spezifische Vorurteil, das man gegenüber einer Rasse, einer Klasse, einer Religion, einem Geschlecht oder einer sexuellen Orientie-rung hat, kann sich ändern."

 

Ein Weg, um eigene Vorurteile gegenüber einer anderen Gruppe abzubauen, besteht darin, bewusst Kontakt zu Menschen zu suchen, die anders als man selber ist und dazu den eigenen Bekanntenkreis zielgerichtet zu erweitern.

 

Viele Leute reisen in andere Länder, nicht nur um sich zu erholen, sondern um bewusst andere Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Solche Erfahrungen vermitteln in ihrer großen Mehrheit die Erkenntnis, dass die Menschen auf anderen Kontinenten oftmals ähnliche Sorgen wie man selber hat und sich in der einen oder anderen Form wie man selbst mit der Endlichkeit des Lebens befassen. Trotz aller Unterschiede in den verschiedenen Kulturen ist es ein bereicherndes Erlebnis zu sehen und zu fühlen, wieviel die Menschen verbindet und nicht trennt.

 

Man wird schnell erkennen, dass die Unterschiede mit einer unterschiedlichen gesellschaftlichen Entwicklung oftmals über Jahrhunderte wenn nicht Jahrtausende zusammenhängen. Der Verweis auf genetische Unter-schiede von interessierter Seite verschleiert nur politische und ökonomische Interessen. Solche Unterschiede zwischen Volksgruppen, die weit genug auseinander wohnen, wie beispielsweise die Finnen und die Marok-kaner, gibt es. Sie sind aber weit geringer als mögliche genetische Unterschiede innerhalb einer Familie.

 

Um solche Erfahrungen zu machen, braucht es nicht einmal Reisen in andere Länder. Schon in der eigenen Stadt oder Region gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten, seinen Bekannten- und Freundeskreis bewusst zu erweitern. An vielen Orten sind immer mehr Sportvereine aktiv, die Menschen unterschiedlicher Hautfarbe oder Herkunft vereinen. Sportliche Aktivitäten stärken nicht nur die Kondition und das Gefühl der Gemeinschaft, sondern erweitern den Blick dafür, das der oder die andere ähnlich wie man selber denkt und fühlt. Diese wertvolle Erfahrung kann besonders derjenige machen, der sich bewusst und zielgerichtet an einen solchen Ort begibt. Das schließt natürlich auch negative Erfahrungen nicht aus. Aber auch sie machen das Leben bekanntlich reicher.

 

Ähnliche Erfahrungen kann jeder in Orchestern und Chören machen, in denen sich Menschen verschiedener Herkunft zusammenfinden, um sich die Schönheit von Musik und Gesang gemeinsam zu erarbeiten und sie dann einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

 

Ein weiterer Weg, Vorurteile abzubauen, besteht darin, sie sich bewusst zu machen und mit gemachten Erfahrungen zu vergleichen. So halten Menschen aus dem Süden der Republik die Bewohner einzelner Küstenabschnitte für geistig nicht so auf der Höhe. Manche Bewohner des Ostens haben Vorurteile gegenüber solchen aus dem Westen und umgekehrt. Wenn solche Vorurteile aber die Landesgrenzen überschreiten, wird daraus schnell ein Vorbehalt gegenüber anderen Kulturen und Fremden generell.

 

Die Tatsache, dass man Vorurteile ändern kann, hängt eng mit der Frage zusammen, ob es fest verwurzelte Veranla-gungen beim Menschen in die eine oder andere Richtung gibt.

 

Noch vor ein paar Jahren war man in der Forschung in den USA davon ausgegangen, dass es beispielsweise eine Veranlagung gibt, rassistisch eingestellt zu sein.

 

Untersuchungen an der menschlichen Amygdala, die Teil des limbisches Systems des menschlichen Gehirns ist, deuteten darauf hin, dass Voreingenommenheit tief in der menschlichen Gefühlswelt, die dem Bewußtsein nicht zugänglich ist, verankert sei. Man kam zu diesdem Schluss, nachdem man Versuchspersonen Fotos von Menschen mit schwarzer und weißer Hautfarbe vorgelegt hatte und es zu einer Reaktion in der Amygdala kam.

 

Neueste Erkenntnisse haben aber gezeigt, "dass die Amygdala immer reagiert, wenn Versuchspersonen aufge-fordert werden, irgend eine Art von sozialer Unterschei-dung zu treffen, positiv oder negativ."

 

Die aktuelle Forschung zeigt, dass wir eine Veranlagung haben, Unterscheidungen zu treffen, die nützlich sind, um in der sozialen Welt zu navigieren. Diese Veranlagung ist aber per se weder rassistisch noch fremdenfeindlich. Mehr dazu finden Sie hier.

 

G.M.

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