Wachsen in Zeiten der Krise

Wir leben im Moment in einer schwierigen Zeit. Die Corona-Pandemie hat vieles verändert, was wir bisher gekannt haben. Das normale Leben vieler Menschen ist unterbrochen.

 

In einem Podcast schreibt der international bekannte Psychologe, Dr. Paul Wong, dass es nunmehr einer Resilienz-Revolution bedarf, um die Pandemie zu besiegen.

 

Nun muss es ja nicht gleich eine Revolution sein und zum Sieg über die Pandemie bedarf es zweifellos weiterer umfassender Anstrengungen. Diese reichen u.a. von der Bereitstellung wirksamer Medikamente bis zum weiteren Ausbau der jeweiligen nationalen Gesundheitssysteme.

 

Zu Recht macht er aber darauf aufmerksam, dass es gerade auf dem Gebiet der Positiven Psychologie Ansätze gibt, um der Pandemie noch effektiver zu begegnen. An erster Stelle nennt er dabei die Stärkung des Faktors Mensch für Resilienz, für unsere Widerstandsfähigkeit. Dr. Wong fragt nicht nur danach, wie wir die aktuelle Krise überstehen, sondern er fordert dazu auf, als Individuen alles zu tun, um gestärkt daraus hervorzugehen.

 

Er ist der Ansicht, dass besonders die Existentielle Positive Psychologie (PP 2.0) hier eine wichtige Rolle spielen kann. Sie unterstreicht besonders die Notwendigkeit von Resilienz, um Hindernisse zu überwinden und um ein sinnerfülltes Leben zu führen. Aus ihrer Perspektive betrachtet, kann gerade eine existenzielle Krise Anstoß sein, um die Suche nach Sinn im Leben auszulösen. Mit anderen Worten gesagt, geht es darum, die aktuelle Situation zu nutzen, um die Suche nach Sinn zu stärken. So kann aus Covid-19 eine Krise werden, die das Leben positiv verändert.

 

Dr. Paul Wong bezieht sich in seiner Argumentation auf die drei Prinzipien des tragischen Optimismus von Viktor E. Frankl, die er in seinem Buch „…trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“ entwickelt.

 

Das erste Prinzip fordert, das aktuelle Leiden als eine Gelegenheit zu begreifen, sich kämpferisch, heroisch, auseinander zu setzen.

 

In Zeiten der Pandemie könnte das heißen, sich in geeigneter Form und entsprechend der beruflichen Erfahrungen sowie Voraussetzungen als Helfer zur Verfügung zu stellen. Das reicht von der Bereitschaft zur Mitarbeit in Impfzentren bis hin zur Ausgabe von Kleidern in Brennpunkten der Pandemie.

 

Nach diesem Prinzip besteht gutes Leben darin, nicht das momentane Vergnügen zu suchen oder sich defensiven Illusionen hinzugeben, sondern dort hinzugehen, wo Leid ist und diesen Schritt  in Gelegenheit für Sinn zu wandeln.

 

Ein zweites Prinzip ist darauf gerichtet, die negativen Emotionen in eine Motivation für positiven Wandel zu verarbeiten.

 

Covid-19 belegt uns bekanntlich mit einem doppelten Pech. Es schließt uns einmal von vielen unserer üblichen Quellen von Glück aus und verursacht ein Loch in unserer bisherigen Lebensgestaltung. Zusätzlich verfüllt es dieses Loch mit allen Arten von Angst und Sorgen. Negative Emotionen können dabei genauso ansteckend sein wie das Covid-19-Virus.

 

Nunmehr geht es darum, die negativen Emotionen, die nun einmal da sind, nutzbar zu machen, um besser zu schätzen, was uns das Leben bietet. Warum nicht dankbar sein, für die frische Luft, die man einatmet? Warum nicht mit Ehrfurcht und Freude erfüllt sein, wenn man morgens einen Sonnenaufgang erlebt? Warum nicht eintauchen in die wundervolle Welt der Musik, auf die wir problemlos Zugriff haben? Jeder von uns hat solche Momente bereits erfahren, aber im Laufe der Zeit nicht mehr bewusst wahrgenommen.

 

Warum nicht Kontakt zu alten Bekannten aufnehmen, die einem aus dem Auge geraten sind? Der Logdown hilft uns zu erkennen, wie wichtig andere Menschen in unserem Leben sind. Wer hindert uns daran, zum Telefon zu greifen und alte Klassenangehörige oder Arbeitsbekanntschaften anzurufen?

 

Ein drittes Prinzip heißt, sich bewusst zu machen, dass das Leben endlich ist und es gilt, für sein eigenes Leben Verantwortung zu übernehmen. Menschliches Dasein ist kurz und zerbrechlich. Solange man atmet verfügt man aber über die Fähigkeit, sein Leben nach den beiden oben genannten ersten Prinzipien auszurichten.

 

Aus positiver Perspektive gesehen, können schlimme Zeiten auch gute Zeiten sein. Die Auflösung von alten Lebenswegen gepaart mit der Herausforderung einer unsicheren Zukunft, sollte den benötigten Anstoß geben, um für sich neue Werte zu schaffen und sich ein bisschen wie ein Phönix aus der Asche zu erheben.

 

Quellen:

 

https://www.researchgate.net/publication/344190875_Coping_with_the_Mental_Health_Crisis_of_COVID-19_A_Resilience_Perspective

 

Viktor E. Frankl, „…trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, Penguin Verlag, München

 

G.M.

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