"Weltglücksreport" in Zeiten von Corona

Der World Happiness Report 2021 ist der neunte seiner Art. Er geht auf eine Initiative der UNO aus dem Jahre 2012 zurück, die vom damaligen Premierminister Bhutans, Jigme Y. Thinley und dem führenden US-Ökonomen Jeffrey D. Sachs angeregt wurde. Die zentrale Datengrundlage ist seit 2013 das Sustainable Development Solutions Network (SDSN) und das Center for Sustainable Development (CSD) an der Columbia University von New York. Finanziert wird der Report von einer Reihe bedeutender US-amerikanischer privater Stiftungen.

 

Obgleich der Weltglücksreport auf einer breiten Datenbasis ruht, ist der Gallup Weltreport maßgebliche Faktenquelle. Die Befragungen der Menschen zur Einschätzung ihrer Lebensqualität, die durch den Gallup-Bericht erhoben werden, sind die Grundlage für das jährliche „Glücksranking“ der Länder der Erde.

 

Schwierige Datenerfassung in Zeiten von Corona 

 

Die Datenerfassung stellte in Zeiten der Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung dar. Umfangreiche persönliche Befragungen in Asien und Afrika waren nicht bzw. nur über Umwegen realisierbar. Wie überall, war die Kommunikation auf allen Ebenen erschwert.

 

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie war 2020 daher kein Jahr wie die vorangegangenen. Der Bericht richtet sein Hauptaugenmerk auch deshalb darauf, wie die Menschen auf der ganzen Erde mit dieser Lage umgegangen sind. Einmal sollte der Bericht erfassen, wie COVID-19 die Strukturen und die Qualität des Lebens der Menschen beeinflusst hat und darüber hinaus sollte er Aufschluss darüber geben, wie die Regierungen auf der ganzen Welt mit der Pandemie umgegangen sind.

 

Dabei wurde eine erstaunliche Beständigkeit festgestellt, wie die Menschen ihr Leben einschätzen. Trotz aller Veränderungen zwischen 2017 bis 2019 und speziell 2020 hat sich die Reihenfolge zwischen den Ländern nicht wesentlich verändert. An der Spitze rangieren die gleichen Länder wie schon in der Vergangenheit.

 

Die Gefühlslage der Menschen im ersten Jahr der Corona-Pandemie veränderte sich zwar stärker als ihre Lebenszufriedenheit. Es gab aber keine allgemeine Veränderung der positiven Haltung. Messbar war dagegen eine 10 prozentige Zunahme der Zahl der Menschen, die ihre Sorgen zum Ausdruck brachten und bekundeten, dass sie am vergangenen Tag traurig waren.

 

Vertrauen und die Fähigkeit, auf andere zählen zu können, erwiesen sich als Hauptstützen für die Lebensmeisterung besonders in Zeiten der Krise. Vertrauen erklärt auch in hohem Maße die großen internationalen Unterschiede in den Todesraten im Gefolge von COVID-19 in den europäisch-nordamerikanischen Staaten einerseits und den ostasiatischen Ländern sowie Australien andererseits.

 

In letzteren war es innerhalb kürzester Zeit möglich, den kommunalen Austausch auf null zu senken und so lange zu halten, bis die Krise weitgehend unter Kontrolle war. In den westeuropäisch-nordamerikanischen Ländern entsprach das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierenden und ihre Entscheidungen nicht den Anforderungen einer Pandemie und hatte zahlreiche Tote zur Folge.

 

Psychische Gesundheit nimmt schweren Schaden

 

Unabhängig von der Todesrate von Millionen Menschen war die psychische Gesundheit eine der Leidtragenden der Pandemie und der damit verbundenen Lockdowns. So war die gemessene psychische Gesundheit in Großbritannien im Mai 2020 ähnlich wie in anderen Ländern 7,7 % niedriger als vor der Pandemie vorausgesagt. Die Zahl der berichteten psychischen Probleme war 47 % höher.

 

Zur gleichen Zeit als im Verlauf der Pandemie die Anforderungen an die psychische Gesundheitsfürsorge stiegen, versagten diese Systeme in einer ganzen Reihe von Ländern komplett. Das ist besonders ernst, wenn man bedenkt, dass die Pandemie anhaltende Wirkungen bei der jungen Generation hinterlassen hat und hinterlässt.

 

Ein wesentliches Element der COVID-19-Politik ist die physische Distanzierung oder Selbstisolation der Individuen. Sie ist eine bedeutende Herausforderung für die menschlichen sozialen Verbindungen, die vital für ihr Glücksgefühl sind. Menschen, deren Gefühl der Verbundenheit sank, hatten ein abnehmendes Gefühl des Wohlbefindens. Das gleiche geschah mit Menschen, deren Gefühl der Einsamkeit anstieg und deren soziale Unterstützung sich verringerte.

 

Es zeigte sich bei der Datenerhebung, dass gerade positive Merkmale menschlichen Lebens dazu beitrugen, das Gefühl der Verbundenheit zu bewahren und in der Pandemie einen Schutzschild zu bilden. Dazu gehören u.a. besonders Dankbarkeit, Entschlossenheit, vorangegangene Beziehungen, Freiwilligenarbeit, Sporttreiben und auch die Beschäftigung mit einem Haustier.

 

Die mit der Pandemie verbundene ökonomische Krise führte in vielen Ländern zu erhöhter Arbeitslosigkeit und beruflicher Unsicherheit. Arbeitslosigkeit während der Pandemie ist mit 12 % Abnahme der Lebenszufriedenheit und einer Zunahme von 9 % negativer Gefühlszustände gemessen worden.

 

Kritische Anmerkungen

 

Alle diese Daten gingen in das bekannte Länderranking von Wohlbefinden ein. Dabei wird die durchschnittliche Lebensbewertung (average life evaluation) der Menschen erfragt und dokumentiert. An der Spitze steht wie in den vergangenen Jahren Finnland. Gefolgt wird das Land von Dänemark und der Schweiz. Deutschland nimmt Platz 13 ein.

 

Die Ergebnisse hätten auch anders aussehen können, wenn ein anderes inhaltliches Herangehen gewählt worden wäre.

 

Bei der Erstellung eines Weltglücksberichts gibt es verschiedene Möglichkeiten der Datenerfassung und danach auch verschiedene Ergebnisse. So kann das Wohlbefinden sowohl als Emotion („Waren Sie gestern glücklich?“) als auch als Evaluation („Sind Sie zufrieden mit ihrem Leben als Ganzes?“) erfasst werden.

 

Bevorzugt wird im vorliegenden Weltglücksreport das zuletzt genannte Herangehen. Dabei wird nach der Bewertung des eigenen Lebens auf einer Skala von 1 bis 10 gefragt. Die befragten Personen können zwischen der schlechtesten (1) und der besten Lebenssituation (10), in der sie sich befinden, wählen.

 

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die Bewertung des eigenen Lebens in der Erinnerung durch die Befragten verlässlich ist und welche persönlichen und kulturellen Maßstäbe sie dabei anlegen.

 

Diese Konzeption hat darüber hinaus eine Begrenzung der interpersonellen Vergleichbarkeit zur Folge. Es kann beispielsweise nicht daraus geschlossen werden, dass jemand, der seine Zufriedenheit im Leben mit einer 8 bewertet, doppelt so glücklich ist wie derjenige, der diesen Wert nur mit einer 4 veranschlagt hat.

 

Der Report schafft nichtdestotrotz den Befragten die Möglichkeit, für sich selbst zu entscheiden, was sie glücklich macht. Gleichzeitig arbeitet er unabhängig von den oben genannten Beschränkungen Faktoren heraus, die zum glücklich sein gehören.

 

Alles in allem rückt er jedes Jahr die Frage nach dem Glück der Menschen und ihrem Wohlbefinden auch auf internationaler Ebene in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Er macht bewusst, dass zu einem erfüllten Leben nicht nur wirtschaftlicher Wohlstand, sondern auch Frieden, Gesundheit und eben Glück gehören.

 

Quelle:

https://worldhappiness.report/ed/2021/

 

G.M.

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