World Happiness Report 2017

Für den diesjährigen Weltglücksbericht werteten die Wissenschaftler Daten und Befragungen aus den Jahren 2014 bis 2016 aus. Schlusslicht des Rankings ist die Zentralafrikanische Republik.

 

Das aktuelle Ranking auf den ersten zehn Plätzen sieht für 2017 so aus: 1. Norwegen, 2. Dänemark, 3. Island, 4. Schweiz, 5. Finnland, 6. Niederlande, 7. Kanada, 8. Neuseeland, 9. Australien und 10. Schweden.

 

Alle Länder in den ersten zehn Rängen sind reiche Industrienationen – aber Geld allein macht nicht glücklich, wie der Bericht zeigt. Demnach haben die Spitzenreiter des Rankings vor allem hohe Zufrieden-heitswerte in Bereichen wie soziale Fürsorge, Gesund-heit, Freiheit, Einkommen und guter Regierungsarbeit.

 

Ein maßgeblicher Faktor für Unzufriedenheit sind Ar-beitslosigkeit und schlechte Arbeitsbedingungen. Auf den Fünftplatzierten Finnland folgen in den Top Ten die Niederlande, Kanada, Neuseeland sowie Australien und Schweden.

 

Die USA rutschten von Platz 13 auf Platz 14 und setzten damit ihren Abwärtstrend fort. Als Ursache für die wachsende Unzufriedenheit in den Vereinigten Staaten nennt der Bericht mangelnde soziale Absicherung und Korruption.

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World Happiness Report und Positive Psychologie

Der Bericht führt zahlreiche empirische Untersuchungen und Befragungsergebnisse auf, die den Zusammenhang von nachhaltiger Entwicklung und subjektivem Wohlbe-finden (happiness) belegen. 

 

Das Dokument analysiert u. a. den Grad des Wohlbefindens in den untersuchten 156 Ländern mit verschiedenen Kriterien, die auf einer Skala von 0 bis 10 durch die Befragten in jedem Land bewertet werden. Dreiviertel der Unterschiede zwischen Ländern und Regionen sind auf sechs Schlüsselvariablen zurückzuführen. An erster Stelle steht das Pro-Kopf-Einkommen. Dann folgen die Lebenserwartung, die soziale Absicherung, Vertrauen in die gesellschaftlichen Institutionen, das Gefühl, in den eigenen Entscheidungen frei zu sein, und letztlich Geberfreudigkeit von Seiten Dritter im Fall eigener Bedürftigkeit.

 

An allen Stellen des Berichts ist das holistische Herangehen spürbar, die Sache menschlichen Wohlbefindens und Glücks nicht auf einige wenige Dimension zu reduzieren und zu vereinfachen.

 

Der Bericht kontrastiert hier deutlich mit der Einschätzung von viel gelesenen Wissenschaftlern der Positiven Psychologie wie Prof. Sonja Lyubomirsky aus Kalifornien, die dieser Komplexität nur bedingt Rechnung trägt. Ihre Untersuchung mit Zwillingen verallgemeinert sie dahingehend, dass 50 % der menschlichen Fähigkeit glücklich zu sein genetisch bedingt, also angeboren ist. 10 % dieses Potentials ist nach Dr. Lyubomirsky von der konkreten Lebenssituation abhängig. Sie ist darüber hinaus der Ansicht, dass die restlichen 40 % von jedem Menschen selbst kontrolliert und beeinflusst werden können.

 

Eine bessere Brücke zwischen der Positiven Psychologie und dem World Happiness Report stellt die Feststellung des leider viel zu früh verstorbenen Professors Christopher Peterson dar, der in seinem Motto zum Ausdruck brachte, dass in seinem Wissenschaftsbereich nur die Menschen zählen. Es fragt sich, wieweit er und seine Kollegen den Kreis der Menschen abstecken, die zählen. Wer gehört außer Familienangehörigen, Kollegen und Bekannten noch zu diesem Kreis? Gehören dazu auch die Millionen Flüchtlinge und Menschen in der Dritten Welt, die heute noch hungern müssen?

 

Ein zweiter Problemkreis, der in den verschiedenen Beiträgen des „Glücksberichts“ diskutiert und es verdient, im Herzen bewegt zu werden, beschäftigt sich mit dem scheinbaren Gegensatz von Hedonismus und Eudämonismus

 

Sozialwissenschaftler und Psychologen stimmen heute weitgehend darin überein, dass Glückserleben/Happiness bzw. subjektives Wohlergehen ein breites und multidimen-sionales Konstrukt ist. Obgleich Happiness auf verschiede-nen Wegen definiert wird, schließen die verschiedenen Definitionen in der Regel zwei grundlegende Komponenten ein. Dabei handelt es sich einmal um den hedonistischen und zum anderen um den eudämonistischen Standpunkt.

 

Eudämonisten bemessen Lebensqualität nach objektiven Kriterien wie beispielsweise Erfolg bei der Erfüllung einer bestimmten Zielstellung. Sie haben einen anderen Fokus in ihrer Fragestellung als Hedonisten, für die es in erster Linie um das subjektive Glücksempfinden geht. Tatsächlicher Erfolg und tief empfundenes Glück sind zwei verschiedene Kategorien, die sehr wohl problemlos neben-einander existieren können. Nichtsdestotrotz schauen bei-de Seiten auf die jeweils andere mit Misstrauen und teil-weise Ablehnung. Eudämonisten werfen den Hedonisten vor, dass sie sich in ihr subjektives Schneckenhaus zu-rückzögen ohne tatsächlich etwas verändern zu wollen. Hedonisten lehnen die eudämonistische Haltung nicht sel-ten mit der Begründung ab, dass ihre Repräsentanten nach Erfolg und Einfluss strebten, ohne dabei ausreichend auf ihre innere Balance und die Gefühle anderer Men-schen zu achten.

 

Ohne das Fachgebiet der Psychologie zu verlassen, bietet es sich für die Positive Psychologie an, die Wechselwir-kungen zwischen der hedonistischen und der eudämoni-stischen Komponente des subjektiven Wohlbefindens  stärker herauszuarbeiten und für den einzelnen Menschen sowie für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Damit wür-de sich die Positive Psychologie im ganzheitlichen Streben der Menschheit nach Glück neue Wirkungsfelder erschlies-sen.

 

G.M.

World Happiness Report 2016.pdf
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