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Die spirituelle Dimension von Gesundheit: Mehr als „nur” Medizin


Der Weg zu mehr Sinn im Leben: 10 neue  Erkenntnisse der Sinnforschung

Der Begriff „Spiritualität” lässt sich nicht trennscharf definieren. Vielmehr hat er verschiedene Bedeutungen inne und wird von Menschen und unterschiedlichen Kulturen verschieden interpretiert. Im Allgemeinen bezieht sich Spiritualität auf die Suche nach Sinn oder Bedeutung, quasi einem tieferen Verständnis des Lebens. Diese Sehnsucht nach dem Transzendenten hat auch verschiedene Formen gemeinschaftlichen Ausdrucks gefunden – so beispielsweise innerhalb der verschiedenen Weltreligionen. Diese Orientierung ist oft auch mit dem Streben nach einer Verbindung zu etwas Größerem oder „Transzendentem” – also etwas jenseits des diesseitig Bestehendem – verbunden.

 

Damit kommt der Spiritualität auch im Kontext der Positiven Psychologie und der Frage danach, was ein lebenswertes Leben ausmacht, eine bedeutende Rolle zu. Dabei tragen folgende Aspekte zum Erleben von Spiritualität bei:


  • Transzendenz: Der Glaube an eine übergeordnete Realität oder Kraft, die über das Materielle hinausgeht.

  • Sinn und Zweck: Die Suche nach einem höheren Sinn oder einem tieferen Zweck im Leben.

  • Selbsttransformation: Der Prozess der persönlichen Entwicklung und Veränderung, um ein höheres Bewusstsein oder spirituelles Wachstum zu erreichen.

  • Mitgefühl und Liebe: Das Streben nach Liebe, Mitgefühl und Harmonie, sowohl mit anderen Menschen als auch mit der Natur oder dem Universum.

  • Rituale und Praktiken: Die Teilnahme an spirituellen Ritualen, Meditation, Gebet oder anderen Praktiken, die als Mittel zur Vertiefung der spirituellen Verbindung dienen.


Noch deutlicher wird die Verbindung zwischen Spiritualität und Positiver Psychologie, wenn wir einen Blick in die Formen gelebter Spiritualität werfen – in denen sich Dankbarkeit-Praktizieren, In-der-Natur-Spazieren, Gute-Beziehungen-Pflegen oder ein Ehrenamt-Ausführen finden. Dabei ist Spiritualität höchst individuell und kann in tradierten Formen wie einem Gottesdienst oder Gebet stattfinden, aber auch in Naturerfahrungen, Meditation, dem Musikerleben oder Begegnungen mit Menschen gelebt werden.


Viele Jahre lang galt Spiritualität als „in”, wurde manchmal ad absurdum geführt oder gar belächelt. Und in der Tat, der Markt populärwissenschaftlicher Literatur und Angebote ist nahezu unerschöpflich und so manche nicht wissenschaftliche Praktik gegebenenfalls auch fragwürdig. Doch in den letzten beiden Jahrzehnten ist auch ein großes wissenschaftliches Fundament rund um die Frage nach Spiritualität und deren Auswirkungen auf menschliche Gesundheit und Wohlbefinden entstanden.


Während frühere Studien keine wirklich belastbaren Ergebnisse lieferten, gibt es heute Daten zum Einfluss von religiösen oder spirituellen Praktiken auf Gesundheit. So lässt sich beispielsweise zeigen, dass die Mortalität von Frauen, die mindestens einmal pro Woche ein religiöses Angebot ihrer Gemeinde wie einen Gottesdienst oder eine Gesprächsrunde wahrnahmen, um 33 Prozent geringer war als die von Studienteilnehmerinnen, die noch nie ein solches Format besucht hatten. Ähnliche Effekte lassen sich zum Zusammenhang von Spiritualität und Depression sowie sogar von Spiritualität und Suizid finden.


Im vergangenen Jahr wurde die dritte Auflage des „Handbook of Religion and Health” in Zusammenarbeit mit dem Human Flourishing Program der Harvard University veröffentlicht, das mehr als 10.000 Studien und Metaanalysen zum Thema sowie deren wissenschaftliche Aussagekraft zusammenfasst.


Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert „Gesundheit” in sechs Dimensionen, in denen neben der körperlichen, psychischen, emotionalen, sozialen und sexuellen Gesundheit auch die spirituelle Gesundheit fällt.


Quellen:

Koenig, H. G., VanderWeele, T. & Peteet, J. R. (2023). Handbook of Religion and Health. Oxford University Press.


Li, S., Stampfer, M. J., Williams, D. R. & VanderWeele, T. J. (2016). Association of religious service attendance with mortality among women. JAMA Internal Medicine, 176(6), 777. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2016.1615

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