Flourishing bei Unwetter - Interview mit Barbara Fredrickson zum Thema "Positive Psychologie und schlechte Nachrichten"

Der Beginn des Jahres 2017 war angefüllt mit schlechten Nachrichten. In den USA wurde ein Präsident gewählt, der der Weltmacht USA einen neuen Nationalismus ver-ordnen will. Der Bürgerkrieg in Syrien fordert täglich neue Opfer. Die militärische Situation in der Ukraine droht im-mer wieder außer Kontrolle zu geraten und die Sicherheit des europäischen Kontinents zu bedrohen. In Europa sollen neue Atom-Raketen stationiert werden. Es droht eine Wiederkehr der Situation der 1980er Jahre als immer mehr Menschen sich vor einem nuklearen Inferno im Herzen Europas fürchteten. Terroristische Anschläge in europäischen Städten vermitteln das Gefühl permanenter Bedrohung. In großen Teilen der Welt wird Hass gesät und Personen wegen ihres Glaubens daran gehindert, zu leben wo sie möchten und sich frei zu bewegen. Bei vielen Menschen liegt es nahe, sich angesichts dieser Nachrichtenlage schlecht und unsicher zu fühlen.

 

Die Autorin Michelle McQuaid wollte in ihrem Interview mit Barbara Fredrickson Anfang des Jahres 2017 wissen, was die Wissenschaft der Positiven Psychologie und ihre Erkenntnisse über Flourishing in dieser Situation an Antworten zu bieten haben. In ihrem Blog vom 2.2.2017 in der Huffington Post berichtet Michelle McQuaid über das Gespräch mit der Präsidentin der Internationalen Assoziation für Positive Psychologie (IPPA) und einer der weltweit einflussreichsten Wissenschaft-lerinnen auf diesem Forschungsgebiet der Psychologie.

 

Barbara Fredrickson unterstrich, dass gerade "in einer Situation, in der die Menschen Angst und Unsicherheit empfinden, die Positive Psychologie gefordert ist". Es geht darum, "Strategien und Praktiken zu erlernen, die den Menschen helfen, sich mehr denn je auf das Wich-tige zu konzentrieren und produktiv zu bleiben. Schon die Freisetzung kleiner Dosen positiver Emotionen wie Dankbarkeit und Liebenswürdigkeit im täglichen Umgang miteinander sind wichtig, um seine eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken" und sich in die Lage zu versetzen, in diesen schwierigen Zeiten zu bestehen.

"Forscher haben festgestellt, dass es zur unangenehmen Realität gehört, dass das Negative sich lauter bemerkbar macht als das Positive. Das Schlechte ist stärker als das Gute, wenn es darum geht, unsere Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen." Dr. Fredrickson unterstrich, dass man in solchen Situationen besonders Obacht auf seine Gefühle geben muss. Es gilt zu entscheiden, ob die je-weiligen Emotionen angemessen sind und wie man sich verhalten muss, um sich nicht von einem Gefühl der Hilf-losigkeit erdrücken zu lassen.

 

Nach Auffassung der US-Wissenschaftlerin "ist es aber nicht die Abwesenheit negativer Emotionen, die entschei-det, ob man aufblüht, sich gut entwickelt; entscheidend ist die Art, wie man mit diesen negativen Emotionen um-geht. Man braucht das Negative nicht zu fürchten. Der Umgang damit kann ein wichtiger Teil des eigenen Ler-nens und Wachsens sein." Es gilt eine bewusste Anstren-gung zu unternehmen, um sich diesen Gefühlen offen, bewusst und neugierig zu stellen. In diesem Fall ist es auch möglich, sich in solchen Situationen gut zu ent-wickeln.

 

Wie gelingt es nun aber, neuen Erfahrungen gegenüber offen und neugierig zu sein und sie nicht zu fürchten? Nach Auffassung von Barbara Fredrickson ist es schon hilfreich, "sich nicht von dem täglichen Nachrichtenfluss überschwemmen zu lassen. Wichtig ist auch, bewusst die Menschen auszuwählen, mit denen man seine negativen Gefühle teilt." Hilfreich ist es nach ihrer Ansicht immer, in die äußere Welt hinauszugehen, um anderen Menschen zu helfen und ihre Dankbarkeit zu erleben.

 

Sicherlich schließt Barbara Fredrickson dabei nicht aus, das Gespräch mit solchen Menschen zu suchen, die das Positive wie das Negative in der Welt sehen, aber daran nicht verzweifeln. Die menschliche Gesellschaft ist über die Jahrtausende ihrer Existenz sehr komplex und damit auch ständig reicher an Widersprüchen geworden. Die ökonomische Entwicklung vollzieht sich in den verschie-denen Nationen mit jeweils anderer Geschwindigkeit. Unterschiedliche Werteordnungen sind entstanden, die nicht immer in Übereinstimmung zu bringen sind. Das sind immense Herausforderungen, die auch Gefahren beinhalten. Wenn man das zur Kenntnis nimmt, kann einem eine Angst, die darum weiß, reicher machen und braucht nicht in Widerspruch zu einer guten Entwicklung zu stehen. Zum Block von Michelle McQuaid geht es hier.

 

G.M.