Positiver Humor macht glücklich - negativer Humor macht unglücklich

In ihrer Doktorarbeit untersucht Kim. R. Edwards die Rolle von Humor als eine Charakterstärke in der Positiven Psychologie. Sie kommt dabei zu einer Reihe von Erkenntnissen, die uns helfen, den Zusammenhang von psychischem Wohlbefinden und Humor besser zu verstehen.

 

In einer grundlegenden Publikation für die weitere Entwicklung der Positiven Psychologie aus dem Jahre 2004 werden von den Professoren M. Seligman und C. Peterson 24 Charakterstärken benannt und unter sechs Tugenden zusammen gefasst, die wichtig für das menschliche Aufblühen sind. Humor wird darin als ein positiver Charakterzug eingestuft.

 

Einige Theoretiker haben im Gegensatz dazu dafür plädiert, Humor als Form der Aggression zu betrachten. Das ist nun das genaue Gegenteil von dem, was man landläufig unter Humor versteht. Hinzu kommen dann noch die üblichen Grautöne zwischen beiden Varianten. Das schafft natürlich Unsicherheiten darüber, wie Humor als Charakterstärke überhaupt in die Positive Psychologie passt und was Humor ist.

 

Die Merkmale von Humor

 

Hinter dem allgemein bekannten Begriff verbirgt sich erst einmal eine unterhaltsame menschliche Tätigkeit, die typischer Weise mit sozialer Interaktion verbunden ist. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um eine Form des Spiels, die es Menschen erlaubt, eine nicht ernsthafte Haltung zu Situationen im täglichen Leben einzunehmen. Humor schließt dabei einen kognitiv-wahrnehmenden Prozess zu einem Ereignis, einer Situation, einer Person, einem Bild oder einer Idee ein, der als unvereinbar, sonderbar, unerwartet oder überraschend interpretiert wird (S. 3).

 

Humor und psychisches Wohlbefinden

 

Da Humor ein komplexes Phänomen ist, das kognitive, emotionale und soziale Aspekte umfasst, wirkt es so oder so nachhaltig auf das menschliche Wohlbefinden.

 

Besonders die Fähigkeit, auf Situationen aus einer betont humoristischen Perspektive zu reagieren, kann Menschen helfen, besser mit Stress umzugehen, indem Perspektiven verschoben, Abstand gewonnen und das Gefühl der Beherrschbarkeit gestärkt wird.

 

Ein weiterer Mechanismus, bei dem Humor psychisches Wohlbefinden befördern kann, wird durch die Auslösung positiver Emotionen, die die Wahrnehmung von Humor im positiven Fall begleiten, wirksam.

 

Ein zusätzlicher Faktor, warum Humor für die Positive Psychologie von Interesse ist,  besteht darin, dass er dazu beiträgt, soziale Beziehungen zu beeinflussen.

 

Humorinterventionen

 

Verschiedene Fähigkeiten, Humor zielgerichtet zur Stressbewältigung und Erhöhung des subjektiven Wohlbefindens einzusetzen, sind erlernbar. Niemand braucht dafür von Hause aus eine Stimmungskanone zu sein. Die empirische Forschung auf dem Gebiet der Positiven Psychologie hat hier eine Reihe von Interventionen entwickelt. Kim R. Edwards verweist in ihrer Dissertation auf eine Intervention von Paul McGhee aus dem Jahre 1996, die in den kommenden Jahrzehnten weiterentwickelt wurde.

 

Die Intervention, die sich Humor-Gewohnheiten-Programm (Humor Habits Program – 7HHP) nennt, zielt darauf ab, humoristische Gewohnheiten und Fähigkeiten zu stärken. Dazu zählen u.a. eine stärker spielerische Haltung zu den Dingen des Lebens einzunehmen, einen eigenen verbalen Humor auszuprägen, öfter über sich selber zu lachen und Humor auch in stressigen Situationen zu finden. (Mehr dazu finden Sie hier)

 

Was ist aber nun ein humorvoller Mensch? Er oder sie wird von Kim R. Edwards als jemand charakterisiert, der lachen kann, andere zum Lächeln bringt, Witze macht  und eher die leichtere Seite im Leben im Blick hat. (S. 5)

 

Ob Humor aber eher positiv, das Wohlbefinden stärkend wirkt, oder einen negativen Effekt hat, hängt entscheidend davon ab, mit welcher Art von Humor wir es zu tun haben.

 

Vier Arten von Humor

 

Kim R. Edwards unterscheidet vier Arten von Humor.

 

Da ist an erster Stelle der gesellige Humor. Er zielt darauf, witzige Kommentare zu teilen, humoristische Anekdoten auszutauschen und Witze zu machen, die die zwischenmenschlichen Beziehungen stärken.

 

An zweiter Stelle benennt sie den selbstverstärkenden Humor. Er zeichnet Menschen aus, die Humor bewusst einsetzen, um Stress besser unter Kontrolle bringen zu können und sich auch trotz der Widrigkeiten im Alltag einen heiteren Blick auf das Leben bewahren wollen.

 

Als eine dritte Form benennt dsie einen aggressiven Humor. Hier geht es darum, witzigen Sarkasmus zu verbreiten, andere als Individuum, als Gruppe oder Bewegung herabzusetzen, über sie Witzen zu reißen  und sich über sie lustig zu machen.

 

Eine weitere und wenig beachtete Form ist der sogenannte selbstzerstörerische Humor. Menschen, die ihn praktizieren, fordern andere exzessiv heraus, sich auf ihre Kosten zu amüsieren und lustig zu machen. (S. 7)

 

Schlussbetrachtung

 

Diese Differenzierung in verschiedene Formen macht sichtbar, dass Humor nicht gleich Humor ist. Es gilt also nur sehr bedingt: Humor ist wenn man trotzdem lacht. Bei dieser Redensart wird nicht klar, ob hier die Rede von geselligem oder von aggressivem Humor ist, ob hier ein Missgeschick weggelacht wird oder die zu Schaden gekommenden Menschen verspottet werden. Das macht schon einen Unterschied!

 

Die beiden ersten Formen des Humors können zweifellos das subjektive Wohlbefinden, sowohl der Menschen, die Humor ausstrahlen, als auch diejenigen, die dazu eingeladen werden mitzufühlen, spürbar stärken. Die beiden negativen Formen des Humors sind dabei eher geeignet, dem subjektiven Wohlbefinden der Betroffenen zu schaden. Ob Protagonisten eines aggressiven Humors Genugtuung dabei empfinden, wenn sie jemanden erniedrigt haben, ist wohl eher eine Frage an einen Psychiater.

 

Die Unterscheidung von verschiedenen Arten von Humor und ihre Benennung sind ja schon an sich interessant und für das tägliche Leben hilfreich. Für die Forschung auf dem Gebiet der Positiven Psychologie, die Humor doch als eine weitgehend einheitliche Stärke bzw. einen Charakterzug betrachtet hat, eröffnen sich hier zweifellos neue Untersuchungsfelder.

 

 

Edwards, Kimberly R., "The Role of Humor as a Character Strength in Positive Psychology" (2013). Electronic Thesis and Dissertation. Repository. 1681

 

Peterson, C., & Seligman, M. E. P. (2004). Character strengths and virtues: A handbook and classification. Oxford: Oxford University Press

 

McGhee, Paul (1996). Health, healing and the amuse system: Humor as survival training.Iowa: Kendall/Hunt Publishing Company.

 

G.M.

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