Weltgesellschaft und Positive Psychologie

In seinem Beitrag auf dem 5. Weltkongress der IPPA  in Montreal vor einigen Monaten warf  einer der Begründer  der PP, Prof. Mihaly Csikszentmihalyi, die anspruchsvolle und in die Zukunft der Positiven Psychologie weisende Frage auf, welchen Beitrag dieser Wissenschaftszweig der Psychologie zur Entwicklung einer Weltgesellschaft leisten kann und muss.

 

Mihaly Csikszentmihalyi untersucht in seinem Vortrag, wie die PP in die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins einzufügen ist. Er betrachtet dabei die menschliche Entwicklung von den Anfängen vor zwei Millionen Jahren bis in die Gegenwart. Professor Csikszentmihalyi zeigt den Weg auf, auf dem die Menschen begannen, darüber nachzudenken, was Leben bedeutet und verdeutlicht, welches Gewicht die Entwicklung von Sprache und Schrift für das menschliche Bewußtsein hatten. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet er der Entstehung der Religionen und ihrer Rolle für das menschliche Selbstverständnis.

 

Im Weiteren geht Prof. Csikszentmihalyi darauf ein, dass das große Geschenk der Vernunft die Menscheit nicht davor bewahrt hat, im vergangenen Jahrhundert zwei Weltkriege zu führen und Millionen Menschen zu töten. Er führt aus, dass auch die Psychologie von diesem Unheil nicht unberührt geblieben ist und dass beispielsweise die Psychoanalyse dazu beitrug, den Mythos menschlicher Überlegenheit zu entlarven.

 

Mihaly Csikszentmihalyi zitiert seinen ungarischen Freund George Lukacs, der den westlichen Demokratien u.a. in England und Nordamerika vorwarf, in eine Hybris verfallen zu sein, alles zu können und alles im Griff zu haben.

 

Professor Csikszentmihalyi schlägt vor, in der Zeit zurück zu schauen und herauszuarbeiten, was es bisher an Einsichten gibt, um der menschlichen Hybris zu begegnen. Er empfielt, sich wieder stärker die Werte bewusst zu machen, die das Christum und andere Religionen entwickelt haben. Für das Christentum sind besonders die Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe zu nennen.

 

Interessant erscheint ihm die Lehre des Zarathustra, die sich vor unserer Zeitrechnung in der Region des heutigen Iran entwickelt hat. Sie führt aus, dass es einerseits die Möglichkeit für Ordnung in der Welt gibt, dass aber auch die Möglichkeit besteht, dass die Welt in Unordnung abgleitet. Ob sich die Welt in die eine oder andere Richtung bewegt, hängt von der Summe individueller Handlungen ab. Es liegt bei uns als Individuen, Vorkehrungen zu treffen, damit die Menschen ein gutes Leben führen können.

 

Mit der Idee des achtfachen Pfades des Buddhismus liegt nach Auffassung von Professor Csikszentmihalyi auch ein Konzept vor, welchen Weg Menschen gehen müssen, um in Übereinstimmung mit der Umwelt und der Zukunft zu sein.

 

Diese verschiedenen Religionen geben nach Ansicht von Mihaly Csikszentmihalyi Anregungen, den Weg zu finden, wie wir leben sollen. Dabei sollte die PP vorangegangene Überlegungen stärker in ihre Konzepte einbeziehen, um zu sehen, was wir bisher nicht beachtet haben. Dabei geht es gleichzeitig darum zu fragen, was in den Religionen der Vergangenheit fehlt und was wir sehen, um menschliches Leben zu verbessern und die Zukunft der Menschheit zu gestalten.

 

Als seine zentrale Schlussfolgerung sieht  Professor Csikszentmihalyi die Grundüberzeugung,  dass die Zukunft in unserer Hand liegt. Der Einzelne ist in seiner Wirkung zwar begrenzt, aber er kann durch Reden und konkretes Beispiel auf andere ausstrahlen. Es gibt genügend Hinweise in der Vergangenheit, dass der Verlauf der Geschichte nicht nur durch ökonomische Kräfte, sondern auch durch individuelle Denker und Aktivisten, die neue Wege aufzeigten und gegangen sind, beeinflusst wurde.

 

Für Professor Csikszentmihalyi ist es darüber hinaus von großer Wichtigkeit zu erkennen, dass wir eine Antwort auf die Frage geben müssen, wie wir in der Zukunft gut leben wollen. Die Positive Psychologie muss wissenschaftlich bestimmen und testen, was ein gutes Leben für den Einzelnen, für Organisationen und für die Gesellschaft als Ganzes ausmacht. Es geht um eine Vision für unseren Planeten, d.h. eine Antwort auf die Frage, wohin sich die Menschheit bewegen soll und wie sie das vorgegebene Ziel erreichen kann.  Die PP kann damit denjenigen, die Entscheidungen hinsichtlich der Zukunft treffen - ob das Politiker, Geschäftsleute oder andere sind – dabei zur Seite stehen, die bessere Zukunft der Menschen im Blick zu haben und bei ihren Beschlüssen zu berücksichtigen.

 

Prof. Csikszentmihalyi fordert dazu auf, Antworten darauf zu finden, wie die PP dazu beitragen kann, um bedeutende politische Fragen zu lösen. Wichtige Vorarbeiten auf dem Feld einer "Politik des Glücks" wurden u.a. von Professor Derek Bok von der Harvard University geleistet.

 

G.M.

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