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Neue Sichten auf das Streben nach Glück und Wohlbefinden


Optimismus und Hoffnung wenn man negative Gefühle hat

Das Streben nach einem guten Leben und Glück gehört zu dem zentralen Anliegen der Menschen auf unserem Erdball. Dabei stellt sich immer wieder die Frage neu, was alles zu einem guten Leben gehört und was Glück überhaupt bedeutet. Über mehr als zwei Jahrtausende war dies ein zentrales Anliegen der Philosophie. Heute beschäftigt sich mit dieser Frage seit mehreren Jahrzehnten an primärer Stelle auch die Positive Psychologie. Die empirischen Untersuchungen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen dieses Forschungsfeldes haben nicht nur präzisiert, was Glück und Wohlbefinden ist. Sie haben auch neue Einsichten darüber gewonnen, was zum Streben nach einem guten Leben und Glück gehört.

 

Die Forscher und Forscherinnen der Positiven Psychologie haben sich dem Thema Wohlbefinden und Glück in der Vergangenheit von zwei scheinbar schwer zu vereinbarenden Konzepten genähert und diese untersucht. Auf der einen Seiten ist da das subjektive Wohlbefinden (in Anlehnung an den Hedonismus). Dem steht das psychologische Wohlbefinden (Eudaimonismus) gegenüber. Die hedonistische Konzeptualisierung von Wohlbefinden konzentriert sich dabei auf das Studium positiver Emotionen und der Lebenszufriedenheit. Der eudaimonische Ansatz betont den Sinn des Lebens, Selbstverwirklichung und individuelles Wachstum auf der persönlichen Ebene und das gleichzeitige Engagement für soziale Ziele und Werte im gesellschaftlichen Umfeld.

Trotz des offensichtlichen Zusammenhangs beider Konzepte ist die verbreitete Praxis, entweder das hedonistische oder eudaimonische Herangehen an das Wohlbefinden und Glück zur Grundlage zu nehmen. Neueste Forschungen haben das Ziel, beide Herangehensweisen verstärkt gleichzeitig in den Blick zu nehmen.

Dazu gehört als Voraussetzung zu konstatieren, dass Glück und Wohlbefinden nicht identisch sind. „Glück“ ist dabei ein Konstrukt, das durch qualitative und quantitative Bewertungen empirisch erfasst werden kann. „Wohlbefinden“ ist weiter gefasst und kann je nach Perspektive unterschiedliche Bedeutungen haben und dabei Glück einschließen. Ein so in den Blick genommenes Glück erfasst dabei nicht nur hedonistische Komponenten, sondern auch eudaimonische Aspekte wie Lebenssinn, Wachstum und Erfüllung.

In empirischen Untersuchungen mit Teilnehmern aus hauptsächlich westlichen Ländern, die gleichzeitig eudaimonisches und hedonistisches Glücksempfinden zu erfassen suchen, gibt es überraschende Ergebnisse. Interessant ist dabei besonders, dass im Mittelpunkt der Antworten auf Fragen zum eudaimonischen Glück die Frage nach Harmonie und Balance stand. Hier wurden Zustände wie „innerer Friede“, „positive Beziehungen mit dem eigenen Ich“, „Zufriedenheit“ und „Abgeklärtheit“ als zentral für das eigene Glücksempfinden hervorgehoben. So eine Gewichtung hätte man eher bei Teilnehmern aus dem asiatischen Kulturkreis erwartet.

Die Untersuchungen werfen darüber hinaus Licht auf einen Trend, der in allen untersuchten westlichen Ländern zu erkennen ist. Wohlbefinden und Glück werden in erster Linie in der häuslichen Umgebung und in einem Kreis von Freunden angestrebt und gefunden. Die Allgemeinheit und soziale Probleme werden als Ziele, um die eigenen Ressourcen einzusetzen, deutlich geringer geschätzt. Dieses Ergebnis widerspricht scheinbar der Definition von Aristoteles von Eudämonismus, in der der Einzelne die tiefste Erfüllung der eigenen Natur in Harmonie mit dem kollektiven Wohlergehen findet.

Es kann aber auch sein, dass die postindustrielle Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt hat, dass in den Blick vieler Menschen Einzel – und Gruppeninteressen in den Vordergrund gerückt sind und das gesellschaftliche Ganze immer mehr einer Identitätspolitik untergeordnet wird, die die jeweilige Gruppe den Vorrang vor allgemein menschlichen Fragestellungen einräumt.

Das muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein und vielleicht hat Aristoteles doch recht. Wenn die Menschheit die anstehenden Probleme von Klimaveränderung, Umweltzerstörung, Artensterben u.a. in den Griff bekommen will, werden immer mehr Menschen gebraucht, die ihr Glück und Wohlbefinden in erster Linie darin finden, den genannten zerstörerischen Prozessen zu begegnen, sie aufzuhalten und wo möglich rückgängig zu machen. Das kann in bestimmten Fällen bedeuten, den jeweiligen Gruppeninteressen einen nachgeordneten Platz zuzuordnen und dem kollektiven Wohlergehen der Menschheit den Vorrang zu geben.


Quelle:

https://www.researchgate.net/publication/225640627_The_Eudaimonic_and_Hedonic_Components_of_Happiness_Qualitative_and_Quantitative_Findings






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