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Strategien der Suche nach Glück hinterfragt

Aktualisiert: 20. Dez. 2023


Der Weg zu mehr Sinn im Leben: 10 neue  Erkenntnisse der Sinnforschung

In ihrem Vortrag in Vancouver auf dem 8. Weltkongress der International Positive Psychology Association (IPPA) in diesem Sommer stellte Dr. Dunn ihre wissenschaftliche Arbeit bezüglich der Frage vor, welche Beweise es für die Wirksamkeit der bekanntesten Glücksstrategien gibt.

 

Die Untersuchung ermittelte die fünf am häufigsten in den Medien empfohlenen Strategien für die Stärkung von Glück und Wohlbefinden. An erster Stelle steht dabei die Strategie, seine Dankbarkeit auszudrücken. Ein zweites Feld zielt darauf, seine sozialen Beziehungen zu erweitern und auszubauen. Bei der dritten Strategie, die betrachtet wird, geht es um Achtsamkeit und Meditation. Ein viertes Feld bezieht sich auf Sport und physische Aktivitäten. Bei der fünften betrachteten Strategie steht die Nähe zur Natur und das Verweilen in einem natürlichen Umfeld im Mittelpunkt.


In einer systematischen Zusammenführung der Ergebnisse von Interventionsstudien wählte Dunn einen neuen statistischen Weg. Sie wollte dem sogenannten publication bias entgegenwirken, also der Tendenz, dass Studien, die signifikante Effekte zeigen, mit höherer Wahrscheinlichkeit veröffentlicht werden und Studien, die keine Effekte zeigen, häufiger unpubliziert bleiben. Deswegen wurden nur Studien berücksichtigt, die vorher als solche registriert wurden und über eine genügend solide statistische Aussagekraft verfügten. Da diese wissenschaftliche Praxis noch neu ist im Feld der Psychologie, schloss Dunn hierbei nur sehr aktuelle Studien ein und die Mehrheit der früheren Forschungsergebnisse aus. Die Ergebnisse dieser Analysen waren umso interessanter.


Dankbarkeit

Eine Reihe von Studien haben den Nachweis erbracht, dass tägliche Dankbarkeitspraktiken positive Affekte erzeugen. Es zeigte sich aber, dass diese Gefühle schnell nachlassen, wenn die entsprechenden Praktiken beendet werden.

Insgesamt führten die Untersuchungen zur Dankbarkeit (das Verfassen von Dankesbriefen, die Zusammenstellung von Dankbarkeitslisten u.a.) zu dem Ergebnis, dass diese kurzfristig die Stimmung und die Gemütslage verbessern, nachhaltige Effekte auf das Wohlbefinden aber nur dann erzielt wurden, wenn die Praxis aufrechterhalten wurde.


Erweiterung der sozialen Beziehungen

Die Menschen haben das fundamentale Bedürfnis nach erfüllten sozialen Beziehungen. Nach der Selbstbestimmungstheorie ist die Befriedigung dieses Bedürfnisses ein wesentlicher Bestandteil unseres Wohlbefindens.

Es gibt eine solide Beweislage, dass Gespräche mit Fremden unsere Stimmung verbessern. Zwei Studien legen nahe, dass mehr extravertierte Handlungen unser Wohlbefinden stärken. Um das zu bestätigen, sind aber weitere Studien erforderlich.


Achtsamkeit und Meditation

Achtsamkeit und Meditation gelten als klare Faktoren zur Förderung von Wohlbefinden. In Dunns Analysen erbrachte eine vorab registrierte Studie dazu keine soliden Hinweise. Von den nicht vorab registrierten Untersuchungen lieferten sechs von acht Hinweise darauf, dass Achtsamkeit und Meditation das subjektive Wohlbefinden erhöhen. Das betraf besonders den Bereich der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion.

Insgesamt hat die von ihr analysierte Literatur nur begrenzte Anhaltspunkte dafür geliefert, dass Achtsamkeit und Meditation unser Wohlbefinden steigern.


Bewegung und physische Aktivitäten

In den Studienergebnissen zur körperlichen Aktivität fanden Dr. Dunn und ihre Mitarbeiter sowie Mitarbeiterinnen zahlreiche Empfehlungen, um das Wohlbefinden durch ein breites Spektrum von physischen Aktivitäten wie Walking, Laufen und Yoga zu erhöhen. Keine dieser Studien war vorab registriert. Nur eine verfügte über die entsprechende statistische Aussagekraft. Sie wies nach, dass ein längeres physisches Übungsprogramm das Wohlbefinden stärken kann.

Dazu im Gegensatz erbrachten fünf weitere Studien keinen Hinweis dafür, dass sich Programme physischer Aktivitäten nachhaltig auf das subjektive Wohlbefinden auswirken.


Verweilen in der Natur

Bei der Fragestellung, wie das Wohlbefinden zu stärken ist, gab es zahlreiche Empfehlungen, in der Natur zu verweilen. Das Spektrum reichte von Wanderungen in einer natürlichen Umgebung über die Ausstattung der Wohnung mit Blumen bis hin zu der allgemeinen Empfehlung, einfach mehr Zeit außerhalb der Behausung zu verbringen.

Auch hier konnten keine Studien gefunden werden, die die entsprechende statistische Aussagekraft hatten und vorab registriert worden waren.


Zusammenfassung

Insgesamt stellte sich heraus, dass einige der am weitesten verbreiteten Strategien, um unser Wohlbefinden zu stärken, nach den neuesten wissenschaftlichen Standards noch nicht über eine ausreichende wissenschaftliche und statistische Fundierung verfügen. Das muss natürlich nicht bedeuten, dass sie nicht trotzdem zu unserem subjektiven Wohlbefinden beitragen.

Es hat sich gezeigt, dass weitere Studien benötigt werden, um hier mehr Klarheit zu erlangen. Bis dahin sollten wir diese Strategien nicht verwerfen, aber vorsichtig sein in Bezug auf die Äußerungen zur wissenschaftlichen Evidenz. Die hier analysierten fünf Strategien – in Teilen oder der Gesamtheit zu verfolgen – bleibt ein vielversprechender Weg zum Lebensglück beizutragen. Sie stärken unsere allgemeine Gemütslage und sind in der Regel gut für unsere physische Gesundheit.

Wenn zukünftige wissenschaftliche Studien den Nachweis erbringen, dass unser subjektives Wohlbefinden mit den genannten Strategien nachhaltig gestärkt wird, kann sich die Kommunikation um das gezielte Streben nach Glück wieder verändern. Bis dahin sollten wir demütig mit diesem Wissen umgehen.

Letztlich ist das Streben nach Wohlbefinden ein subjektives Unterfangen. Unabhängig von wissenschaftlichen Studien ist jeder und jede aufgefordert, eigene Antworten darauf zu finden, wie Glück im eigenen Leben und im Leben anderer unterstützt werden kann. Quelle:

https://doi.org/10.1038/s41562-023-01651-4

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