top of page

Stronger Than You Think: Four Pillars for a Stronger, More Resilient You

  • vor 2 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Environmental Psychology, Steg, de Groot, make hope happen

Was, wenn Resilienz keine Eigenschaft ist, die man entweder hat oder nicht – sondern ein Portfolio, das sich aktiv zusammenstellen und erweitern lässt? Genau diese Neuausrichtung schlägt die Traumaforscherin Sherry Hamby in ihrem im Mai 2026 erschienenen Buch Stronger Than You Think vor und liefert damit eine ergänzende Perspektive auf ein Thema, welches wissenschaftlich lange einseitig als Zusammenspiel aus fest bestehenden Determinanten kommuniziert wurde.


Hambys zentrales Konzept ist das sogenannte „Resilience Portfolio Model": Statt Resilienz als einzelne, angeborene Charaktereigenschaft zu verstehen, beschreibt sie sie als Zusammenspiel unterschiedlicher Ressourcenarten, die je nach Lebenssituation flexibel abgerufen werden. Dazu zählen innere Ressourcen wie Sinnfindung und emotionale Regulationsfähigkeit ebenso wie äußere Ressourcen – allen voran tragfähige soziale Netzwerke und ein unterstützendes physisches Umfeld. Diese explizite Gleichsetzung von sozialer Einbindung mit anderen, klassischeren Resilienzfaktoren wie Selbstregulation ist bemerkenswert und deckt sich unmittelbar mit dem zentralen Befund unseres Blogartikels: Soziale Verbindung ist demnach keine "weiche" Begleiterscheinung von Resilienz, sondern eine ihrer tragenden Säulen. Und: Die Qualität, in der ich Zeit mit anderen Personen verbringe, macht einen zentralen Unterschied. Denn "social leisure" zeigte sich als besonders wirksam in der Art und Weise, wie resilient Menschen nach einschneidenden Lebensereignissen reagieren konnten.


Besonders praxisrelevant ist Hambys Betonung, dass unterschiedliche Portfolio-Anteile situativ unterschiedlich gebraucht werden. Anhand konkreter Fallbeispiele zeigt sie etwa, wie Menschen nach einem Verlust vor allem auf ihre Beziehungen zurückgreifen, während sie bei lang andauernder Belastung oder Unsicherheit eher auf Sinnfindung und Wertorientierung angewiesen sind. In einem weiteren Beispiel beschreibt sie, wie gezielte Veränderungen der sozialen und physischen Umgebung, etwa der bewusste Aufenthalt in der Natur oder der Aufbau tragfähiger Beziehungen, nachweislich Heilungsprozesse beschleunigen können. Für die eigene Fallarbeit bedeutet das einen konkreten diagnostischen Impuls: nicht nur zu fragen, ob eine Person resilient ist, sondern welcher Teil ihres Ressourcenportfolios in der aktuellen Situation gerade zugänglich ist – und welcher gezielt gestärkt werden könnte. Somit schließt sich die Brücke zu etwas, das die Resilienzforschung lange vernachlässigt hat: dass Widerstandskraft in hohem Maße individuell ist.


Anders als viele Resilienzratgeber verzichtet Hamby auf ein romantisierendes „Was-dich-nicht-umbringt"-Narrativ. Ihre über 30-jährige Forschung zu (häuslicher) Gewalt, Trauma und Genesung fließt in konkrete, evidenzbasierte Werkzeuge und in zahlreiche Klient:innengeschichten ein, die sie durch ihre eigene Resilienzgeschichte ergänzt. Das macht das Buch weniger zu einem inspirierenden Sachbuch als zu einem anwendungsnahen Werkzeugkasten, und somit gut geeignet, um einzelne Kapitel gezielt für die Arbeit mit bestimmten Klient:innengruppen heranzuziehen.


"Stronger than you think" liegt aktuell auf Englisch vor.

Sherry Hamby ist Distinguished Research Professor für Psychologie an der University of the South sowie Direktorin des Life Paths Research Center. Sie ist Gründerin und Co-Vorsitzende der ResilienceCon, einer internationalen Fachkonferenz zu stärkenorientierten Ansätzen im Umgang mit Trauma, und hat über 200 wissenschaftliche Artikel sowie mehrere Bücher zu Gewalt- und Traumaforschung veröffentlicht.

   


Titel: Stronger Than You Think: Building Lifelong Resilience

Autor: Sherry Hamby, PhD

ISBN: 978-0593512777



bottom of page