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Verbunden bleibt stark: Wie soziale Freizeit unsere Resilienz trägt

  • vor 2 Stunden
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„No man is an island."(John Donne, 1624)

 

Zu welchem Zeitpunkt in Ihrem Leben haben Sie durch einen anderen Menschen eine neue Perspektive auf eine schwierige Situation gewonnen? War es ein Gespräch beim Spazierengehen, ein gemeinsamer Abend, eine zufällige Begegnung?


Die Antwort ist selten Zufall, denn aktuelle Forschung zeigt: Es ist nicht allein die Aktivität, die uns stärkt, sondern ihre soziale Qualität. "Social leisure" zeigt sich dabei als stärkster Wirkfaktor, wenn es darum geht, nach belastenden Erfahrungen wieder auf die Beine zu kommen. Die Resilienzforschung hat lange vor allem auf individuelle Eigenschaften fokussiert: Optimismus, Selbstwirksamkeit, emotionale Regulation. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden rückt nun einen Faktor in den Vordergrund, der in der Praxis oft unterschätzt wird, nämlich gemeinsam verbrachte Freizeit.


Janković, Sijtsema und Bogaerts (2026) untersuchten in einer Netzwerkanalyse mit 613 Erwachsenen, wie soziale und freizeitbezogene Aktivitäten mit Resilienz und psychischer Gesundheit zusammenhängen – getrennt für Kindheit und Erwachsenenalter sowie getrennt für Personen mit und ohne belastende Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences, ACEs).


Das zentrale Ergebnis: Von allen untersuchten Aktivitäten wie Sport, Kulturveranstaltungen, oder Vereinen war der Besuch von Familie und Freund:innen in beiden Lebensphasen der stabilste, am stärksten vernetzte Knoten im Zusammenhang mit sozial-ökologischer Resilienz. Sport, dem oft eine besondere Schutzwirkung zugeschrieben wird, erwies sich entgegen der Erwartung der Forschenden nicht als zentralste Aktivität. Es war die geteilte, beziehungsgetragene Zeit, die den Unterschied machte.

Besonders bemerkenswert: Bei Menschen mit belastenden Kindheitserfahrungen waren die Zusammenhänge zwischen sozialer Freizeit und Resilienz im Erwachsenenalter sogar noch stärker ausgeprägt als bei Menschen ohne solche Erfahrungen. Die Autor*innen deuten dies als Hinweis auf eine kompensatorische Funktion – wo soziale Aktivitäten stattfinden, wirken sie überproportional stärkend.


Diese Befunde lassen sich gut mit der Broaden-and-Build-Theorie positiver Emotionen erklären (Fredrickson, 2001, 2004): Positive Emotionen, die in geteilten, angenehmen Situationen entstehen, erweitern kurzfristig unser Denk- und Handlungsrepertoire und bauen langfristig psychologische, soziale und körperliche Ressourcen auf. Ressourcen also, auf die wir in Krisen zurückgreifen können. Auch ältere Forschung zu Freizeit als Coping-Ressource stützt dieses Bild: Hutchinson, Loy, Kleiber und Dattilo (2003) zeigten in einer qualitativen Studie mit Menschen nach traumatischer Verletzung oder chronischer Erkrankung, dass gemeinsame Aktivitäten belastende Lebensumstände abpuffern konnten, indem sie ein Gefühl von Zugehörigkeit und Normalität vermittelten.


Für die Praxis heißt das: Resilienzförderung, die ausschließlich auf innerpsychische Strategien setzt, greift möglicherweise zu kurz. Die Frage „Mit wem und wobei fühlen Sie sich verbunden?" könnte diagnostisch und therapeutisch ebenso wichtig sein wie Fragen nach individuellen Bewältigungsstrategien. Das Konzept der sozial-ökologischen Resilienz (Ungar, 2012) erinnert daran, dass Resilienz nie nur eine Eigenschaft der Person ist, sondern immer auch eine Eigenschaft ihres Umfelds. Und dass dieses Umfeld aktiv mitgestaltet werden kann, auch nach belastenden Erfahrungen.


Von hier aus betrachtet: Was würde sich in Ihrer eigenen Praxis verändern, wenn Sie „Verbindung durch gemeinsame Aktivität" nicht als angenehmen Nebeneffekt, sondern als eigenständige Interventionsebene mitdenken würden?


Quellen


Fredrickson, B. L. (2001). The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions. American Psychologist, 56(3), 218–226. https://doi.org/10.1037/0003-066X.56.3.218


Fredrickson, B. L. (2004). The broaden-and-build theory of positive emotions. Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Series B, Biological Sciences, 359(1449), 1367–1377. https://doi.org/10.1098/rstb.2004.1512


Hutchinson, S. L., Loy, D. P., Kleiber, D. A., & Dattilo, J. (2003). Leisure as a coping resource: Variations in coping with traumatic injury and illness. Leisure Sciences, 25(2–3), 143–161. https://doi.org/10.1080/01490400306566


Janković, M., Sijtsema, J., & Bogaerts, S. (2026). A network analysis of social and leisure activities, resilience, and mental health: Differences by adverse childhood experiences. Journal of Happiness Studies, 27(2), Article 36. https://doi.org/10.1007/s10902-025-01001-3


Ungar, M. (2012). Social ecologies and their contribution to resilience. In M. Ungar (Ed.), The social ecology of resilience (pp. 13–31). Springer. https://doi.org/10.1007/978-1-4614-0586-3_2


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