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Toleranz, Akzeptanz und Verständnis


Optimismus und Hoffnung wenn man negative Gefühle hat

Die Fragen nach einem rasanten Anstieg der Energiekosten, der Klimaveränderung und der russischen Aggression gegen die Ukraine zwingen dazu, eine Position dazu zu beziehen. Das ist unabhängig davon, ob jemand die eigene Meinung öffentlich zum Ausdruck bringt oder nur das private Verhalten danach ausrichtet. Dazu gehört beispielsweise so oder so, sich eine Meinung über diejenigen zu bilden, die bestimmte Auffassungen vertreten. Es stellt sich u. a. die Frage, ob man bestimmte Meinungen und ihre Protagonisten kategorisch ablehnt oder aber sie toleriert, akzeptiert und versteht und damit einen konstruktiven Dialog ermöglicht.

 

Toleranz vs. Akzeptanz: Das Spannungsfeld eines konstruktiven Umgangs


Toleranz ist ein Begriff, der untrennbar mit der Aufklärung verbunden ist, die in Europa zwischen 1650 und 1800 tiefe Spuren hinterließ. Toleranz steht dabei nicht zuletzt für Meinungsfreiheit, Gleichheit und Respekt für andere.

Neben der gesellschaftspolitischen Dimension hat Toleranz auch eine soziale und psychologische Seite. Sie steht für eine offene Haltung gegenüber denen, deren Meinungen und Praktiken von den eigenen abweichen. Toleranz wird dabei oftmals als Synonym für Akzeptanz gebraucht. Bei näherer Betrachtung wird aber deutlich, dass beide Begriffe etwas sehr Verschiedenes bedeuten. Etwas tolerieren meint dem ursprünglichen Wortsinne nach, etwas zu „erdulden“ und zu „ertragen“. Etwas zu akzeptieren bringt dagegen zum Ausdruck, dass wir eine Sache nicht einfach hinnehmen, sondern sie auch gutheißen. Wenn ich etwas „erdulde“ dann steht nicht der positive Aspekt im Vordergrund. Anders ist das bei der Akzeptanz. Hier mache ich eine Sache zu meiner eigenen und bringe dafür entsprechend Empathie auf.


Empathie als Schlüssel zur Akzeptanz


Das Einfühlungsvermögen macht einen wichtigen Unterschied zwischen Toleranz oder aber der Akzeptanz einer Sache, einer Situation oder einer Personen.

Davon ausgehend ist es beispielsweise etwas ganz Anderes, ob ich das Umfunktionieren der Sporthalle meines Wohngebietes als Unterkunft für Geflüchtete toleriere oder sie akzeptiere. Im ersten Fall nehme ich etwas zur Kenntnis und im zweiten Fall heiße ich es gut. Empathie kann als zentraler Schlüssel gesehen werden, um Toleranz in Akzeptanz zu verwandeln. Sie ermöglicht es, eine Situation, die für mich möglicherweise mit persönlichen Einbußen verbunden, aber gesellschaftlich notwendig ist, zu akzeptieren. Nehme ich empathisch die Perspektive der Geflüchteten ein – ohne Dach über dem Kopf in einem fremden Land auf der Flucht vor Krieg in der Heimat – dann ist der Umstand, auf den eigenen Sport verzichten zu müssen, um ihnen Schutz zu schenken, eine Kleinigkeit. Es ist dann deutlich leichter aus vollem Herzen „Ja“ zu sagen und aus Duldung ein Willkommen erwachsen zu lassen. Dabei muss ich nicht unbedingt verstehen, was die entsprechende Verwaltung bewogen hat, die genau die Sporthalle meines Wohnorts dafür zu nutzen.


Warum mehr Toleranz nicht das Ziel sein sollte


Diese Unterscheidung im Hinterkopf, ist es nicht ganz schlüssig, wenn bestimmte Organisationen zu mehr Toleranz für bestimmte Personengruppen, beispielsweise von Flüchtlingen aus Krisengebieten, aufrufen. Das, was gebraucht wird, ist die Akzeptanz dieser Menschen und Verstehen für ihre Situation, die dazu geführt hat, dass sie aus ihrer Heimat fliehen mussten.

Wenn wir über Toleranz und Akzeptanz nachdenken, stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Verstehen, bzw. Verständnis einer Person, einer Gruppe oder einer Situation. Hierbei handelt es sich um einen psychologischen Prozess, der uns hilft, über die Dinge, die wir tolerieren oder akzeptieren, nachzudenken und nachzuvollziehen.

Toleranz und Akzeptanz sind dabei wichtige Vorbedingungen aber kein Ersatz für Verständnis. Sie helfen uns in einer immer komplexeren Welt mit anderen auszukommen. Aber erst wenn wir den oder die anderen verstehen, sind wir in der Lage, mit andren einvernehmlich zusammen zu leben und ein gelingendes Leben zu führen.


Quellen:

https://www.psychologytoday.com/us/blog/looking-in-the-cultural-mirror/201402/tolerance-acceptance-understanding

https://theconversation.com/tolerance-is-more-than-putting-up-with-things-its-a-moral-virtue-31507






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