Wenn positive Aktivitäten nicht das gewünschte Resultat erzielen

Frau Professor Sonja Lyubomirsky ist eine der führenden Glücks-Forscherinnen auf der Welt. Zusammen mit ihrem Team von der Riverside University in Kalifornien hat sie zahlreiche empirische Untersuchungen darüber unternom-men, wie und mit welchen Methoden Personen ihr subjek-tives Glücksempfinden steigern können. Im Verlaufe ihrer Forschungen und der ihrer Mitarbeiter wurde aber auch deutlich, dass unter bestimmten Bedingungen positive Ak-tivitäten nicht zu einem gesteigerten Glücksgefühl führen, sondern eher das Gegenteil bewirken, die Menschen un-glücklich zurück lassen können. In Ihrem Vortrag auf dem 5. Kongress der Positiven Psychologie in Montreal geht Dr. Lyubomirsky auf die Frage ein, unter welchen Bedingun-gen unternommene positive Aktivitäten nicht das positive Wohlbefinden steigern, sondern eher das Gegenteil bewir-ken und unglücklich machen.

 

An erster Stelle sieht sie - wie zu erwarten ist - die Gefahr, dass jemand zuviel will, zu viele positive Aktivitäten unter-nimmt, d.h. zuviele erhaltene Wohltaten notiert, zu häufig anderen seine Dankbarkeit bekundet und zu oft die glei-chen Handlungen unternimmt. Es entsteht der Effekt einer Überdosis der Aktivitäten. So entwickelt sich kein Gefühl des gesteigerten Glücks, sondern eher ein Empfinden von Traurigkeit und Hilflosigkeit.

 

Eine zweite Gefahr sieht Dr. Lyubomirsky in einer extre-men Motivation. Sie hat Individuen erlebt, die unter allen Umständen glücklicher werden wollten, das ständig und direkt angestrebt haben. Im Endeffekt haben sie damit verhindert, tatsäcklich Glück empfinden zu können.

 

Eine Situation, gesteigertes Glück nicht empfinden zu kön-nen, tritt auf, wenn die unternommenen positiven Aktivi-täten und die Persönlichkeit nicht zueinander passen. Bei Personen, die bereits auf einem hohen Nivaus des persönlichen Glücksempfinden sind, werden einzelne posi-tive Aktivitäten, die das Glücksgefühl stimulieren sollen, kaum eine Steigerung erbringen. Dazu im Gegensatz kön-nen depressive Menschen, die als positive Aktivitäten bei-spielsweise anderen einen Dankbarkeitsbrief schreiben oder eine Gefälligkeit erweisen wollen, dadurch noch un-sicherer und unglücklicher werden. Auch kulturelle Unter-schiede können hier eine Rolle spielen. Dankbarkeitsbriefe an die Eltern stoßen beispielsweise in asiatischen Kulturen eher auf Unverständnis als dass sie das persönliche Wohlempfinden stärken.

 

Ein viertes Problemfeld entsteht dadurch, dass der Adres-sat von Dankbarkeit und Gefälligkeit, nicht wie ge-wünscht und erwartet reagiert. Es kommt nicht selten vor, dass Adressaten von Gefälligkeiten aus verschiede-nen Gründen solche ablehnen und zurückweisen. Über-nommene Hilfestellungen können darüber hinaus so um-fangreich und anstrengend werden, dass der Hilfeleistende im Ergebnis kein Glücksempfinden erzielt, sondnern eher Frustration und Ärger das Ergebnis sind.

 

Eine wichtige Rolle spielen die sozialen Kosten positiver Aktivitäten. Ins Blick wird hierbei nach Dr. Lyubomirsky nicht derjenige genommen, der durch positive Aktivitäten sein Glücksempfinden steigern will, sondern derjenige, der zum Objekt dieses Vorgehens wird. Dieses Individuum kann sich im Ergebnis von Gefälligkeiten, die als positive Aktivität daher kommen, schlechter fühlen. Die Person kann die bekundete Dankbarkeit nicht wünschen und oder wenn sie ihr Zeuge wird, Scham empfinden. Der Einzelne kann sein Glücksempfinden letztlich nur steigern, wenn er den Adressaten seiner positiven Aktivitäten nicht als Mittel, sondern als Teil seines Glücksbemühens betrachtet.

 

Frau Professor Lyubomirsky fordert die Forscher auf dem Gebiet der Positiven Psychologie auf, diesen Fragen in der Zukunft noch größere Aufmerksamkeit zu widmen.

 

G. M.

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