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„Fake News“ und Positive Psychologie


Optimismus und Hoffnung wenn man negative Gefühle hat

Die Verbreitung von Falschinformationen und ihre Zurückweisung sind in der Gegenwart zu einem ernsthaften gesellschaftlichen Problem geworden. Hauptquellen für solche Falschinformationen sind heute neben dem Internet und den sozialen Medien auch traditionelle Nachrichtenkanäle, wenn sie Meinungsbeiträge, „gesponserte Inhalte“ oder die unkritische Wiedergabe politischer Statements veröffentlichen. Denn das, was die persönliche Meinung von Experten ist, entspricht deshalb noch lange nicht dem tatsächlichen Forschungsstand.

 

Auch über die Positive Psychologie wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten solche Falschinformationen verbreitet. Das reicht von der Behauptung, dass sich die Positive Psychologie primär mit den positiven Gefühlen beschäftigt bis hin zu der falschen Aussage, dass dieser Bereich der Psychologie über keine gesicherte empirische Datenlage verfügen würde. Aber auch Heilsversprechen, wie „Glück ist für jeden lernbar“, gehören ins Feld der „Fake News“ oder zumindest der ungerechtfertigten Vereinfachung.


Die Positive Psychologie ist aber auch indirekt von der zunehmenden Verbreitung von Falschinformationen betroffen.


Nur wenn wir über richtige Informationen verfügen, können wir den Weg finden, der uns zu einem gelingenden Leben verhilft. Falschinformationen führen nicht nur politisch und sozial in die Irre, sondern sind eine Bedrohung für das gesamte geistige und emotionale Gebäude, das sich ein Mensch schafft, um zufrieden und glücklich leben zu können. Dazu gehört beispielsweise nicht zuletzt unsere Erkenntnis, dass ein erfülltes Leben nur in Einklang mit einer intakten Natur möglich ist und man alles unternehmen muss, um die weitere Erderwärmung zu verlangsamen. Die dazu hauptsächlich in den USA verbreiteten Falschinformationen lauten, dass es eine Erderwärmung nicht gebe. Diese „Fake News“ blockieren das nötige Engagement von Millionen von Menschen, sich für die Erhaltung der Umwelt einzusetzen und daraus Sinn zu schöpfen.


Ein hervorstechendes Merkmal von sogenannten „Fake-News“-Schlagzeilen ist die Tatsache, dass sie oft voller Emotionen und stark vereinfacht sind. Derartige Falschnachrichten zielen darauf, Angst, Betroffenheit und moralische Empörung hervorzurufen oder aber Euphorie und Hoffnung zu wecken, die nicht der tatsächlichen Situation entspricht. Menschen, die einen starken Fokus auf Ihre Emotionen haben, können hier leicht Opfer von verfälschten Nachrichten werden. Für sie ist es, wenn sie mit emotionalen Inhalten in den verschiedenen Medien konfrontiert werden, besonders wichtig, innezuhalten und über den Wahrheitsgehalt der angebotenen Nachrichten nachzudenken. Oft hilft es vor der eigenen gefühlsbetonten Reaktion das Gespräch mit Bekannten, Freunden sowie Freundinnen und Familienangehörigen zu suchen, bevor man selbst Falschinformationen - beispielsweise über das Internet – weiterverbreitet.


Dies gilt im gleichen Maße für Angst oder Betroffenheit auslösende Inhalte, wie für die Versprechen eines leichten Wegs in das gute Leben für alle oder des schnellen Glücks.


Ein besonderes Phänomen ist es, dass Falschinformationen das Denken und Handeln von Menschen auch dann noch beeinflussen können, wenn sie bereits einmal als unrichtig erkannt wurden. Hierbei handelt es sich um den sogenannten „fortsetzenden Beeinflussungseffekt“ (FBE). Dabei geht es um Informationen, die wir abgespeichert haben und unser Handeln auch dann noch beeinflussen können, wenn wir uns scheinbar von ihrer Unrichtigkeit überzeugt hatten. Auch hier gilt es innezuhalten, neu nachzudenken und gegebenenfalls das Gespräch mit anderen zu suchen.


Zahlreiche Falschinformationen zielen darauf ab, Verschwörungstheorien besonders im Internet zu bedienen und zu verbreiten. Anhänger und Anhängerinnen solcher Theorien misstrauen jeder offiziellen Quelle und den Informationen, die sie verbreitet. Diese Menschen begeben sich oftmals unbewusst in einen kognitiven Käfig, der ihre Suche nach Lebenssinn und persönlichen Beziehungen entscheidend einschränkt. Gerade die Suche nach Lebenssinn ist aber aus der Sicht der Positiven Psychologie zentral, um das eigene Wohlbefinden zu stärken und ein glückliches Leben führen zu können.


Es zeigt sich am Beispiel dieser Zusammenhänge, dass eine Kritik an „Fake News“ und ihre Zurückweisung nicht ein Problem unter anderen ist, sondern etwas mit der Verteidigung des Kerns der Positiven Psychologie zu tun hat.

 

Quellen:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1364661321000516

https://www.nature.com/articles/s44159-021-00006-y






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