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Positive Psychologie und Didaktik: Wie Aufblühen möglich wird und Lernen gelingt

vor 2 Tagen
2 Min. Lesezeit

Buch Good Habits, Bad Habits Gewohnheiten

Woran erinnern sich Teilnehmende nach einem Seminar wirklich – an die Folien oder an das Gefühl, gesehen worden zu sein?

Gunda Rosenauer hat darauf eine klare Antwort: „Studierende oder Teilnehmende erinnern sich weniger an die Folien aus der Präsentation oder Definitionen, eher daran, wie sie sich in der Veranstaltung gefühlt haben: gesehen, ernst genommen, inspiriert oder eben nicht“ (S. 29). Mit diesem Satz eröffnet sie das Kapitel über die Grundhaltungen von Lehrenden, und er trifft zugleich den Kern ihres Buches Positive Psychologie und Didaktik. Schon der Untertitel „Wie Aufblühen möglich wird und Lernen gelingt“ verdeutlicht den Schwerpunkt des Buchs: Flourishing nicht als abstraktes Forschungskonzept, sondern als Frage an die Lehrpraxis.


Rosenauers Leitsatz lautet entsprechend „Beziehung vor Methode“. Mit Verweis auf Hattie (2009) und weitere Studien zeigt sie, dass die Qualität der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden für den Lernerfolg weit bedeutsamer ist als die gewählte Methode. Wie aber entsteht eine solche Beziehung im Seminarraum? Positive Resonanz lässt sich nach Rosenauer nicht erzwingen, wohl aber begünstigen – durch innere Präsenz statt perfekter Inszenierung, durch reflektierte Grundannahmen über die Lernenden und durch einen bewussten Umgang mit den eigenen Emotionen. Besonders ermutigend ist ihr Hinweis: „Resonanz entsteht selten durch große Gesten, sondern durch viele kleine Zeichen von Beziehung“ (S. 32). Gemeint sind Blickkontakt, eine zugewandte Haltung oder echtes Interesse an Beiträgen. Für die Praxis heißt das: Wer gut lehren will, braucht fachliche Expertise und Beziehungsfähigkeit.

Wenn aber die Lehrperson selbst zum wichtigsten Instrument wird, rückt ihre eigene Entwicklung in den Mittelpunkt. Im Abschnitt „Lehrende als Lernende“ greift Rosenauer Carl Rogers’ Konzept der Kongruenz auf und plädiert für Echtheit statt Perfektion. Dabei betont sie: „Echtheit ist ein Entwicklungsprozess, der stetige Selbstreflexion, Mut und Achtsamkeit verlangt“ (S. 42). Wer Unsicherheiten in angemessener Weise zeigt, ermöglicht auch den Lernenden, authentisch zu sein, und Fehler werden zu Lerngelegenheiten. Konkrete Reflexionsfragen helfen dabei, etwa welche Botschaft man in den Raum trägt und welche Haltung unausgesprochen mitschwingt.


Woher Lehrende die Kraft für diese Haltung nehmen, beantwortet das Kapitel über Stärken, Sinn und prosoziales Handeln. Rosenauer stellt dort die schlichte Frage „Warum lehre ich?“ ins Zentrum und ordnet ihr Sinnquellen zu wie Stimmigkeit und Authentizität, Wirksamkeit und Beitrag, oder Wachstum und Entwicklung (S. 111). Hier schließt sich der Kreis zur Flourishing-Forschung, in der Sinn ein eigener Bereich gelingenden Lebens ist, und damit auch gelingenden Lehrens.

Dass die Autorin zum Schluss auch Grenzen wie toxische Positivität und Instrumentalisierung benennt und kritisch beleuchtet, trägt zur ganzheitlichen Perspektive auf Positive Psychologie als Inhalt und Haltung für die Lehre bei.


Das Buch eignet sich besonders für alle, die lehren, trainieren oder Gruppen begleiten, ob an Hochschulen, in der Erwachsenenbildung oder in der Personalentwicklung, und die Positive Psychologie nicht nur vermitteln, sondern im eigenen Lehrhandeln erfahrbar machen möchten.


Gunda Rosenauer ist Professorin für Psychologie an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. Sie ist Diplom-Pädagogin, Ausbildungsleiterin für personzentrierte Beratung (GwG) und Beraterin für Positive Psychologie (DGPP).



Titel: Positive Psychologie und Didaktik – Wie Aufblühen möglich wird und Lernen gelingt

Autorin: Gunda Rosenauer

ISBN: 978-3-662-73277-9

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