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Vom „Helper’s High”: Warum soziales Verhalten glücklich macht

Aktualisiert: 23. Jan.


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Einer Nachbarin ein offenes Ohr schenken, Kleidung oder Geld spenden, Kontakte teilen oder jemandem das eigene Fachwissen unentgeltlich zur Verfügung stellen – „helfen” können wir auf ganz vielfältige Art und Weise. Wenn Sie sich kurz nach einer solchen Tätigkeit schon einmal euphorisch, ja quasi „beseelt” gefühlt haben, dann haben Sie höchstwahrscheinlich ein „Helper’s High” erlebt. Der Begriff stammt aus den 1980er Jahren und beschreibt den Zustand des Glücks und der Erfüllung, den wir erleben, wenn wir uns zum Wohle anderer Personen einsetzen – und zwar ohne Eigennutz oder der Erwartung einer Gegenleistung.

 

„Helfendes Verhalten” kennt seit jeher verschiedene Formen und Formulierungen, darunter „Altruismus”, „Hilfeverhalten” oder auch „prosoziales Verhalten”. Ihnen gemein sind die positiven Effekte, die auch wissenschaftlich fundiert sind. Evolutionär betrachtet ist das Streben danach, sich für andere stark zu machen, in uns angelegt. Eines unserer psychologischen Grundbedürfnisse ist Bindung, also das Erleben von tragfähigen sozialen Beziehungen wie Freundschaften oder familiäre Beziehungen. Darauf zahlt ein helfendes Verhalten ein. Auch in Kunst und Literatur finden wir vermehrt Hinweise auf den Mehrwert prosozialer, also am Wohlergehen anderer orientierter, Verhaltensweisen. „Geben ist seliger als Nehmen.“, heißt es beispielsweise in der Apostelgeschichte im Neuen Testament der Bibel, „You get what you give“ singt die Band New Radicals in einem ihrer populärsten Songs. Und auch der renommierte Arzt Albert Schweitzer sagte einmal: „Das Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ Diese popkulturellen Hinweise postulieren „gebendes“ Verhalten als Maxime für das Zusammenleben von Gruppen und Gesellschaften. Genau jenes Verhalten hat das Potenzial, einen echten Unterschied zu machen. Denn „helfen” hat nicht nur einen gesundheitsfördernden Effekt, sondern macht auch zufrieden. Und das hat verschiedene Gründe:


1. Helfen triggert Hormone: Neurowissenschaftlich betrachtet führt ein gebendes und helfendes Verhalten anderen gegenüber zur Ausschüttung von Endorphinen – ein körpereigenes Hormon, das im Gehirn ähnlich wirkt wie eine sanfte Dosis Morphium. Ein Zustand von Glücksempfinden oder sogar Euphorie folgt – das sogenannte „Helper’s High” entsteht.


2. Helfen sorgt für ein gutes Vorbild: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ So formulierte es einmal der Autor und Pädagoge Erich Kästner. Und er sollte Recht behalten, denn helfendes Verhalten hat Vorbild-Charakter. Eine Studie der Washington University konnte zeigen, dass schon kleinste Kinder im Alter von 19 Monaten bereit waren, ihre Mahlzeit mit fremden Kindern zu teilen. Dabei berichteten ihre Eltern in vorab auszufüllenden Fragebögen über das eigene altruistische Verhalten. Das bedeutet, gutes Sozialverhalten wirkt ansteckend und hat somit eine Vorbildfunktion inne.


3. Helfen bedeutet Perspektivwechsel: Der volle Terminkalender, ein Konflikt mit dem Partner oder aber Langeweile – in einer individualisierten Welt sind viele Menschen hauptsächlich mit sich und ihren eigenen Themen und Herausforderungen beschäftigt. Sich Zeit für die Belange anderer Personen zu nehmen, bringt eine andere Perspektive mit sich. Wir lassen unsere „Bubble” hinter uns und erleben so häufig wieder Dankbarkeit und Optimismus für das eigene Leben.


4. Helfen reduziert Stress: Neben der Ausschüttung von Endorphinen und Oxytocin (im Volksmund als „Bindungs-“ oder „Kuschelhormon” bezeichnet) kommt es im Körper auch vermehrt zur Produktion von Serotonin. Dieser Neurotransmitter fungiert quasi als „Anti-Stress-Ball“ in unserem Körper und sorgt dadurch für ein höheres Wohlbefinden.


5. Helfen als Stimmungs-Booster: Wenn Sie einmal zurückdenken an die letzte Situation, in der Sie sich ein Buch oder ein Mittagessen gekauft haben, und die letzte Situation, in der Sie ein Buch verschenkt oder jemanden zum Essen eingeladen haben – was hat Sie sich glücklicher fühlen lassen? Für die meisten Personen ist es das zweite Szenario. Das bestätigen auch Daten der Harvard Business School aus dem Jahr 2008. Studierende, die Geld für andere ausgaben, hatten höhere Zufriedenheitswerte als Studierende, die es für sich selbst ausgaben. Die Idee, den eigenen Selbstwert über helfendes Verhalten zu stabilisieren, nennt die Forschung „selfish Altruism” – also „egoistischer Altruismus”. Doch auch der zahlt auf unser Wohlbefinden ein.


In a nutshell:

Hilfeverhalten wird häufig auch als Domino-Effekt beschrieben. Sobald wir anfangen, uns großzügig, unterstützend oder helfend zu verhalten, wird genau das zum „Daily Doing“ und wirkt dann auch auf andere. Grenzen finden sich da, wo Menschen generell wenig Zeit zur Verfügung haben und sich Altruismus dann wie ein zusätzliches To-Do anfühlt. In diesem Fall kann es kontraindiziert sein, „auch“ noch bewusst Zeit für Dritte zu finden.


Abschließend können wir festhalten, dass „helfen hilft” – und zwar nicht nur der betreffenden Person, sondern auch mir selbst. Diese (wissenschaftliche) Erkenntnis ist eine Einladung, mit offenen Augen durch die nächsten Tage zu gehen und da wirksam zu sein, wo wir uns für ein Gegenüber stark machen können.


Quellen:

https://www.globalgiving.org/learn/benefits-of-giving-back/

https://www.happierhuman.com/helpers-high/

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